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Ineos Grenadier : Kein Ende im Gelände

  • -Aktualisiert am

Fast der Alte: Der Grenadier will die Liebhaber rustikaler Technik überzeugen. Bild: Laif

Als Ineos Grenadier soll die Idee des Defender in ihrer ursprünglichen Form weiterleben.

          3 Min.

          Land Rover feiert den neuen Defender als das nächste Kapitel einer Legende. Doch für Männer wie Jim Ratcliffe war die Geschichte im Januar 2016 zu Ende. Denn da ist nach mehr als 60 Jahren das letzte Original von Band gelaufen und mit ihm der letzte Geländewagen von altem Schrot und Korn. Zumindest in Ratcliffes Augen. Doch der Brite ist kein Mann für launige Lamentos, sondern einer, der auch mal den Lauf der Welt verändern und die Geschichte so umschreiben will, wie sie ihm gefällt. Nicht umsonst hat er aus der darbenen Chemiesparte des Mineralölkonzerns BP binnen 25 Jahren Ineos als eines der weltweit größten Chemie-Unternehmen gemacht und ist dabei zum Milliardär geworden. Eine der angeblich zehn Milliarden Pfund, die ihn zu einem der reichsten Männer im Empire machen, hat Ratcliffe in ein neues Abenteuer gesteckt, das nach vier Jahren Planung so langsam Gestalt annimmt: Sein eigenes Auto – den Ineos Grenadier.

          Der fängt exakt dort an, wo der alte Defender aufgehört hat, und sieht deshalb nicht nur aus wie eine Kopie des Originals, sondern ist auch genauso konstruiert. Wo Land Rover beim Generationswechsel viele Kanten geschliffen, auf eine selbsttragende Karosserie umgestellt und die Räder einzeln aufgehängt hat, steht sein Allradler im Alukleid kantig wie eh und je auf dem Leiterrahmen, unter den traditionelle Starrachsen geschraubt sind.

          Denn der Grenadier soll kein Spielzeug für die Lifestyle-Gesellschaft sein, sondern ein Werkzeug, mit dem Abenteurer und Arbeiter durch dick und dünn kommen, sagt Ratcliffes deutscher Automotive-Chef Dirk Heilmann. Ein Auto, das aller moderner Technik zum Trotz nicht nur rustikal aussieht, sondern auch einfach zu reparieren ist. Nur mit einem Vorschlaghammer und einer Zange wie früher wird es zwar nicht gehen, räumen die Briten ein. Und auch auf die Seite legen wird man den Grenadier anders als den Willys Jeep beim Service in der Steppe nicht schadlos können. Sondern ein bisschen Elektronik werden die Briten für die zur Zulassung notwendigen Sicherheits- und Assistenzsysteme schon brauchen, und natürlich wird auch der Grenadier mit digitalen Instrumenten und Touchscreen-Navigation aufwarten. Doch bauen sie zum Beispiel nicht umsonst links und rechts identische LED-Scheinwerfer ein, weil man sie dann einfacher austauschen kann und im Busch nicht so viele Ersatzteile braucht.

          70.000 bis 80.000 Euro für eine rustikale Reise

          Das Konzept für den Grenadier stammt von Redcliffe, der selbst begeisterter Abenteurer- und Defender-Fahrer ist. Doch die Konstruktion haben anerkannte Experten übernommen. So wurde die Entwicklung zum Beispiel von Magna Steyr geleitet, die auch die G-Klasse bauen und sich für den Grenadier am Maßkonzept des Mercedes orientiert haben. Die Achsen liefert ein Nutzfahrzeughersteller aus Italien und den Antrieb niemand geringeres als BMW: Die drei Liter großen emissionsarmen Reihensechszylinder aus X5 und X6 samt der Achtgang-Automatik von ZF hat Ratcliffee in München bestellt. Und damit nur ja niemand an der Ernsthaftigkeit seiner Absichten zweifelt, macht er aus dem Auftragsvolumen keinen Hehl: eine hohe fünfstellige Anzahl von Diesel und Benzinern umfasst der Deal, der ab Ende nächsten Jahres greift. Dann soll in Wales die Produk-tion beginnen und nach ein bisschen Anlauf bei 25.000 Autos im Jahr gipfeln.

          Zwar will der Grenadier so zum wahren Nachfolger des Defender werden, doch mit einer Hoffnung macht Heilmann gleich zu Anfang Schluss: Nur weil Ineos ein einfaches Auto baut, wird es nicht auch ein billiges. Weder am alten Defender noch an den importierten Pick-Up aus Asien, die der Firmenchef als wichtigste Konkurrenten sieht, können und wollen sich die Briten orientieren. Sondern viel eher sortiert Heilmann den Grenadier in die Lücke, die zwischen den Luxusversionen solcher Pritschenwagen und der günstigsten G-Klasse klafft: Geschätzte 70.000, eher 80.000 Euro muss einem die rustikale Reise zurück in der Zeit also wohl wert sein.

          So martialisch der Name auch klingen mag und so gut er in eine Welt voller Land Rover, Wrangler, Ranger oder Defender passt, hat Grenadier übrigens keinen militärischen Hintersinn. Sondern so hieß der Pub in London, in dem Sir Ratcliffe seine Trauer über das Ende des Originals mit ein paar Gläsern hinuntergespült und auf einem Bierdeckel die Idee von Nachfolger in Eigenregie skizziert hat.

          Boulevardesker: Land Rover Defender

          Das neue Original

          Kaum siebzig Jahre lang gebaut, schon musste ein neues Modell her. Die Hektik legt Land Rover nicht freiwillig an den Tag, kleinliche Gesetzgeber meinen, mit blechernen Löwenbändigern dürfe man nicht länger auf Europas Straßen. „Wir produzieren keine Massenware, sondern Dinge, in die sich die Menschen verlieben“, sagt der Designchef. Heraus kommt ein neuer Defender, der noch besser auf den Boulevard als in die Savanne passt. Seit Juni ist er im Handel, zunächst 5,02 Meter lang als Modell 110 zu 55.600 Euro. Zwei Vierzylinder-Diesel und zwei Benziner sind im Angebot. Zum Jahresende soll der kürzere, zweitürige Defender 90 für mindestens 49.700 Euro folgen. (hap.)

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