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Im Gespräch mit Michael Macht : Mehr Porsche war noch nie, und die 911 zählt

  • -Aktualisiert am

Michael Macht ist die neue Macht bei Porsche Bild: dpa

Michael Macht wollte seit jeher Porsche fahren. Wie alle Buben in Stuttgart. Jetzt lenkt er Porsche. Das ist nicht einfach. Aber das hat er auch nicht erwartet. Und wir wissen, warum das so ist. Aber Porsche glüht wieder.

          Für Porsche wollten Buben schon immer arbeiten. Weil sie dann eher einen Porsche fahren können. Michael Macht, früher ein Stuttgarter Bub, jetzt als Stuttgarter Mann, begabt mit jener Freundlichkeit, die täuschen könnte, fährt nicht nur Porsche: Er lenkt Porsche. Seit Sommer 2009 ist Macht Vorstandschef der Porsche AG, zuvor enger Mitarbeiter des gescheiterten Wendelin Wiedeking und quasi schon immer ein Maschinenbauer, der über das Werden der neuen Porsche-Modelle mehr weiß als jeder andere.

          Zehn Jahre war Macht bei Porsche Produktionsvorstand. Er kennt jede Schraube am Elfer und jede Dichtung am Panamera. Er wird dieses Wissen für die Zukunft nicht nur parat halten, sondern auch einsetzen müssen. Denn die Chefposition bei dem größten Sportwagenbauer der Welt (bis vor kurzem konnte man sagen: „unabhängigen“) war noch nie einfach auszufüllen, aber so kompliziert wie derzeit war sie noch nie. Denn es geht an der Spitze des Unternehmens nicht mehr nur um die Produkte. Früher genügte es, Erfolg zu haben. Jetzt muss der Chef auch noch Diplomat sein. Denn in dieser Woche rief die Porsche AG zur Bilanz-PK (der Milliardenverlust aus den Vorgängen um die geplatzte Übernahme von VW scheint schon abgehakt), und nun ist das Vertragswerk unterzeichnet worden, mit dem Porsche zu einem Teil des VW-Konzerns wird. Dieser Vorgang scheint Macht nicht wirklich zu belasten, und er greift zu einem sprachlichen Bild, um zu zeigen, wie er sich die (Pole?-)Position in dem integrierten Autokonzern vorstellt: „Porsche war schon immer ein Edelstein.

          Und das will Porsche auch künftig sein. So ein Edelstein will behütet, gepflegt und auch poliert sein. Dann glänzt er.“ Wahrscheinlich hätte sogar Ferdinand Piëch, der große Übervater im Konzern und verschmitzte Rätselgeber, an dieser Formulierung seine Freude. Macht zur künftigen Zusammenarbeit: „Ich stehe für Integration und nicht für Konfrontation.“ Auf die Frage, wo denn Porsche im Konzern positioniert sein werde, lächelt Macht mit unveränderter Freundlichkeit: „Wir definieren uns nicht über die Nummer.“ Und damit sind wir bei jenem Thema, das uns wirklich interessiert: Leistung, Gas und Gummi und der Duft dieser unvergleichlichen Mischung aus Tempo, verbranntem Benzin, dem Schrei des erregten Tieres im Heck und dem Geruch von ganz heißem Öl.

          Im Panamera mutiert der Geruch von ganz heißem Öl und verbranntem Gummi zum Duft des Fahrens ohne die Fragen des Raums

          Fünf Häuptlinge: Cayman, Boxster, Elfer, Panamera und Cayenne

          Porsche hat seinen Modellstamm auf fünf Häuptlinge (Cayman, Boxster, Elfer, Panamera und Cayenne) ausgebaut, und darum herum gibt es noch jede Menge auf dem Kriegspfad erprobte Indianer, die als Roadster, GT oder Turbo oder als abgespeckte und umso teurere Sondermodelle unterwegs sind. Mehr Porsche war noch nie zuvor im Markt. Jedes Modell birgt die Verpflichtung jenes Inhalts, der dazu führt, dass Menschen viel Geld für ein schnelles Auto ausgeben, dessen schieres Tempo sie auch für weniger Euro oder geringere Dollarmengen haben könnten. Das weiß Macht, und er arbeitet intensiv daran, diese unsicht- und unmessbaren Eigenschaften nicht nur zu erhalten, sondern sie womöglich zu verstärken. Er spricht von der „Marken-ikone“ (und führt als Beleg für deren Wert den amerikanischen Motorradhersteller Harley-Davidson an, von dem er ein Exemplar sein eigen nennt), von Aura, von Tradition, Geschichte und von „iconic“, von der Liebe zur ausgetüftelten Technik-Delikatesse (Macht hat eine Modelleisenbahn im Keller!) und ist dann rasch bei „performance“ und „Effizienz“.

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