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Innovationen von Mercedes : Einfach mal zurückschalten

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Im Tal verschnaufen: Der Mercedes Simplex aus dem Jahr 1902 war seiner Zeit weit voraus und das erste moderne Auto. Bild: F.A.S.

Mit dem EQ will Mercedes das Auto neu erfinden. Das haben die Schwaben schon öfter gemacht – zum Beispiel mit dem Simplex von 1902. Wir waren damit auf Spurensuche am Nabel der neuen Autowelt.

          Wer hat’s erfunden? Anders als beim Schweizer Kräuterzucker fällt die Antwort auf diese Frage mit Blick auf das Auto nicht ganz so leicht. Zumindest nicht im Silicon Valley. Denn dort, wo die Googles und Apples regieren und die Nerds an der Zukunft basteln, dort wollen sie nichts wissen vom Patent-Motorwagen eines gewissen Karl Benz, dessen Patentantrag von 29. Januar 1886 ganz offiziell die Geburt des Autos markiert. Wen interessiert es schon, dass es in diesem mystischen Tal eine halbe Stunde südlich von San Francisco damals wahrscheinlich noch nicht einmal eine befestigte Straße gab, geschweige denn etwas anderes als Pferdefuhrwerke, das darauf hätte fahren können. Denn heute ist das hier das Epizentrum der Innovationen, und wer hier forscht und entwickelt, der wähnt sich am Schmiernippel der Weltachse. Der Blick zurück ist da doch reine Zeitverschwendung.

          Auch bei Mercedes macht niemand einen Hehl daraus, dass der Lauf der Dinge eher hier im Silicon Valley als in Sindelfingen den entscheidenden Dreh bekommt. Nur wollen die Schwaben dafür das Heft nach mehr als 140 Jahren nicht aus der Hand geben. Sondern mit einem riesigen Team von vielen hundert Forschern stellen sie im Silicon Valley die vielleicht größte PS-Fraktion, und sie sind mit Autos wie dem EQ C und ihrer um die Schlüsselbegriffe Connected Autonomous Shared und Elektrisch herumgestrickten Case-Strategie vor allem hier im Glaspalast von Sunnyvale gerade selbst dabei, das Auto neu zu erfinden

          Darin haben sie eine gewisse Übung. Nicht nur, weil sie sich gemeinhin der Erfindung des Autos rühmen und ihnen dabei niemand widerspricht. Sondern weil Gottlieb Daimler und sein Chefkonstrukteur Wilhelm Maybach das Auto schon 25 Jahre nach dem Patent-Motorwagen mit dem Simplex von 1902 zum ersten Mal neu erfunden haben.

          Schicke Seitenansicht: der Mercedes Simplex

          115 Jahre später sind wir damit zwischen den zahllosen Tesla, den autonomen Volvo von Uber, den Google-Eiern und den allgegenwärtigen Prototypen der vielen Autohersteller unterwegs, die längst auch im Silicon Valley zu Hause sind. Zwischen führerlosen S-Klassen und elektrischen Erprobungsträgern mit Stern rollt er deshalb auf seinen klapprigen Holzrädern aus der klimatisierten Garage des Entwicklungszentrums zu einer Reise in eine Zeit, die sie hier im Mekka von Morgen allenfalls von der Google-Suche kennen. Und selbst da hat der Simplex nicht einmal kaum mehr als ein Fünfzigstel der Einträge des Tesla Model S.

          Dabei war der Simplex zu seiner Zeit mindestens so revolutionär wie heute die elektrischen Erstlinge eines gewissen Herrn Musk oder die Computer von Steve Jobs – und zwar nicht nur, weil der Sportwagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 111 km/h mal als schnellstes Auto der Welt gegolten hat. Sondern weil der Wagen so einfach zu bedienen war, dass Kaiser Wilhelm II. ihn bei einer Jungfernfahrt höchstpersönlich zum „Simplex“ gestempelt und Mercedes den Vorschlag dankbar aufgegriffen hat.

          Kampf mit dem Schwungrad

          Wo man zum Starten heute oft nicht einmal mehr einen Zündschüssel braucht und im Silicon Valley längst das Smartphone zückt, klingen die leidige Routine aus Tröpfchenschmierung kontrollieren, Kompression in den Zylindern erzeugen und Druck auf die Benzinleitung bringen und im Anschluss dran der kräftezehrende Kampf mit dem Schwungrad nach automobiler Steinzeit und damit etwa so antiquiert wie die Fahnenschwenker, die anfangs noch vor den Autos herlaufen mussten und so den Fortschritt eingebremst haben. „Doch als der Wagen 1902 auf den Markt kam, war das eine Revolution“, sagt Michael Plag aus der Museumswerkstatt von Mercedes.

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