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Kawasaki Sporttourer Z 1000 SX : Ninja geht auf Reisen

Bild: Kawasaki

Nur nicht täuschen lassen: Kawasaki überarbeitet den Sporttourer Z 1000 SX. Die Maschine sieht zackiger aus als ihre Vorgängerinnen, ein bisschen wild und furchteinflößend.

          Raffiniert, diese Japaner. Tun das eine und erwecken den Anschein des genauen Gegenteils. Am Ende bekommt man beides. Das ist die wahre Double-Bubble-Taktik.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Die neue Kawasaki Z 1000 SX, dritte Generation seit 2011, sieht zackiger aus als ihre Vorgängerinnen, ein bisschen wild und furchteinflößend. Das liegt an ihrem Ninja-Gesicht. Die scharfe Front erinnert nun stark an Kawasakis Supersport-Modelle. Zudem wanderten die konventionellen Lampen ins Archiv, wurden ersetzt durch LED-Doppelscheinwerfer, welche die Straße heller ausleuchten sollen und nebenbei für einen ziemlich stechenden Blick sorgen. Auch die bisherige SX war schnell, schielte aber einäugig in die Welt. Auf der Überholspur erzeugte das wenig Eindruck.

          Was künftig den Rückspiegel Vorausfahrender füllt, sieht stark nach Racing aus. In Wahrheit allerdings ist die neue Z 1000 SX komfortabler als die alte, freundlicher in der Präsentation ihrer immensen Kraft, fürsorglicher dem Fahrer gegenüber dank des Wirkens eines umfangreicheren Pakets an Assistenzsystemen. Insgesamt wurde sie noch sorgfältiger auf ihre vielfältigen Aufgaben als Sporttourer vorbereitet: Alltag bewältigen, Spritztour absolvieren, Tourismus fördern.

          Modifikationen an der Motorsteuerung

          Die vom kommenden Jahr an geltenden Euro-4-Normen kosteten weder Leistung (nach wie vor 142 PS/105 kW bei 10 000 Umdrehungen) noch Drehmoment (111 Newtonmeter bei 7300/min). An die verschärften Umweltregularien passten die Entwickler den 1043-Kubik-Reihenvierzylinder durch Modifikationen an der Motorsteuerung an, durch zwei vergrößerte Katalysatoren in der ansonsten unveränderten Abgasanlage sowie ein geschlossenes Kraftstoffsystem mitsamt obligatorischem Aktivkohlefilter. Bei dieser Gelegenheit trimmten sie das Triebwerk auf ein noch seidigeres Ansprechen.

          Erhalten blieb der beeindruckend gleichmäßige Schub in allen Lagen. Elastizität und Kultiviertheit sind Stärken dieses Bullenvierers, der allerdings auch ganz andere Saiten aufziehen kann: Wer die Drehzahl über 7000/min treibt, provoziert einen von dunklem Ansauggeheul begleiteten Temperamentsausbruch. Dann stürmt die Kawa voran, dass rechts und links die Landschaft Streifen zieht und ein schlecht sitzender Helm die Nase platt drückt. Merke: Niemals unterschätze man eine Z 1000, auch in der touristischen SX-Ausführung nicht.

          Mehr Schutz vor Wetter und Motorhitze

          Manko des bisherigen Modells war ein gewisser Mangel an Bequemlichkeit auf langen Strecken. Kawasaki begegnete dem mit einer breiteren Sitzfläche für den Fahrer und einer längeren, dicker gepolsterten für den Beifahrer, die zudem im vorderen Teil höher ausfällt, um ein Vorwärtsrutschen zu verhindern. Mehr Schutz vor Wetter und Motorhitze um die Beine herum bietet die verbreiterte Verkleidung. Der „Double-Bubble-Windschild“ (so genannt wegen seiner zwei Wölbungen) stemmt sich mit vergrößerter Fläche gegen den Fahrtwind und ist unkompliziert ohne Werkzeug in drei Positionen verstellbar.

          Bessere Sicht nach hinten bieten die weiter außen plazierten Rückspiegel. Das Fahrwerk der Maschine wurde neu abgestimmt, zum Anklemmen aufpreispflichtiger Seitenkoffer bringt sie jetzt ab Werk ein Befestigungssystem mit. Die Behälter sind ausreichend voluminös für jeweils einen Integralhelm, schmiegen sich gleichwohl eng und elegant ans Heck.

          Eine exzellente Bremsanlage, zart dosierbar, aber hart durchgreifend, sowie eine auffällig leichtgängige Kupplung und die vorbildlich präzise und mit kurzen Wegen arbeitende Schaltung tragen ihren Teil zum Fahrspaß und angenehmem Handling bei. Dass die SX im Zuge der Überarbeitung vier Kilogramm zulegte (auf 235 Kilo mit gefülltem 19-Liter-Tank) fällt nicht weiter ins Gewicht. Im neu gestalteten Digital-Cockpit mit analogem Drehzahlmesser finden sich auch endlich Anzeigen für Außentemperatur und Gang. Graue Ziffern auf schwarzem Untergrund sind schick, jedoch nicht sachdienlich im Sinne der Ablesbarkeit. Eine 12-Volt-Steckdose muss extra bezahlt werden, das wirkt kleinlich.

          Großzügig dagegen zeigt sich Kawasaki in elektronischen Dingen. Das neue KCMF (Kawasaki Cornering Management Function) steuert sowohl die Brems- als auch die Antriebskraft in Abhängigkeit der Schräglage. Das Kurven-ABS beispielsweise unterbindet nach unseren ersten Eindrücken wirkungsvoll das gefürchtete Aufstellen der Maschine beim heftigen Bremsen in Schräglage. Dreistufig einstellen lässt sich die Traktionskontrolle. Unbeabsichtigte Wheelies lässt das System ebenfalls nicht zu.

          Nach unserer ersten Probefahrt über rund 300 Kilometer meldete der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 5,6 Liter. 300 Kilometer am Stück sind kein Problem mit der neuen SX, die im Dezember für rund 13 000 Euro in den Handel kommt und die ganz unterschiedlichen Welten Sport und Touring noch ein bisschen besser unter einen Hut bringt, nachdem die Japaner bisherige Kritikpunkte Häkchen für Häkchen gewissenhaft abgearbeitet haben. So sind sie nun mal.

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