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Kawasaki Z 1000 : Das Gift der Leidenschaft

So radikal ist kein anderer Japan-Streetfighter: Kawasaki Z 1000 Bild: Hersteller

Die Kawasaki Z 1000 ist radikal: Kein bestehendes Supersportmotorrad ohne Verkleidung. Sondern eine von Grund auf neu konzipierte Maschine, die auf Biest macht: geduckt, gezackt und grimmig, mit massiger Front und luftigem Heck.

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          „Eher was für Fünfundzwanzigjährige“, sagt der Sohn, der erst das Motorrad mustert und dann seinen alten Herrn. Was er sich gerade noch verkneift, also unausgesprochen im Raum steht: „Und nicht für dich.“ Wieso? Etwa wegen dieses Schlangenlederimitatsitzes?

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Mit der neuen Z 1000 hat Kawasaki ein Motorrad auf die Räder gestellt, das klaren Vorgaben folgt und klare Meinungen erzeugt. Es soll erstens einen „atemberaubenden optischen Eindruck“ bieten und zweitens einen „überwältigenden bleibenden Fahreindruck“. Man muss nicht lange gucken und fahren, um festzustellen: beides gelungen. Beides auf eine sehr spezielle Art und Weise, weshalb jeder selbst herausfinden muss, ob er das wirklich so haben will. Ob er mit diesem rauchenden Schlangenleder-Eyjafjallajökull klarkommt, ob er sich unter Mitverkehrsteilnehmern dem Verdacht einer Neigung zu aggressiven Ausbrüchen aussetzen möchte.

          Nacktes Motorrad mit arg viel Kraft bei aufrechter, recht komfortabler Sitzposition - so lautet das übliche Konzept in der Kategorie „Super Naked“. Das angemessene Revier ist die Landstraße, bei Autobahn-Geschwindigkeiten von mehr als 150 km/h können Verkrampfungs-Erscheinungen auftreten wegen des Sturms, der auf den Reiter wirkt. So ist das nicht allein im Fall der Z 1000, sondern auch bei all ihren Konkurrentinnen. Das sind nicht wenige, die Klasse ist umkämpft.

          Dick aufgetragen

          Kawasaki ist das Thema konsequenterweise radikal angegangen. Nicht einfach ein bestehendes Supersportmotorrad ohne Verkleidung, sondern eine von Grund auf neu konzipierte Maschine, die auf Biest macht: geduckt, gezackt und grimmig, mit massiger Front und luftigem Heck. Ob ein Naked Bike so viele Plastik-Anbauteile zur Verbreiterung der Schultern mitbringen sollte wie die Z 1000, ist Geschmackssache, hier wird dick aufgetragen. Andererseits findet der Betrachter eine Reihe zumindest origineller Details wie die in drei Stellungen zu neigende Instrumentenkonsole mit gelblichem Display. Das Tüpfelchen auf dem i ist der Sitzbezug im Schlangenleder-Design zur Fahrzeugfarbe Braunmetallic. Wer die Kawa in Schwarz-Silber oder Weiß-Orange bestellt, bekommt einen schwarzen Sitz.

          Was das Erlebnis Z 1000 prägt und so faszinierend macht, ist das Wirken des Reihenvierzylinders im stabilen, sehr handlichen Fahrwerk. Das Triebwerk (1043 Kubikzentimeter Hubraum, 102 kW/138 PS, 110 Newtonmeter Drehmoment bei 7800/min) zeichnet sich durch zweierlei aus: Es fühlt sich noch stärker an, als die ohnehin beeindruckenden Zahlen vermuten lassen, und es erzeugt Geräusche, die zwar nicht unanständig laut sind, aber von einer Art, die tief unter die Haut geht. Ab 5000/min setzen überdies kräftige Vibrationen ein, die sich mit zunehmender Drehzahl weiter steigern. Ein Wirbel der Sinneseindrücke.

          Ein Spektakel

          Dieser Vierzylinder ist ein Spektakel. Er schiebt ab Standgas ruckfrei und giftig an, verbindet Durchzug und Drehfreude, reagiert aufs kleinste Zucken der Gashand ohne Verzug. Ab 7000 Umdrehungen nimmt der Druck irreale Züge an. Zum Beispiel: 90 bis 190 km/h im vierten Gang in der Autobahnauffahrt ist ein Vorgang weniger Sekunden, für den der Begriff „Beschleunigung“ eine verharmlosende Untertreibung ist. Was nicht unwesentlich zum Erlebnis Zwille beiträgt, sind enge Getriebeabstufung und kurze Übersetzung, die für ein hohes Drehzahlniveau sorgt. Das ist gewöhnungsbedürftig, und oft geschieht es, dass man in den fünften Gang hochschalten will und feststellt, dass schon der sechste drin ist. Bei 100 km/h rotiert die Kurbelwelle bereits 4500 Mal in der Minute, bei 130 etwa 6000 Mal. Immer ist eine gewisse Grundhektik vorhanden, man muss lernen, sich ihr zu entziehen. Vernünftig wäre ein als Overdrive ausgelegter sechster Gang.

          Doch Vernunft ist nicht der eigentliche Antrieb zur Entwicklung einer 240 km/h schnellen Nackt-Rakete (immerhin ist im Grundpreis von 11 295 Euro ABS enthalten). Der Soziusplatz ist auf die Andeutung einer Sitzgelegenheit geschrumpft; um in den Spiegeln etwas zu sehen, muss der Fahrer die Ellbogen anklappen; das stramm abgestimmte Fahrwerk bietet wenig Komfort, die Tankanzeige im schlecht ablesbaren, mit Informationen geizenden Cockpit meldet schon nach ungefähr 170 Kilometern den Verlust des Großteils des Sprits aus dem Tank, der nur 15 Liter fasst. Wir haben 5,7 bis 6,9 Liter Superbenzin für 100 Kilometer benötigt. Vernünftiger wäre ein sparsameres Motorrad wie eine Kawasaki Versys. So was hinterlässt aber nicht solch bleibende Eindrücke.

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