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Jaguar X-Type Estate 3.0 : Auf der Suche nach den Tugenden

  • -Aktualisiert am

Der erste Kombi von Jaguar: X-Type Estate 3.0 Bild:

Auch mit seinem ersten Kombi-Modell X-Type Estate 3.0 bewegt sich Jaguar in der automobilen Oberklasse.

          3 Min.

          Das Kätzchen schnurrt behaglich. Es muß ihm gutgehen, denn die Zuteilung an Kraftfutter ist üppig bemessen. 15,9 Liter Super für 100 Kilometer zeigt der Bordcomputer an. Diese werden gerade verabreicht, um rund 1500 Kilogramm auf vier angetriebenen Rädern mit hohem Tempo über die sanft geschwungene A3 zu bewegen. Das durchaus liebenswerte Tier schöpft seine Kraft aus knapp drei Liter Hubraum, verteilt auf sechs in V-Form angeordnete Zylinder. Daraus entstehen 169 kW (231 PS) und eine Spitzengeschwindigkeit von 227 km/h.

          Die Katze ist ein Jaguar, und der bietet eine absolute Neuheit: der X-Type Estate ist in der nunmehr fast siebzig Jahre währenden Geschichte der englischen Edelmarke die erste Kombilimousine. Für ihre Freunde, die sich daran stören, halten wir Trost bereit: Das Ladeabteil im Heck behindert nicht eine engagierte Art der Fortbewegung. Und es trübt nicht den Genuß im Umgang mit dem Jaguar, für den man mindestens 38700 Euro hinblättern muß.

          Spärliche 445 Liter Volumen hat der Laderaum bei Nutzung bis zur Unterkante der Fenster. Das sind erstaunlicherweise sieben Liter weniger als in der Limousine. Aber die Rückenlehnen im Fond des Estate können im britisch-asymmetrischen Verhältnis (rechts ein Drittel, links zwei Drittel) umgeklappt werden. Das erzeugt eine mehr als zwei Meter lange Ladefläche, die beinahe eben ist und mit den Carving-Skiern jüngster Generation überhaupt keine Mühen hat. Zur Not bietet sie auch Platz für fünf Golf-Taschen, wir haben das aber nicht näher untersucht. Das maximale Stauvolumen liegt bei 1415 Liter. Ein fast gleich langer Audi A4 Avant ist um mehr als 200 Liter unterlegen, der kürzere 3er-BMW touring bietet 70 Liter weniger. Obendrein erfreut den Fahrer, daß die Rückenlehnen hinten mit einem einzigen Griff und ohne die Demontage der Kopfstützen in die beinahe horizontale Position schwenken. Und das bei einer praxisgerechten Sitzeinstellung des vorderen Gestühls. Eine Gepäckraumabdeckung und ein Sicherheitsnetz zum Schutz vor dachhoch geladenem Gut beim Bremsen gibt es zudem. Hilfreiche Seitenfächer im sauber verkleideten Laderaum der Transport-Katze verwahren die niederen Häßlichkeiten des mobilen Lebens oder verhindern Poltergeräusche der kleinen, vielleicht vergessenen Dinge des Alltags, wenn der Estate rhythmisch durch die Kurven schwingt.

          Agilität ist ihm in hohem Maße eigen. Der permanente Allradantrieb sorgt nicht nur für ausgezeichnete Traktion, sondern auch für Fahrstabilität. Dennoch wirkt das Auto wegen der zu leichtgängigen Lenkung nervös, wenn es mit hohem Tempo in die Biegungen geht, kleine Korrekturen sind oft gefragt, Wachsamkeit nötig. Von samtenen Pfoten kann keine Rede sein, laute Abrollgeräusche und die nicht durchweg komfortable Federung sind schon bei der Executive-Version wenig befriedigend. Man kann sich vorstellen, was dann die Sport-Ausführung (3450 Euro Aufpreis) mit ihrem noch strafferen Fahrwerk den Passagieren zumutet. Schon die gefahrene Spitzenmotorisierung des X-Type Estate bietet eine gewisse Härte, leichtes Versetzen auf Querfugen in Kurven bleibt nicht aus. Die Bremsen arbeiten tadellos, auch die fünfstufige Automatik bekommt trotz gelegentlicher Unsicherheiten bei der Übersetzungswahl gute Noten.

          Leise ist der V6 nicht, er grollt und grummelt, rauscht und knurrt, wenn er gefordert wird. Das mindert den Fahrspaß jedoch nicht. Der X-Type Estate bereitet Freude auf der Landstraße und mindert das Vergnügen allenfalls mit seinem etwas zu klein geratenen, eben mal 61 Liter fassenden Tank.

          Die Ausstattung der Spitzen-Variante ist nicht komplett, aber durchaus attraktiv. Leichtmetallräder und Ledersitze gibt es, ebenso eine elektrische Einstellung beider Sessel mit gutem Seitenhalt. Sechs Airbags und ein zusätzlicher Luftsack zum Schutz der Fahrerknie sind an Bord. Für das gute Klima sorgt eine Automatik, den angemessenen Ton erzeugt eine Audioanlage mit CD-Spieler, die Navigation, auf eine DVD gestützt, kostet 2820 Euro Aufpreis. Mit der im Winterpaket enthaltenen Zusatzausstattung durch beheizbare Frontscheibe und Sitzheizung vorn, dem Regen- und Lichtsensor sowie dem Komfort-Paket mit Parkpilot und Metallic-Lackierung steigt der Preis des feinsten Estate der X-Type-Serie dann doch auf 46670 Euro.

          Damit bewegt sich der Jaguar-Kombi im oberen Segment der Klasse, wo der anspruchsvolle Kunde vielleicht doch bei den rustikal wirkenden Blinker- und Scheibenwischerhebeln eine Spur zuviel von der Zugehörigkeit zur Mondeo-Familie von Ford entdeckt. Immerhin klingt der Name Estate feiner als Turnier.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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