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Kawasaki Z 1000 SX : Das alte Gefühl der Freiheit

Zu schwer für Papi? Kawasaki Z 1000 SX Bild: James Wright David Reygondeau

Mit der Kawasaki Z 1000 SX gelingt der Wiedereinstieg in die Motorradwelt problemlos: Schon nach wenigen Metern ist das Gefühl fürs Fahren wieder da. Mit brachialer Gewalt stürmt die Maschine nach vorn. Dabei erweist sich ABS als großes Sicherheitsplus.

          3 Min.

          Die Kinder werden größer: Plötzlich ist der Filius 16 und fährt eine 125er-Yamaha. Der Papa hat sich eigentlich vor sieben Jahren aus der Welt der Zweiräder zurückgezogen und wollte sich auf jene konzentrieren, die vier oder noch mehr Räder hat. Doch jetzt juckt es wieder. Die ersten Proberunden auf der Yamaha - Mensch, fühlen sich diese 125er von heute erwachsen an - machen Lust auf mehr.

          Boris Schmidt
          (fbs.), Technik & Motor, Wirtschaft

          Gut, wenn man an der Quelle sitzt. Die Fahrt in den zweiten Frühling beginnt mit einer Kawasaki Z 1000 SX. Dazu eines gleich vorweg: Eine 1000er als Motorrad für den Wiedereinstieg zu wählen, war nicht die beste Entscheidung, auch wenn man vor der Pause 15 Jahre regelmäßig gefahren ist und darüber geschrieben hat. 230 Kilo wiegt die Kawa, vor allem beim Rangieren und bei langsamer Fahrt fällt das negativ ins Gewicht. Aber wenn sie rollt, ist das vergessen.

          Was noch vor dem ersten Aufsteigen auffällt: In der Zeit von 2004 bis 2011 hat sich das Styling der Motorräder verändert. Sie treten heute aggressiver, schriller, martialischer, bunter auf, und so kurze Auspuff-Stummel waren 2004 noch nicht Mode.

          Ruckfrei und absolut spurtreu

          Persönlich würde uns die Kawasaki nicht gefallen, aber das ist rein subjektiv. Die SX ist die Touren-Version der unverkleideten Z 1000 - eines lupenreinen Naked Bikes. Wie es sich für einen Sporttourer gehört, hat die SX eine Vollverkleidung mit integrierten Blinkern und eine kleine Windschutzscheibe, die sich manuell in drei verschiedene Positionen bringen lässt (nicht während der Fahrt). Im Cockpit ist der Drehzahlmesser noch analog, digital wird über Geschwindigkeit, den Füllstand des Tanks, die Uhrzeit und die gefahrenen Kilometer informiert. Die Sitzposition ist relativ aufrecht, man muss sich nicht wie bei einem Sportler in das Motorrad hineinfalten. Der Knieschluss mit dem vergrößerten Tank - 19 statt 15 Liter - ist vorzüglich. Nahezu unverändert von der Z 1000 übernommen wurde der Reihenvierzylinder mit 1043 Kubikzentimeter Hubraum. Die angegebene Leistung von 101 kW (138 PS) bei 9600 Umdrehungen je Minute lässt den Wiedereinsteiger vorsichtig anfangen. Bloß nicht zu stark am Gasgriff drehen, außer den vielen PS warten auch 110 Newtonmeter Drehmoment bei 7800/min auf ihre Mobilisierung.

          Los geht's, und schon nach wenigen Metern ist das alte Gefühl fürs Fahren wieder da, beinahe so, als habe es die Pause nie gegeben. Die Freiheit scheint grenzenlos. Große Worte, gewiss, aber tatsächlich lässt sich die Kawa handzahm fahren. Sie nimmt sehr früh ruckfrei Gas an und schaltet sich völlig unproblematisch (sechs Gänge). Doch wehe, wenn die Pferde losgelassen werden. Mit brachialer Gewalt stürmt die Kawasaki dann nach vorn, wobei der Motor von 7000/min an ein wahres Feuerwerk abbrennt. Noch weiter oben auf dem Drehzahlband lauern lästige Vibrationen in den Lenkergriffen und im Sattel, doch nur bei den Drehzahlspitzen. Auf der Autobahn sind wir nicht schneller als 180 km/h gefahren, schließlich wollten wir es nicht gleich übertreiben. Die versprochenen 245 km/h Spitzengeschwindigkeit glauben wir sofort. Und 180 sind auch nicht wenig, die Kawasaki ist bis dahin absolut spurtreu und pendelt nicht. Das erwarten wir auch bei noch höherem Tempo.

          Vorbildlich auf der Landstraße

          Die Sitzbank soll besser gepolstert sein als bei der Z 1000, dennoch spürten wir schon nach einer Stunde Fahrt ein Drücken an exponierter Stelle. Doch wahrscheinlich muss sich das Sitzfleisch erst wieder an die neue Aufgabe gewöhnen. Die gummierten Fußrasten für den Beifahrer sind zu hoch angebracht, größer Gewachsene müssen die Beine viel zu stark anwinkeln, bequem sitzen sie nicht. Haltegriffe an der Seite der Bank gibt es auch, doch wir sind schon immer der Meinung gewesen, dass sich die Sozia gefälligst am Fahrer festzuhalten habe.

          Auf der Landstraße - der ureigene Lebensraum eines Motorrads - benimmt sich die Kawasaki ziemlich vorbildlich. Sie will nur mit etwas Nachdruck in die Biegung gelegt werden. Das Fahrwerk trumpft auf schlechten Straßen auf, indem es sich auch in Kurven nicht aus der Ruhe bringen lässt. Der Federungskomfort ist gut. Vorn arbeitet eine Upside-Down-Gabel. Sie hat wie das hintere Zentralfederbein eine stufenlos einstellbare Druck- und Zugstufendämpfung.

          6,9 Liter auf 100 Kilometer sind nicht wenig

          Über alle Zweifel erhaben sind die Bremsen. Sie lassen sich sehr gut dosieren, das serienmäßige ABS nimmt nicht nur dem Wiedereinsteiger die Angst vor einer Vollbremsung. Auf dieses Sicherheitsplus sollte eigentlich kein Motorradfahrer freiwillig verzichten: Einfach voll in die Eisen, und man kann sich darauf verlassen, dass das Vorderrad nicht überbremst wird.

          Dass ein Hauptständer fehlt, sei vermerkt, wegen der Konstruktion der Auspuffanlage ließe er sich auch nicht nachrüsten. Koffer finden sich im Zubehörprogramm - oder man bestellt sie gleich mit und zahlt 13.295 Euro statt 12.595 Euro. Der hohe Preis schmerzt, ebenso wie der Verbrauch: 6,9 Liter auf 100 Kilometer im Schnitt sind nicht wenig, vor allem weil wir alles andere als scharf gefahren sind.

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