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Infotainment im 7er BMW : Manches wirkt wie Magie

Das Cockpit des neuen 7er BMW ist aufgeräumt, dezent und klar gegliedert. Bild: BMW

Schaut einem in die Augen: Mit einer Kamera zwischen Tachometer und Drehzahlmesser erfasst der 7er BMW die Augenbewegungen des Fahrers. Auch viele weitere Details der bayerischen Oberklasse-Limousine erstaunen.

          3 Min.

          Ziemlich wenig Display: Das ist der erste Eindruck, wenn man es sich im 2019 modernisierten 7er-BMW bequem gemacht hat und einen Blick auf die Infotainment-Ausstattung wirft. Mercedes-Benz mit seinem Mbux-System hat demgegenüber riesige Anzeigen, und Audi fährt im A8 und im A6 ebenfalls deutlich mehr auf als die Bayern in ihrem Oberklasse-Flaggschiff.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Hinter dem Lenkrad befindet sich das digitale Instrumentencockpit mit einer Diagonale von 12,3 Zoll, und rechts davon ist der Bordmonitor mit nur 10,25 Zoll fest auf dem Armaturenträger fixiert. Das macht zunächst nicht viel her. Aber im Vergleich mit Mbux gefällt sofort das dezentere, zurückhaltende Design mit feinen Menüs und klaren Strukturen. Hier wird nicht der Nerd angesprochen, sondern der Vielfahrer, der unterwegs möglichst wenig abgelenkt werden will.

          Wie seine Rivalen in der Oberklasse setzt auch BMW hinsichtlich der Bedienung auf die Maxime, dass man auf vielen Wegen zum Ziel kommt. Der Bordmonitor ist berührungsempfindlich, man kann also mit dem Finger auf die Symbole tippen, er erkennt Gesten und reagiert auf die Annäherung der Hand. Nach einigen Tagen gefiel uns jenes Bedienelement am besten, das Mercedes und Audi wieder aus dem Innenraum verbannt haben: der Controller neben dem Wählhebel des Automatikgetriebes, der sich drehen, drücken und schieben lässt. Er erlaubt präzises Arbeiten bei minimaler Ablenkung.

          Der Bordmonitor könnte größer sein. Bilderstrecke
          Im Test : Infotainment im 7er BMW

          Sodann die Spracherkennung. Wie bei Mercedes wächst sie über sich hinaus, erkennt also nicht nur Kommandos rund um Navigation und Telefonie, sondern wird zum persönlichen Assistenten, der sich mit „Hey BMW“ ansprechen lässt. Dankenswerterweise verzichtet BMW auf manches Mätzchen und erlaubt sinnvolle Abfragen, etwa zur Erklärung, wie der Fernlichtassistent und andere Fahrzeugfunktionen arbeiten. Der Assistent speichert nicht nur regelmäßig gefahrene Strecken und Ziele, sondern die Personalisierung geht hier so weit, dass man „Wenn dann“- Verknüpfungen der Art erstellen kann, dass die Lenkradheizung immer dann eingeschaltet wird, wenn die Außentemperatur einen vorgegebenen Wert unterschreitet. Wie bei Siri und Konsorten lassen sich persönliche Beziehungen speichern: Wer sind Vater, Mutter, Bruder oder Schwester? So erfasst der Assistent mehr natürlichsprachliche Formulierungen.

          Auch der automatisierte Fensterheber arbeitet mit Personalisierung: Wird ein bestimmter, über seine GPS-Position festgelegter Aktivierungspunkt mit einer Geschwindigkeit von weniger als 10 km/h angefahren, öffnet sich das Fenster automatisch. Sehr praktisch etwa bei der Einfahrt in die Tiefgarage, wenn man den Einlass mit einer NFC-Karte legitimieren muss.

          Maximal 20 Sekunden vor und nach einem Unfall

          Erstmals gesehen: Der 7er BMW hat eine Dashcam eingebaut. Der „Drive Recorder“ verwendet die Kameras der Assistenzsysteme und zeichnet Videos der gesamten Fahrzeugumgebung auf. Im Falle eines Unfalls können die Aufzeichnungen vor Gericht verwendet werden. Im Menü lässt sich die Länge der Aufzeichnungen konfigurieren, maximal sind es 20 Sekunden vor und 20 Sekunden nach einem Unfall. Die integrierte Dashcam lässt sich auch manuell starten, etwa um einen Drängler aufzunehmen. Im Ordner „Gespeicherte Aufnahmen“ findet man anschließend das Videomaterial. Der Rekorder ist auch für andere BMW lieferbar.

          Dies gilt ebenfalls für die kameragestützte Aufmerksamkeits-Erkennung: Die Kamera sitzt oben im Instrumentencockpit zwischen Drehzahlmesser und Tachometer. Sie bewertet die Aufmerksamkeit des Fahrers durch die Erfassung der Kopfposition und der Augenstellung. Fährt man mit aktiver Geschwindigkeitsregelung und muss vor einer Ampel warten, gibt der Assistent bei „Grün“ automatisch Gas, sofern der Fahrer tatsächlich nach vorn auf die Straße schaut. Wem das Ganze nicht geheuer ist, der kann die Kamera ausschalten.

          Wie bei anderen Oberklasse-Systemen ist die Darstellung auf dem Bordmonitor konfigurierbar. Man kann, wie beim Smartphone, mehrere Bildschirmseiten anlegen und auf diesen eigene Inhalte mit kleinen Kacheln für den Schnellzugriff ablegen. Wer sich einige Zeit mit dem iDrive in der jüngsten Version einlässt, stellt unschwer fest, dass im Grunde genommen nichts fehlt. Im 7er BMW gehört zudem so gut wie alles Wichtige bereits zur Serienausstattung. Die beiden Anzeigen mitsamt Telefonie, Navigation und Entertainment, die Sprachbedienung und der persönliche Assistent sind ab Werk dabei. Ebenso das 4G-Mobilfunkmodul, ein W-Lan-Hotspot, die Fernsteuerung einiger Funktionen per App und die Smartphone-Integration. Selbst das riesige Head-up-Display mit seiner exzellenten und übersichtlichen Darstellung gehört zur Serienausstattung. Andere Funktionen lassen sich indes nur drei Jahre lang unentgeltlich nutzen.

          Wer nach weiteren Extras sucht, dem empfehlen wir die Komfortsitze mit Massagefunktion (500 bis 2200 Euro) oder das Soundpaket von Bowers & Wilkins, das mit 16 Lautsprechern und einem Zehn-Kanal-Verstärker mit 1400 Watt zu Preisen zwischen 4400 und 5700 Euro offeriert wird.

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