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Indian gegen Harley-Davidson : Kriegsbeil

Auge um Auge: Die Indian Challenge (rechts) fordert die Harley-Davidson Road Glide Special heraus. Bild: Böhringer

Indian fordert Harley-Davidson heraus. Immer wieder. Die jüngste Attacke wird mit der neuen Challenger geritten.

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          Ist es korrekt, die Leute von Indian Indianer zu nennen? Und wenn ja, sind dann die von Harley-Davidson die Cowboys? Immerhin werden die Maschinen von Indian mit dem Indianer-Logo geschmückt, oft zudem mit der Figur eines Häuptlings auf dem vorderen Kotflügel. Harley verwendet kein Cowboy-Emblem, muss aber auf seinen Skalp aufpassen. Zum Rauchen der Friedenspfeife ist Indian nicht bereit. Wild ist der Westen. Hugh!

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Jahrzehntelang waren die Verhältnisse geklärt: Harley gehörte die Prärie fast ganz allein. Denn Indian, vor langer, langer Zeit vorübergehend der größte Motorradproduzent der Welt, war schon 1953 in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Dem Konkurs folgten diverse Wiederbelebungsversuche. Keinem war dauerhafter Erfolg beschieden.

          Dann kam das Jahr 2011. Der Konzern Polaris Industries nahm die Reanimierung in die Hand, erwarb die Markenrechte, setzte den Blinker und bog auf den Kriegspfad ab. Der alte Kampf flammte neu auf. Beim Cruiser-Imperium aus Milwaukee hält sich die Begeisterung darüber vermutlich in Grenzen, weil noch ganz andere Aufgaben zu meistern sind. Harley ist damit beschäftigt, das Altern seiner Gefolg- und Kundschaft abzupuffern, dem Absatzrückgang besonders in der Heimat eine Strategie entgegenzusetzen, neue Fahrzeugkonzepte zu entwickeln, neue Märkte zu erschließen und sich zu allem Überfluss mit der Weisheit des Großen Manitou in Washington zu befassen, der dem Unternehmen mit Zöllen und verbalem Gepolter übel mitgespielt hat.

          Uhrenvergleich: Harley und Indian sind bei aller Ähnlichkeit grundverschieden. Bilderstrecke
          Vergleich : Indian gegen Harley-Davidson

          Was sich wahrscheinlich noch wenig herumgesprochen hat und manch gusseisernem Harley-Fan weh tun dürfte: Motorräder für die Märkte Europas werden neuerdings in Thailand montiert und nicht mehr in Amerika. Indian fertigt bisher ausschließlich in den Vereinigten Staaten. Die Motoren werden in Osceola, Wisconsin, gebaut, die Endmontage erfolgt in Spirit Lake, Iowa. Ursprünglich war Indian in Springfield, Massachusetts, beheimatet. Die Geschichte begann 1901, die Harley-Davidsons erst zwei Jahre später, was dem Erzrivalen gern unter die Nase gerieben und dem Publikum mit Eifer kundgetan wird.

          Kultcharakter besitzt der Name Indian. Von der Größe, der Reputation und der Marktmacht Harley-Davidsons jedoch ist die Polaris-Neugründung noch weit entfernt. 1080 Neuzulassungen weist die Statistik für 2019 in Deutschland aus, gerade mal ein Zehntel dessen, was Harley auf die Straßen brachte. Aber Indian arbeitet dran. Mit Motorrädern von beeindruckendem Format, mit robustem Auftreten und Sticheleien. Dazu zählt die ständig wiederholte Behauptung, „Amerikas erster Motorradhersteller“ zu sein, obschon die historischen Verbindungen zwischendurch zweifellos gekappt waren.

          Jüngster Pfeil in Richtung Milwaukee ist die Indian Challenger

          Was die Modellpolitik angeht, scheint sich Indian ungeniert an Harley zu orientieren. Fast jedem Modell im Portfolio lässt sich eine als Gegner auserkorene Harley zuordnen, mit zum Teil verblüffenden Ähnlichkeiten. Auf den ersten Blick jedenfalls. Auf den zweiten offenbart sich stets die Strategie, im selben Western mitzuspielen, aber eigene Akzente zu setzen – sei es durch das modernere Grundgerüst, durch mehr Leistung, durch opulentere Ausstattung. Jüngster Pfeil in Richtung Milwaukee ist die Indian Challenger. Als Harley, an der offenbar genauestens Maß genommen wurde, lässt sich leicht die zur Saison 2020 überarbeitete Road Glide Special identifizieren.

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