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Jaguar F-Type R Coupé : Rollige Raubkatze

  • -Aktualisiert am

Will raus: Der Jaguar stürmt los und kostet vergleichsweise wenig Bild: Hersteller

Der Jaguar F-Type R Coupé sucht seine Beute unter Porsche-Fahrern: Höchstgeschwindigkeit bis 300 km/h. Aus dem Stand erreicht das R Coupé 100 km/h in 4,2 Sekunden.

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          Mit dem F-Type Roadster hat Jaguar vor wenigen Monaten einen Zweisitzer auf den Markt gebracht, der, anders als alle Raubkatzen, die der britische Hersteller seit einem halben Jahrzehnt produziert, Jagdinstinkt entwickelt. Und schon im März 2014 schiebt die seit 2008 zum indischen Mischkonzern Tata gehörende Marke das F-Type Coupé mit nochmals schärferen Krallen nach. Das sei ein komplett anderes Auto als der Roadster, behauptet Chefingenieur Mike Cross. Hauptsächlich verantwortlich für die spontanen Reaktionen des Jaguar auf kleinste Lenkbewegungen sei die verwindungssteife Karosserie, erklärt er. Doch so viel Schärfe für einen Jaguar? Passt das zu einer Marke, die in den vergangenen Jahrzehnten eher für komfortables Reisen stand als für rasantes Heizen? „Es ist Zeit zum Umdenken“, meint Cross.

          Wir fuhren die vorläufige Spitzenversion F-Type R Coupé auf der spanischen F1-Strecke Circuit de Catalunya nahe Barcelona und geben dem Chefentwickler zumindest zum Teil recht. Das F-Type Coupé ist ähnlich kompakt und handlich zu fahren wie der Roadster und bietet das gleiche etwas eng geratene Interieur. Das lang abströmende Dach mit integrierter Heckklappe formt seine Schokoladenseite. Es trägt eine Heckscheibe, die stilistisch an die des legendären E-Type aus den Sechzigern erinnert. Ein optionales Panoramadach lässt den Innenraum luftiger erscheinen.

          Ganz anders: Jaguar-Chefingenieur Mike Cross sagt, das F-Type Coupé sei ein ganz anderes Auto als der Roadster

          Entscheidende Unterschiede zum Roadster spürt man erst beim Fahren. Für die Karosseriesteifigkeit verantwortlich sind die riesigen Seitenteile, die wie der gesamte Wagen aus Aluminium, aber im Hydroforming-Verfahren gefertigt sind. Denn das Bauteil, das sich von der A- in die C-Säule erstreckt, die hinteren Radhäuser umfasst und unter den Türen entlang verläuft, muss die Aufgaben der fehlenden B-Säulen übernehmen.

          Schon in den ersten Kurven überzeugt das elektronisch geregelte, die Fahrbahnbeschaffenheit lesende, aber bis in den Dynamik-Modus hinein durchaus komfortable Fahrwerk. Die Achtgang-Automatik schaltet schnell und bietet dem Fahrer einen Handschaltmodus. Dass das von einem Kompressor beatmete 5,0-l-V8-Aggregat mit 550 PS (390 kW) genau 55 PS mehr leistet als in der Roadster-Spitzenversion F-Type S, ist beachtlich, hinterlässt aber nicht einen so nachhaltigen Eindruck wie das um 55 auf 680 Nm gestiegene Drehmoment. Dieses bietet zwischen 2500 und 5500 Umdrehungen spürbar mehr Schub aus engen Kurven heraus. Werden Richtungsänderungen im Grenzbereich vollzogen, hilft das aktive Hinterachsdifferential (eine Weiterentwicklung aus dem Roadster) mit bis zu 200 Millisekunden schnellen Reaktionszeiten, die Antriebskraft zu portionieren.

          Gleichzeitig sorgt die neue Torque-Vectoring-Funktion durch Bremseingriffe an den kurveninneren Rädern für Fahrstabilität. Sie ist so programmiert, dass im Dynamik-Modus leichte Schwimmwinkel zugelassen werden. Der Fahrer bekommt das heroische Gefühl, Drifts zu parieren, wenngleich dies die Elektronik im Hintergrund erledigt. Wer vom Nervenkitzel des potentiellen Abflugs während eines Drifts kosten möchte, kann die Traktionskontrolle ganz ausschalten. Für fast 9000 Euro Aufpreis gibt es verschleißarme Keramikbremsen, die zudem 21 Kilo weniger wiegen als jene aus Stahl. Einzig die akustische Präsenz unter Volllast gibt Anlass zur Kritik: Das R Coupé röhrt aus zwei Doppelendrohren mehr wie ein brünftiger Hirsch als ein kerniger Sportwagen.

          Mit dem neuen F-Type R Coupé möchte Jaguar ins Blickfeld von Porsche-Kunden aufschließen. Und fahrdynamisch kommt es den Topmodellen aus Zuffenhausen nahe. Dafür sprechen Eckdaten wie die elektronisch abgeregelte Höchstgeschwindigkeit bis 300 km/h. Aus dem Stand erreicht das R Coupé 100 km/h in 4,2 Sekunden. Mit 103.700 Euro kostet das Jaguar F-Type R Coupé knapp die Hälfte dessen, was Porsche für den Turbo S aufruft.

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