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Jeep Grand Cherokee : Winnetou muss warten

Der Jeep Grand Cherokee Bild: Hersteller

Der Amerikaner ist ein gemütliches Dickschiff. Schier unfassbare 2,5 Tonnen wollen bewegt werden. Einmal eingelassen auf die Entschleunigung, wächst die Freundschaft Tag für Tag.

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          Lange Lieferzeiten sind kein Privileg von BMW. Wer sechs Monate auf sein neues Auto warten möchte, muss nicht nach dem X5 greifen, er kann auch zu Jeep gehen und den Grand Cherokee bestellen. Damit freilich hören die Gemeinsamkeiten schon auf.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Der Amerikaner ist ein gemütliches Dickschiff, dessen Charme sich all jenen erschließt, die gern am McDonald’s-Drive-in andocken und etwas auf ehrliche Häute geben. Schier unfassbare 2,5 Tonnen wollen bewegt werden, und obgleich der rauhe, mäßig gedämpfte Sechszylinderdiesel 250 PS und beeindruckende 570 Nm Drehmoment schon bei 2000/min abliefert, wirkt der Jeep stets angeleint. Wird der Wählhebel in die Sportstellung gedrückt, was eigentlich ein Witz ist im Geländewagen, geht das Triebwerk verbindlicher, besser zu Werke.

          2,5 Tonnen schwer Bilderstrecke
          2,5 Tonnen schwer :

          Einmal eingelassen auf die Entschleunigung, wächst die Freundschaft Tag für Tag. Der Diesel klingt immer noch unwirsch, aber langsam vertrauter, die Fahrleistungen sind noch immer fernab jeder Sportlichkeit, aber braucht es die wirklich? Dieser Jeep macht aus seinem Fahrer einen ruhigeren Menschen. Er ist steif und ungehobelt und luxuriös und großzügig. Er wendet wie ein Lastwagen und entführt auf eine Reise, die bei 200 km/h gegen die Wand des Widerstands läuft.

          Bis heute wohnen dem Grand Cherokee Gene einer glorreichen Vergangenheit inne, auch wenn an der Front schicke LED-Streifen eingezogen sind, die sich fein in den gesamten Auftritt einfügen, der ein mächtiger ist und doch hinter der Aggressivität manches Konkurrenten zurückbleibt. Das Konzept kommt offenbar an, Jeep verkauft in Deutschland rund 4000 Stück, eine Verdreifachung binnen weniger Jahre. Seit diesem Modelljahr gibt es ein DVD-System für die zweite Reihe, und der Bildschirm vorn sei besser, sagt Jeep - die Einrichtung wirkt noch immer so, als klopfe gleich Winnetou ans Seitenfenster.

          Aber sie ist vollständig, das Platzangebot fürstlich, und die 9,8 Liter Durchschnittsverbrauch auf unseren Testrunden sind auf Augenhöhe mit dem neuen Audi Q7. Der Preis nicht. Jeep fordert für die vollgepackte Version Summit 69 900 Euro. Ein Hauch Wilder Westen fährt serienmäßig mit. Darauf zu warten kann sich lohnen.

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