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Retro-Mobile : Alles neu macht der Jeep

  • -Aktualisiert am

Der Land Rover Defender geht, und der Jeep Africa kommt. Das kann kein Zufall sein. Jeep testet den Geschmack seiner Anhänger vor spektakulärer Kulisse. Bild: Hersteller

Die Digitalisierung frisst automobile Klassiker. Doch nun sprießen zaghafte Keime einer Gegenbewegung. Bei Jeep zum Beispiel. Welche Modelle in Serie gehen, ist offen. Aber: Es wird einen Jeep als Pick-up geben.

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          Jeep, eine der wenigen verbliebenen Marken, die alt eingesessenes automobiles Kulturgut pflegt, hat frisch gesät. Im gleichen Jahr, in dem Land Rover seinen ikonenhaften Defender sterben lässt, weil den Verantwortlichen die Investition in moderne Sicherheits- und Umwelttechnik zu hoch erscheint, zeigt die amerikanische Geländewagenmarke vier neue Varianten des vor allem in Amerika ebenso beliebten wie geschichtsträchtigen Jeep Wrangler - drei davon im Retro-Design.

          Selbst wenn es sich vorerst nur um Einzelstücke handelt, die mit Hilfe der hauseigenen Tuning-Abteilung Mopar entstanden, wird deutlich: Jeep möchte mit historisch motivierten Wrangler-Modellen den Markenkern stärken und stemmt sich damit gegen den allgemeinen Trend. Dafür verzichten die Retro-Mobile geradezu demonstrativ auf den bunten Strauß von Assistenzsystemen.

          „In meinem Wrangler haben auch in Zukunft Totwinkel-, Spurhalte- und Nachtsicht-Assistenten nichts zu suchen“, bestätigt ein Wrangler-Fahrer die Strategie und ergänzt trotzig: „Unser Revier ist dort, wo keine Straße hinführt! Welche Spur wir nehmen, entscheiden wir selbst!“ (Das ist freilich in Amerika viel leichter getan als in Europa oder gar in Deutschland.)

          Mehr als 30.000 Anhänger der Marke treffen alljährlich in Moab zusammen. Hier, in spektakulärer Kulisse von Canyon-Landschaften, die der Colorado über Millionen von Jahren ins Land gefräst hat, fahren sie ihre Jeep, auf den Pfaden der Eroberer des Westens. Jeep nutzt das Ereignis für eine „Kunden-Clinic“, um Reaktionen auf die neuen Modelle zu sammeln. Von Menschen, die sich am Markenkern wärmen. Wir nutzen die Gelegenheit und entführen die Jeeps Africa, Chief, das Staff Car und den Red Rock Responder zu einer Spritztour. Es gilt, die Frage zu beantworten, welches Modell aufgelegt werden sollte.

          Historische Zitate für die Moderne: Der Chief wird seinen Weg machen.

          Der Land Rover Defender geht, und der Jeep Africa kommt. Das kann kein Zufall sein. Die Jeep-Studie auf in Wagenfarbe lackierten 5-Loch-Felgen bietet jede Menge Stauraum durch ein erhöhtes Dach und den lang bauenden Hinterwagen. Nicht nur die Proportionen des auf dem viertürigen Wrangler Unlimited basierenden Africa mit fünf Zentimeter mehr Bodenfreiheit ähneln dem im Sterben liegenden britischen Vorbild.

          Auch Details, wie der neben den Fronttüren montierte Treibstoffkanister, die seitlichen Sonnendächer und der vergrößerte Haupttank für lange Reisen schreiben die Qualitäten des Defender fort, der besonders auf dem Schwarzen Kontinent Expeditonsgeschichte schrieb. Angetrieben wird der wüstenfarbene Africa vom bekannten 2,8-Liter-Turbodiesel-Aggregat, dessen 200 PS von einer Fünfgang-Automatik portioniert werden.

          Lackierung in Beach-Boy-Romantik

          Der bonbonfarbene Jeep Chief dient als Hommage an den Jeep Cherokee Chief. Als Zweitürer lief dieser in den Jahren von 1975 bis 1978 vom Band. Das Retro-Design des aktuellen Konzeptfahrzeugs spielt Themen aus jener Zeit, die uns damals Heranwachsenden einst ins Herz gebrannt wurden: etwa der an Vaters Elektrorasierer erinnernde Chrom-grill, die scheinbar vom Volkswagen Käfer entliehenen, filigranen und ebenfalls verchromten Stoßfänger sowie die blauweiße Zweiton-Lackierung im Stil der von unseren Eltern verehrten Beach-Boy-Romantik.

          Diese nimmt auch das Interieur mit pink-weiss-blauen Sitzbezügen und Hawaii-Hemden-Muster auf. Die Krone setzt schließlich eine kaffeebraune Barbie im Interieur auf: Im Kokospalmen-Rock steht sie musizierend auf dem Armaturenträger und weist den Weg. Er beginnt in einer Zeit, in der die akustische Gitarre den Ton angab. Gezupft oder heftig geschlagen.

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