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SUV von Jaguar : Ein Jaguar, wie es ihn noch nie gab

Raubkatze auf Schnee – der Jaguar F-Pace kämpft sich durch die weiße Pracht. Bild: Hersteller

Spät springt nun auch die britische Sportwagenmarke auf den SUV-Zug auf. Im April kommt der F-Pace, der zurzeit letzten Tests auf Schnee und Eis unterzogen wird. Er soll der meistverkaufte Jaguar werden.

          Glen Longbottom hat früher für British Aerospace Kampfwagen und Panzer gebaut. Seit 2011 ist er bei Jaguar-Land Rover (JLR) und aktuell für die Fahrzeugdynamik des neuen Jaguar F-Pace zuständig. Sein neuer Job macht ihm sichtlich Spaß: Mit Freuden und einem breiten Lächeln auf dem Gesicht lässt er das 4,73 Meter lange SUV auf einem zugefrorenen, eigens für Testzwecke präparierten See in Nordschweden ein ums andere Mal quer um eine Kreisbahn rauschen.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Tacho schwankt so um die 120 km/h. Das wilde Kurven, bei dem feiner Schnee nur so staubt (kein Wunder bei minus 30 Grad Außentemperatur), dient nur der Anschauung. Gezeigt werden soll, was der neue Jaguar im Extremfall kann. Fast alle elektronischen Helfer sind ausgeschaltet. Otto Normalfahrer würde bei der gleichen Kreisfahrt auf Schnee und Eis von den elektronischen Systemen bei rund 80 km/h eingebremst.

          Intelligent Dynamic Drive

          Doch auch das erste SUV in der nun 94 Jahre währenden Geschichte der Briten muss natürlich viel mehr können. Die Sportwagen-Gene müssen zu spüren sein, als direkten Konkurrenten hat sich Jaguar den Porsche Macan und den Audi Q5 sowie den BMW X3 vorgenommen. Wie alle neuen Jaguar ruht der F-Pace, der Mitte April auf den deutschen Markt kommt, auf einer Aluminium-Karosserie-Struktur, was den großen Wagen leichter machen soll. Unmittelbare Verwandte sind die Jaguar-Limousinen XE und XF, doch sind nur knapp 20 Prozent der Teile gleich.

          300 PS sollen den Briten auf Touren bringen. Bilderstrecke

          Besonders intensiv haben sich Longbottom und seine Kollegen um den besten An- und Vortrieb bemüht. Hier gibt es Neuheiten wie eine besondere Anfahrhilfe, die es selbst auf poliertem Eis ermöglicht, kommod anzufahren. Winterreifen vorausgesetzt. Der Allradantrieb wurde in Eigenregie weiterentwickelt, neu ist IDD, Intelligent Dynamic Drive. Diese virtuellen Helfer unterstützten Longbottom bei der eingangs beschriebenen Übung: Je nach Lenkradeinschlag wird das gesamte Fahrzeug in Richtung gehalten, auch wenn es nicht unbedingt gerade steht. Und so nebenbei wurde die Allradtechnik 16 Prozent leichter und 10 Prozent effizienter.

          Das kommt den Motoren zugute, bei denen die Entwickler sich aus dem JLR-Regal bedienten. Hybridtechnik sei in Vorbereitung, heißt es. Zunächst hat der Kunde die Wahl aus zwei Turbodieselmaschinen und einem Kompressor-Benziner, in Deutschland werden sich wohl 90Prozent der Käufer für einen Selbstzünder entscheiden. Das Basismodell ist ein Vierzylinder mit 2,0 Liter Hubraum (180 PS), nur in diesem Modell gibt es wahlweise ein Schaltgetriebe (6 Gänge) und reinen Hinterradantrieb (Basispreis dann 42390 Euro). Alle anderen F-Pace sind Allradler und haben eine Achtgangautomatik. Mit einem 3,0-Liter-V6-Diesel bietet der F-Pace 300 PS auf und sage und schreibe 700 Newtonmeter maximales Drehmoment. In dieser Hinsicht kann auch der 3,0-Liter-V6-Kompressor-Motor nicht mithalten. Der hat zwar 340 Pferde, aber nur 450 Nm. Die beiden Spitzenmodelle der Baureihe kosten 70.950 beziehungsweise 75.250 Euro.

          Letzte Abstimmungstests in Nordschweden

          Zurzeit laufen in Nordschweden im Testzentrum in Revi die letzten Abstimmungstests, bevor in wenigen Wochen in Solihull (der Heimat von Land Rover) die Serienproduktion aufgenommen wird. In Schweden testet JLR schon seit Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, damals hatte Land Rover mit ersten Wintererprobungen begonnen. Heute stehen Jaguar und Land Rover im Winter 60 Kilometer Strecke zur Verfügung, der Großteil davon auf einem zugefrorenen See, es gibt aber auch Strecken an Land und natürlich ein Off-Road-Areal.

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          Jaguar hofft, mit dem F-Pace noch rechtzeitig auf den immer schneller fahrenden SUV-Zug aufspringen zu können. Das Interesse am F-Pace sei groß, sagt Andrea Leitner-Garnell, Pressesprecherin von JLR Deutschland. Ziel sei es, den Geländewagen auf Anhieb zum meistverkauften Jaguar zu machen, nicht nur auf dem deutschen Markt. Hier würden schon gut 1800 Einheiten genügen, mit 1765 Stück war 2015 der XF der beliebteste Jaguar. Um im Kreis der Premiumanbieter mithalten zu können, hat Jaguar dem F-Pace reichlich Assistenz-Systeme mitgegeben (unter anderem automatisches Einparken, adaptiver Tempomat mit Stauassistent, Verkehrszeichenerkennung), das Navigationssystem ist neu und wird auf einem großflächigen, berührungsempfindlichen Monitor hübsch präsentiert.

          Je nach Ausstattungsniveau kommt der F-Pace mit virtuellen Instrumenten, die sich konfigurieren lassen. Und rein praktisch gesehen hat der F-Pace auch was auf dem Kasten: Das Ladevolumen beträgt 650 Liter, mit umgeklappter Rücksitzbank sind es mehr als 1700 Liter. Wie es sich für ein SUV gehört, ist eine Anhängerkupplung in der Aufpreisliste zu finden. Sie ist elektrisch einfahrbar, verfügt über eine Anhängerstabilitätskontrolle und kostet 1200 Euro. 2,4 Tonnen dürfen an den Haken.

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