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Katamaran „Planet Solar“ : Auf leisen Pfoten stromaufwärts

  • -Aktualisiert am

Was der Katamaran „Planet Solar” an Energie benötigt, holt er sich von der Sonne - wenn sie scheint Bild: Reissig

„Planet Solar“ soll als erstes rein solarbetriebenes Wasserfahrzeug den Globus umrunden. Wir waren bei einer frühen Probefahrt an Bord und haben versucht herauszufinden, wie Bootfahren in einer Zukunft aussehen könnte, in der der Elektroantrieb die Lösung ist.

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          Zaghaft dreht man den Dreh-Drücksteller nach rechts, mit dem „Planet Solar“ gesteuert wird. Wie in Zeitlupe schwenkt der Bug, die auf dem Display angezeigte Geschwindigkeit reduziert sich um einige Zehntel auf fünfeinhalb Knoten, umgerechnet gut 10 km/h. „Mit ein wenig Übung kann man auf über sechs Knoten bleiben“, sagt Steffen Müller, Manager der Bauwerft und an diesem Tag Skipper an Bord, mit gedämpfter Stimme. Die Hand verkrampft ein wenig am Joystick, man würde nun gerne den Hebel kräftig nach vorne schieben und es endlich mal richtig laufen lassen. Denn von außen sieht der monströse Katamaran mit seiner Eurofighter-Steuerkuppel so aus, als würde er jeden Moment von einer unheimlichen Kraft mit einem Kondensstreifen hinterm Heck in den Orbit geschleudert.

          Wird er nicht. Die Realität ist ernüchternd. Der Wind frischt auf, und der schätzungsweise 100 Jahre alte Fischkutter neben unserem Elektrogiganten schickt sich an zu überholen. Statt eines überirdisch jaulenden Geräuschs, das man aus Jahrzehnten mit Captain Kirk und seinem Raumschiff „Enterprise“ bei Erreichen von Warp 6 kennt, hört man auf der „Planet Solar“ - nichts. Gar nichts. Manchmal schüttelt sie sich ganz leicht. Wenn man auf der Heckterrasse oder auf einem der Rümpfe steht, dringt lediglich das gemächliche Flapp-Flapp-Flapp der beiden für niedrige Drehzahlen konstruierten halbtauchenden Propeller mit ihren Kohlefaserflügeln ans Ohr. Das klingt dann mehr nach Mississippi-Dampfer als nach Marsmission.

          Nicht, dass das Thema Energiesparen nicht beim Verfasser dieser Zeilen angekommen wäre, aber er gehört eben zu denen, die mit starken Maschinen großgeworden sind. Trotz Ölknappheit in den Siebzigern schwoll die Leistung der Motoren an, die überstanden bisher jede Krise und treiben für die Generation der heute Erwachsenen unfassbar schnelle Autos und Boote an. 250 PS aus einem 5-Liter-V8 in einem Sieben-Meter-Boot sind nicht ungewöhnlich. Normal ist auch, dass alle paar Wochen aus den Behältnissen unter den Bodenbrettern 250 Liter Super verschwunden sind. Solche Gerätschaften eignen sich fürs Boote-Quartett: „Vmax?“ „41 Knoten.“ „Ich habe gewonnen!“

          Die elektrische Fortbewegung hat ihre Besonderheiten, der Solarkat hat Tonnen von Kabeln
          Die elektrische Fortbewegung hat ihre Besonderheiten, der Solarkat hat Tonnen von Kabeln : Bild: Reissig

          Im Quartett der ungeliebten Ladenhüter

          Und „Planet Solar“? In der überkommenen Sichtweise ist sie im Quartett der ungeliebte Ladenhüter, den alle loswerden wollen. Zweimal 10 Kilowatt müssen während der Erdumrundung ausreichen. Für die große, spektakuläre Reise ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von lediglich sechs bis acht Knoten (11 bis 15 km/h) geplant. Werden die beiden sogenannten Slaves, die Zusatzmotoren, zugeschaltet, stehen 100 kW zusätzlich zur Verfügung. Aber deren Einsatz übersteigt bei weitem die Einspeisungsleistung der Solarzellen, weshalb die „Slaves“ ausschließlich in Notfällen oder bei bestimmten Manövern aktiviert werden. Mit ihrer Unterstützung steigt die maximale Geschwindigkeit auf 14 Knoten (knapp 26 km/h).

          Damit macht man beim Quartettspielen auf der Schultreppe noch immer keinen Stich. Eher schon mit der Reichweite: Denn die ist unbegrenzt, vorausgesetzt, dass alle Systeme vernünftig laufen, alle Solarzellen an Bord sind - und es nicht gerade regnet, wie am Tag unserer Probefahrt. Die Fläche der Solarzellen wird bei der Erdumrundung mit zwei seitlich jeweils vier Meter abstehenden Flügeln sowie einer Sechs-Meter-Verlängerung nach achtern, die zudem dem Sonnenstand nachgeführt werden kann, noch um einges größer sein als bei unserer Fahrt unter grauem Hamburger Himmel.

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