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Jüngste Weltumseglerin im Interview : Niemals Panik gehabt, Jessica Watson?

  • Aktualisiert am

„Man muss etwas nur genug wollen”, sagt Jessica Watson, heute 17 Jahre alt Bild: dpa

Eine Sechzehnjährige und die ganz harte Tour. Die jüngste Weltumseglerin Jessica Watson sprach mit Walter Wille über ihr Abenteuer, neue Herausforderungen und das befreiende Gefühl, nichts mehr beweisen zu müssen.

          6 Min.

          Jessica, du scheinst auch in Deutschland eine Menge Fans zu haben?

          Viele Leute hier haben meine Reise verfolgt und die Blogs gelesen, die ich auf See geschrieben habe. Sehr cool. Gestern bin ich im Zug erkannt und angesprochen worden.

          Die Leute hier sehen dich und wissen, wer du bist?

          Einige, ja.

          Du magst schon eine gute und recht erfahrene Seglerin gewesen sein, bevor du deine Weltumsegelung begonnen hast, obwohl du erst 16 warst ...

          ... yeah ...

          ...aber wenn man Dein Buch liest, kommt einem spätestens an der Stelle, an der du deine vier Kenterungen im tosenden Südatlantik schilderst, der Gedanke, dass du die geballte Hilfe aller verfügbaren Glücksgötter benötigt hast.

          Ja, aber es war nicht nur Glück. Man tut vorher alles, damit die Reise so sicher wie möglich verläuft. Doch es bleibt ein Abenteuer, man macht es, weil es ein Abenteuer ist. Man geht da raus und schaut, was passiert.

          Du bist offenbar mit viel Optimismus da rausgegangen.

          Nicht Optimismus. Man muss überzeugt sein. Ich wäre niemals losgefahren, wenn ich nicht eine gute Chance gehabt hätte, zurückzukehren. Und Mum und Dad hätten mich niemals gelassen.

          Du hast beschrieben, wie du mit Deinem Boot von einer Riesenwelle abgestürzt bist ...

          ... genau, kopfüber.

          Das hätte das Ende sein können ...

          ... yeah ...

          Wenn man mit dem Mast voran eine Welle hinunterstürzt, ist hinterher normalerweise das Rigg weg, mindestens.

          Stimmt. Das war der Grund, warum wir unser Rigg so extrem verstärkt hatten. Als es nach dieser Welle noch stand, habe ich gedacht, wow, wenn wir so was überleben können, muss das ein sehr robustes Boot sein. Danach war ich noch viel zuversichtlicher.

          Keine Panik in der Situation?

          Nein, ich war zu erschöpft zu der Zeit, hatte drei Tage lang kaum geschlafen. Ich konnte kaum richtig denken. Es hat einen Tag gedauert, bis mir langsam klar wurde: O mein Gott, das war furchtbar.

          Kannst du dir vorstellen, dass du irgendwann mal in ein Alter kommst, in dem du dich fragst: Wie konnten mir meine Eltern das damals nur erlauben!?

          Ich bin froh, dass Sie die Frage so formulieren. Danke! Viele Leute fragen mich: Wenn du ein Kind hättest - würdest du ihm das erlauben? Ich sage dann immer nur: Ich bin doch erst 17! Ich denke noch nicht über eigene Kinder nach! Also: Ich glaube nicht, dass ich mich das später einmal fragen werde. Denn Mum und Dad sind doch nicht doof, sie hatten vorher lange darüber nachgedacht. Und nicht nur sie. Ich hatte ein ganzes Team erfahrener Helfer um mich herum, die mich nicht aufgehalten haben, weil sie Vertrauen in mich hatten, in das Boot und die Vorbereitungen.

          23.000 Meilen, 210 Tage auf See - hast du die Nase erst mal voll?

          Nein! Ich liebe das Segeln. So viel wie möglich.

          Hast du noch Zeit dazu? Du bist doch jetzt dauernd in der Weltgeschichte unterwegs.

          Es war sehr, sehr busy, seitdem ich zurück bin. Über Weihnachten war ich zwei Wochen zu Hause, so lange war ich seit meiner Rückkehr nicht mehr an einem Ort.

          Das ist der Preis, den du dafür zahlst, nun berühmt zu sein.

          Ich habe es nicht gemacht, um berühmt zu werden. Aber ich liebe es, wenn ich viel beschäftigt bin. Das fordert einen heraus. Ich weiß zu schätzen, welche neuen Möglichkeiten ich nun habe, zum Beispiel nach Deutschland zu reisen.

          Wo bist du denn alles gewesen, um dich und dein Buch zu präsentieren?

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