https://www.faz.net/-gy9-6k201

Kampf um den Elektro-Sieg : Beim Sparen gibt es keine Gnade

  • -Aktualisiert am

Starthilfe für den hohen Tango Bild: Klose

In einem harten Sparwettbewerb kämpfen in den Vereinigten Staaten Elektro-Autos, Hybride und Leichtbau-Studien um den Sieg. Es winken 10 Millionen Dollar Preisgeld. Deutsche und Schweizer Mannschaften sind im Finale.

          Am Montagmorgen quietschen die Reifen. Vollbremsung aus 100 km/h. Mit rauchenden Pneus kommt der Aptera zum Stehen - ein futuristisches Elektromobil, das aussieht wie eine flügellose Cessna. Der Fahrer wischt sich den Schweiß von der Stirn. Willkommen auf dem Michigan International Speedway, eine Schlachtbank für Ökoträume. Zehn Millionen Dollar Preisgeld hat die X-Prize Foundation ausgelobt für den, der hier ein Auto präsentiert, das weniger als 2,35 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. In den Vereinigten Staaten wird aus der krummen Literzahl eine magische Marke: 100 mpg - 100 Miles per Gallon. Das ist das Ziel. Der Preis ist dreigeteilt: 5 Millionen Dollar erhält der Konstrukteur eines Viersitzers; je 2,5 Millionen die Konstrukteure des besten Zweisitzers (Sitze nebeneinander) und des besten Tandemfahrzeugs (Sitze hintereinander).

          Nach einer Vorausscheidung, die im Mai stattfand, versammeln sich an diesem Montag, dem 21. Juni, die Teams zum Halbfinale auf dem Michigan International Speedway, anderthalb Autostunden südwestlich von Detroit. Auf dem Oval, auf dem sonst Nascar-Rennwagen röhren, werden nun eine Woche lang fragile Elektromobile surren, Magermixmotoren ihr dünnes Stimmchen erheben, Hybridautos ihre Batterien leeren. Mit Fahrradspeichenrädern und Solarmodulen hat dieser Wettbewerb jedoch nichts zu tun.

          Gefordert sind echte Autos: Sie müssen zwei Sitze haben und ein festes Dach, das bei Überschlägen schützt. In weniger als 18 Sekunden muss jeder Proband von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Ein Elchtest muss mit Tempo 80 bestanden werden. Und, wie gesagt, der Verbrauch darf 2,35 Liter für 100 Kilometer nicht übersteigen. Stop-and-go-Verkehr und Autobahnetappen eingerechnet. Millionenteure Einzelstücke? Sind nicht erlaubt. Das Siegerauto muss in einer Auflage von 10 000 Stück im Jahr produziert werden können.

          Das Kräftemessen der Sparmobile auf dem Michigan International Speedway

          Tango trägt seine Bleibatterien im Unterboden

          Die Amerikaner sind hier in der Mehrheit: Zwei Start-up-Unternehmen aus Kalifornien sind dabei (Aptera und Zap), dazu Tango Commuter Cars, die ihren 1,5 Tonnen schweren Zweisitzer bereits an George Clooney verkaufen konnte. Der hohe, schmale Tango trägt seine Bleibatterien im Unterboden, um nicht umzukippen. Aus Virginia kommt das Team Edison 2: Der Immobilienmagnat Oliver Kuttner, ein gebürtiger Münchner, bringt Erfahrung aus dem Rennsport mit und hat gleich vier Autos ins Rennen geschickt. Aus dem Mittelwesten kommen die Bastlerteams: EVX aus Texas hat einen Smart mit Batterien ausgerüstet, BITW aus Indiana einen Diesel-Rasentraktormotor in einen kleinen Chevy gepflanzt. Enginer aus Michigan fährt Toyota Prius mit einem mysteriösen Dampfantrieb, und American Hy Power aus Colorado öffnet nie die Motorhaube. Mit einer streng geheimen Konstruktion werde im Motor Wasserstoff erzeugt. "Wir holen mehr Leistung raus, als wir reinstecken", behauptet Kristen V. Cahill, der Teamchef. Unglaublich.

          Auch Europa ist auf dem Speedway vertreten: Aus Deutschland kommt ein Prototyp mit dem merkwürdigen Namen "TW4XP" - Three-Wheeler for X-Prize. Er sieht dem Twike sehr ähnlich, einem Pedal- und batteriegetriebenen Liegerad mit Vollverkleidung, das das Unternehmen Fine-Mobile in Rosenthal bei Marburg seit 2002 für Öko-Enthusiasten baut. Der TW4XP mit 15-kW-Motor ist grösser, komfortabler, besser lenkbar und schneller als das Twike. Martin Möscheid, der Chef, will mit seinem Prototyp weit vorn landen und Investoren finden. "Wir müssen Geld auftreiben, sonst können wir das Ding nie bauen", sagt er.

          Weitere Themen

          B happy

          100 Jahre Bentley : B happy

          Seit 100 Jahren tüftelt Bentley an noblen Automobilen. Die Ehe mit Rolls-Royce ist längst Geschichte. Wohin steuert die Marke jetzt?

          Drinks mit KI Video-Seite öffnen

          Roboter ersetzt Barkeeper : Drinks mit KI

          An der Roboter-Bar in Prag werden die Drinks über einen Touchscreen bestellt. Dabei stehen 16 Cocktails zur Auswahl. Die Maschine schafft bis zu 80 Cocktails pro Stunde.

          Topmeldungen

          Transfer-Offensive : Borussia Dortmund hat ein großes Problem

          Der BVB beeindruckt mit seinen starken Neuzugängen. Doch die Offensive auf dem Transfermarkt hat auch ihre Schattenseiten. Der Kader ist nun viel zu üppig besetzt. Auf der Streichliste stehen prominente Namen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.