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Jaguar F-Type : Vierzig Jahre Warten haben ein Ende

Geradliniges, wenig verspieltes Design: F-Type Bild: Schmidt

Mit dem F-Type beginnt ein neues Kapitel der Jaguar-Geschichte. Es stehen drei Motoren zur Wahl. Trotz der Alu-Karosse ist der F-Type kein Leichtgewicht.

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          Darauf hat nicht nur Russ Varney, Chef-Ingenieur des neuen F-Type, 40 Jahre gewartet: Als Russ 1973 im zarten Alter von fast 16 Jahren seine Ausbildung bei Jaguar beginnt, war der heute legendäre E-Type bereits im letzten seines dreizehnjährigen Modelllebens. Am 25. Mai beginnt jetzt mit dem F-Type ein neues Kapitel der Jaguar-Geschichte. Versuche, einen echten Nachfolger für den E-Type auf die Räder zu stellen, hatte es zwar gegeben, aber meist fehlte letztlich das Geld. Seit die indische (Neu-)Mutter Tata reichlich Bares nach England pumpt, ist vieles möglich, was bislang nicht ging.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          „Der F-Type ist das wichtigste Auto für uns seit 52 Jahren,“ sagt Varney. Mit dem F soll endlich wieder der wahre Markenkern (echte Sportwagen) gelebt werden, auch als Imageträger sei der 4,47 Meter lange Zweisitzer von enormer Wichtigkeit. Weil es keinen direkten Vorgänger gibt, rechnet Jaguar mit 80 bis 90 Prozent Neukunden. Diese müssen mindestens 73 400 Euro für den V6 mitbringen. Der F-Type V6S kostet 84 900, der V8S 99 900 Euro. Mit den Preisen steigen die Leistung und die Endgeschwindigkeit, auch die Ausstattung wird besser.

          Das Dach schließt in zwölf Sekunden

          Los geht es mit 340 PS, dann über 380 bis hinauf zu 495 PS (250/280/364 kW), für das Maximaltempo bedeutet das 260/275/300 km/h. Der Spurt von 0 auf 100 km/h gelingt in 5,2/4,9/4,4 Sekunden. Die drei Motoren werden alle von einem Kompressor beatmet, die beiden Dreiliter-V-Sechszylinder sind aus dem großen Fünfliter-V8 abgeleitet worden.

          Wie erste Probefahrten zeigten, bringt schon der „schwache“ V6 hinreichend Fahrspaß, der Unterschied zum V6S ist nicht gravierend. Das muss nicht wundern, den das Drehmoment des V6 ist mit üppigen 450 Newtonmeter kaum schlechter als die 460 des V6S. Bei beiden liegt dieses Maximum zwischen 3500 und 5000 Umdrehungen je Minute an. Der V8 ist dann aber eine andere Nummer: 625 Nm Drehmoment (zwischen 2500 und 5500/min) katapultieren den V8 bei vollem Leistungseinsatz mit einem wunderbaren Crescendo aus den vier Auspuffrohren (V6 nur zwei und die mittig) schlichtweg in andere Dimensionen. Dass der Normverbrauch 11,1 und nicht 9,0 oder 9,1 Liter beträgt, sei erwähnt, der Tank fasst 72 Liter.

          Schalthebel statt Drehwähler

          Alle F-Type übertragen die Kraft über eine Achtgang-Automatik (von ZF) auf die Hinterräder, der V8 ist so stark, dass beim Kavalierstart die Räder trotz der elektronischen Helfer kurz durchdrehen. Die Lenkung ist klassisch-hydraulisch, eine elektrische habe man wieder verworfen, erzählt Russ Varney, man sei mit den Ergebnissen, die sie liefere, sehr zufrieden. Der V6S und der V8 haben ein Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern, die verstellt werden können, auch die Lenkung kennt dann zwei Modi. Selbstredend ist der F-Type sehr straff, aber so muss es wohl sein.

          Der Innenraum ist auf zwei Personen zugeschnitten, die durch eine breite Mittelkonsole weiter voneinander sitzen, als sich das Verliebte wünschen. Die Automatik wechselt weich die Gänge, selbst schalten kann man am Hebel oder an den Schaltpaddeln am Lenkrad. Man sitzt so tief wie in keinem Serien-Jaguar zuvor. Dennoch gelingt der Einstieg selbst mit geschlossenem Verdeck recht gut. Das Kofferraumvolumen variiert nicht, 196 Liter müssen reichen, dank einer Vertiefung in der Mitte passt aber ein deutscher Mineralwasser-Kasten hinein.

          Der Innenraum passt für zwei

          Vollständig aus Aluminium ist die Karosserie, dennoch stehen knapp 1600 Kilogramm Leergewicht in den Datenblättern. Zum Vergleich: Das neue Porsche 911er-Cabrio wiegt 1450 Kilo.

          Apropos, der 911 ist ausstattungsbereinigt rund 25 Prozent teurer. Gegen ihn und Autos wie die Corvette tritt der F-Type an, den es wahrscheinlich vom nächsten Jahr an auch als Coupé geben wird. Dann dürfte auch eine noch schärfere R-Variante aufgelegt werden: Für alle, die einen wirklichen Sportwagen wollen, mit dem man auf der Nordschleife Rekorde bricht. Doch auch mit den „einfachen“ F-Type geht es auf den Ring: Alle deutschen Käufer bekommen ein Fahrertraining geschenkt.

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