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Interview mit Hanse Yachts-Chef : Warum zurück zu den Wurzeln, Herr Schmidt?

  • Aktualisiert am

Michael Schmidt Bild: Hersteller

Die Varianta ist Ihre Idee eines iPhone fürs Wasser? Kann man mit so einer Mini-Yacht überhaupt Geld verdienen? Brauchen sie Kunden, denen es weder ums Prestige noch um den Neid vom Stegnachbarn geht? Fragen an den Chef der Hanse Yachts AG.

          Herr Schmidt, kein anderer unter den Großen der Branche bietet ein Boot wie Ihre neue Varianta 18 an: sehr klein, sehr günstig, 10 000 Euro inklusive Segel. Dafür muss man Sie erst mal loben.

          Danke. Da sage ich natürlich nicht nein.

          Ein Boot wie dieses hat es auch von der Hanse-Gruppe noch nicht gegeben - entwickelt unter Beteiligung einer jungen Designerin, der die Bootsbranche bis dahin fremd war. Wie kam es dazu?

          Ungefähr vor zwei Jahren hatten wir angefangen, ein neues Schiff zu entwerfen. Wir wussten, wie es außen, aber nicht, wie es innen aussehen sollte.

          Dehler 32 mit Betonung auf Sport

          Und wie kam nun die Designerin Henrike Gänß dazu?

          In dieser Zeit bin ich auf ihre Diplomarbeit gestoßen. Die fand ich total gut. Das passte in meine Gedankenwelt von diesem neuen Schiff. Da habe ich gesagt, mach mal was für uns.

          Sie hat aber ziemlich radikale Ansichten, findet Yachten, wie man sie auf den Messen sieht, "seelenlos" und kritisiert, dass man die kaum unterscheiden könne. Die Hanse 320, die Sie ihr zu Studienzwecken überlassen haben, hat sie erst mal mit der Flex zerlegt.

          Ja, ja. Ich hatte diese Idee eines neuen Schiffs, wollte irgendwie mal etwas anderes machen. Wir haben auch einen Prototypen gebaut, es haute aber nicht so hin, wie wir gedacht haben. Dann habe ich gesagt, komm, wir bringen stattdessen ein paar von Henrikes Ideen in die Varianta 18 ein.

          Warum unbedingt was anderes machen? Hanse hat bis zum Ausbruch der Krise Jahr für Jahr ein enormes Wachstum hingelegt.

          Wir beide, Sie und ich, gehören zu einer Altersgruppe, die die beste Zeit seit Tausenden von Jahren genossen hat. Nie Hunger gelitten, keine Kriege gehabt, nichts dergleichen. Eine Welt des Wachstums, in der wir uns darüber definierten, was wir alles besitzen. Schöner, reicher, weiter. Mein Haus, mein Baum, mein Pferd und was weiß ich. Dieses Denken ist zwar in manchen Bereichen immer noch gültig, aber es gibt auch eine andere Überlegung: Wofür brauche ich den ganzen Mist?

          Ach so, zurück zu den Wurzeln also?

          Segeln ist ein Sport gewesen, der uns alle fasziniert hat. Als wir damit angefangen haben, gab es einen Kompass, man hat eine leere Bierflasche über Bord geschmissen, die Zeit gemessen, in der sie vorbeigetrieben ist, und wusste ungefähr, wie schnell man fährt. So sind wir ans Ziel gekommen.

          Diese Zeiten sind vorbei. Die Ausrüstung ist heute etwas umfangreicher . . .

          Brauche ich das alles, was auf einem Schiff ist? Sind unsere Produkte nicht viel zu kompliziert geworden? Wenn ich das Radio in meinem Auto oder auf meinem Schiff anstellen will, habe ich Mühe, den richtigen Knopf zu entdecken. Was ich dann noch alles damit anstellen soll, verstehe ich nicht. Will ich auch gar nicht. Ich will eigentlich nur Musik hören. All diese Zusatzfunktionen möchte ich gar nicht. Ich finde auch einen Kartenplotter viel zu kompliziert. Was ich damit alles machen kann! Es würde mich quälen, die Bedienungsanleitung durchzulesen . . .

          . . . kann man verstehen.

          Deswegen war ich auch ein Fan des iPhone und seiner intuitiven Menüführung. Ich war relativ gut im Bedienen dieses Geräts. Es ist mir dann allerdings irgendwann ins Wasser gefallen.

          Die Varianta ist Ihre Idee eines iPhone fürs Wasser?

          Nee. Die Varianta ist einfach - Segeln.

          Ohne Ballast.

          Einfach nur Spaß haben, wenig Pflegeaufwand, überschaubare Investition. Wenn das Boot ein halbes Jahr lang nicht genutzt wird, kann ich sagen: Egal, ich habe ja keine 70 000 Euro dafür ausgegeben.

          Ab Werk ist die Varianta sehr karg ausgestattet.

          Jeder kann sich das Ding so gestalten, wie er will. Der eine nimmt 'ne Luftmatratze mit, der andere legt sich eine Schaumgummimatte rein, der nächste lässt es sich innen vergolden. Es ist wie beim Autokauf: Die Frage ist, wofür ich das brauche und wie viel Geld ich dafür ausgeben will.

          Sie brauchen dafür Kunden, denen es weder ums Prestige noch um den Neid vom Stegnachbarn geht, oder?

          Die Varianta ist ein klassenloses Boot. Deshalb muss man das Produkt auch anders definieren und sagen: Es ist einfach nur da, um Spaß zu haben. Aus dem Grund machen wir Veranstaltungen wie die Welt-Varianta-Wasserfestspiele.

          Was ist das denn?

          Man könnte auch sagen: eine Segel-Weltmeisterschaft mit Variantas. Sie soll im Juli in Lauterbach auf Rügen stattfinden. Man kann dort wunderbar Regatten segeln, Jetski-Rennen fahren, was in die Wertung kommt, und noch vieles mehr, was auf dem Wasser Spaß macht. Aber hauptsächlich kann man abends gut essen, trinken und feiern.

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