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Im Gespräch: Hendrik von Kuenheim, BMW : „Wir operieren aus einer Position der Stärke“

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Position der Stärke: Hendrik von Kuenheim und die S 1000 RR. Mit dem Erscheinen der Maschine vor zwei Jahren veränderten sich die Sportwelt und das Image der Marke BMW Bild: Hersteller

BMW strotzt vor Kraft: Die Münchener bauen jetzt auch noch Scooter. Doch die Anzeichen für 2012 bezeichnet der Leiter von BMW Motorrad, Hendrik von Kuenheim, als „durchwachsen“.

          Das Jahr 2011 scheint für BMW Motorrad ein besonders gutes gewesen zu sein.

          2011 war für uns ein überaus erfolgreiches Jahr in einem extrem schwierigen Umfeld. Wir registrieren einen neuen Absatzrekord von über 104.000 BMW-Motorrädern, dazu gingen noch mehr als 11.000 Husqvarnas an unsere Kunden, was allerdings kein Rekord ist. BMW Motorrad hat einen historisch hohen Weltmarktanteil von rund 13 Prozent in der Klasse über 500 Kubikzentimetern erreicht. Das entspricht einer Verdoppelung innerhalb der letzten vier Jahre. Derzeit sind wir in zwölf Märkten der Erde der absolute Volumenführer. Wir erwarten - betriebswirtschaftlich gesehen - einen historischen Umsatzrekord und ebenso einen historischen Rekordertrag. 2011 hat also finanziell das absolut beste Ergebnis in der fast 90-jährigen Geschichte von BMW Motorrad gebracht.

          Geht das munter so weiter, oder bedrohen die weltwirtschaftlichen Fährnisse auch Ihren Erfolg?

          Obwohl ich von meiner Grundausrichtung her ein Optimist bin, muss man realistisch sagen, dass die Anzeichen für 2012 durchwachsen sind. Die vergangenen vier Jahre waren sehr problematisch, und einigen Herstellern steht das Wasser bis zur Nase, manchen auch darüber. Aufgrund der Ereignisse in Europa - Stichwort Finanzkrise - erwarte ich, dass die erhoffte Erholung der europäischen Motorradmärkte ausbleibt. Allerdings sehen wir gute Signale aus Amerika, der Markt ist wieder im Kommen, eindeutig. Dazu Brasilien, Kanada, Südafrika - das sind starke Märkte, die das Geschehen in Europa teilweise kompensieren können. Bei alledem bin ich aber sicher, dass BMW Motorrad obenauf schwimmen wird, denn wir operieren aus einer Position der Stärke.

          Nun auch noch Motorroller. Im Werk Berlin hat Mitte Dezember die Serienproduktion des C 600 Sport und des C 650 GT begonnen. Was versprechen Sie sich von den beiden?

          Damit gehen wir nun abermals in ein für uns neues Segment und haben viel vor. Wir sind sicher, dass die beiden Roller auf Anhieb ganz vorne mitschwimmen werden.

          Rechnen Sie mit einem ähnlich großen Erfolg wie bei den Supersportlern mit der S 1000 RR?

          Einmal haben wir ein neues Segment erfunden, mit dem C1. Der war seiner Zeit einfach um Jahre voraus und konnte sich deshalb am Markt nicht durchsetzen. Jetzt steigen wir in ein großes bestehendes Segment ein und denken, mit C 600 Sport und C 650 GT ähnlich überzeugende Produkte wie die S 1000 RR entwickelt zu haben. Die beiden Roller können unserer Meinung nach auf Anhieb mit den besten Scootern mithalten - vielleicht werden sie sogar besser sein. Warten wir die ersten Tests ab.

          Welche Absatzzahlen schweben Ihnen vor?

          Wir wollen ja wachsen, wachsen, wachsen. Ich glaube, die beiden Roller werden BMW Motorrad ein Netto-Zusatzvolumen von mindestens zehn Prozent bringen. Wir gehen also von ungefähr 10 000 Einheiten aus.

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          Planen Sie weitere Roller-Typen?

          So unendlich viele Produkte, wie manche Wettbewerber haben, wird es bei BMW Motorrad nicht geben. Wir setzen jetzt mal ein Statement mit den 650ern, eine Produktvielfalt von 50 bis 700 Kubikzentimeter ist für uns aber nicht erstrebenswert. Ein, zwei weitere Roller sind aber noch denkbar. Wir haben keinen Termindruck, Image macht man bekanntlich "top-down", erst einmal müssen wir uns im Scootersegment beweisen. Wir und unsere Händler müssen den Markt und unsere zukünftigen Kunden verstehen lernen, denn wir betreten ja Neuland. Aber Sie können damit rechnen, dass die weiteren Duftmarken, die wir im Lauf der nächsten Jahre setzen wollen, hochinteressant sein werden.

          Kommt in absehbarer Zeit ein elektrisch angetriebener BMW-Roller auf den Markt?

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