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Intermot 2006 : Nichts wäre schlimmer als eine Spaßbremse

  • -Aktualisiert am

Weltpremiere: das neue Flagschiff Yamaha YZF-R1 Bild: AP

Auf der Intermot 2006 in Köln war wenig Innovatives zu entdecken. Die Zukunft des Motorrads bleibt konventionell, auf Experimente wird verzichtet. Die wichtigste Erkenntnis: ABS ist keine Spaßbremse mehr, sondern ernstzunehmender Standard.

          5 Min.

          Nein, der Rhein stand nicht in Flammen, wenngleich man den Eindruck hatte, beim Anlassen der neuen Suzuki B-King würde genau das passieren. Das große Spektakel des motorisierten Zweirads hat nach vier Veranstaltungen in München sein Comeback in Köln gegeben. Die Branche wäre froh, wenn die Intermot, zu der gut 187 000 Besucher kamen, jene Impulse geben könnte, die dringend gebraucht werden. Ob das gelungen ist, ob die Hersteller mit ihren Neuvorstellungen, die es vorige Woche in großer Zahl zu sehen gab, den Nerv der Biker getroffen haben, werden die Zulassungszahlen des kommenden Jahres zeigen. Eine Botschaft von Köln lautet: Das Motorrad bleibt erst einmal so, wie wir es kennen. Keine Experimente.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Unkonventionelle Anstöße für die Zukunft der Mobilität auf zwei Rädern waren nicht zu entdecken. Hybridantrieb, Brennstoffzelle? Die Zeit sei noch nicht reif, hört man. Die schon vor Jahren angedachte Verschmelzung von Motorrad und Roller zu einem urbanen Vielzweckwesen? Im Moment kein großes Thema. Der Roller bleibt Roller (über die Neuigkeiten hier werden wir in der nächsten Ausgabe von „Technik und Motor“ berichten), beim Motorrad verhält es sich ebenso. Wobei es sich natürlich weiterentwickelt und hierbei klare Tendenzen zu erkennen sind.

          ABS auf dem Weg zur Selbstverständlichkeit

          Die vielleicht wichtigste: ABS wird nicht mehr als Spaßbremse betrachtet, es ist auf dem Weg zu einer Selbstverständlichkeit, die Zahl der mit Antiblockiersystem ausgestatteten Modelle wächst kontinuierlich. Nach BMW und Honda gehen nun auch Suzuki (nicht mehr ohne ABS: Bandit-Reihe, SV 650, GSR 600, V-Strom 650) und Yamaha (alle FZ6-Modelle serienmäßig) konsequent diesen Weg. Bei BMW wird auf Wunsch sogar die brandneue Einzylinder-Baureihe mit (abschaltbarem) ABS ausgestattet - einzigartig.

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          Daß Einspritzung und geregelter Katalysator sich flächendeckend durchsetzen, ist nicht allein dem Umweltdenken zu danken, sondern auch der neuen Euro-3-Abgasnorm. Die Einsteigerklasse belebt sich, denn die Industrie hat gemerkt, daß es höchste Zeit ist, in der alternden Motorradzunft für Nachwuchs zu sorgen. Und daß es Möglichkeiten gibt, Frauen für die Sache zu begeistern. Das Modellangebot verästelt sich in alle Richtungen, Spezielles wird noch spezieller, Extremes extremer: In der Supersport-Fraktion werden die Möglichkeiten ausgereizt, daß Normalfahrern schwindelig wird. Mehr als 180 PS sind jetzt das Maß der Dinge. Auf der Suzuki GSX-R 1000 (136 kW/186 PS) ist per Knopfdruck am Lenker die Leistungscharakteristik dreistufig einstellbar von volles Rohr bis etwas zahmer.

          Smarte Allrounder für den Straßenverkehr

          Die Yamaha R1 ist ebenfalls scharf wie eine Rasierklinge, mit neuem Fahrwerk, Motor mit elektronisch gesteuertem Ansaugsystem, 189 PS Nennleistung mit Staudruckeffekt und „dramatisch verbesserter Leistungsentfaltung“. Hondas CBR 600 RR kommt noch kompakter, noch aggressiver als das „weltweit mit Abstand leichteste 600er-Serien-Supersportmotorrad“. Kawasaki verspricht für die radikal rennsportlich abgestimmte, gleichwohl für den Straßenverkehr zugelassene ZX-6R neben viel Leistung die „Handling-Eigenschaften leichtgewichtiger GP-Rennmaschinen mit kleinem Hubraum“. Reiseenduros, Luxustourer, Supermoto-Maschinen, Chopper, Powercruiser, Geländemotorräder, moderne Klassiker - alle bedienen ihre ganz bestimmte Zielgruppe.

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