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Licht und Schatten auf der IAA : Autoschau mit Motorschaden

Immerhin kommen fast 7000 Hybrid-Autos dazu

Dagegen ist der Neuwagenmarkt im Vergleich August 2017 mit August 2016 um 3,5 Prozent gewachsen, aufs Jahr gesehen liegt 2017 bislang mit 2,9 Prozent gegenüber 2016 im Plus. Und das Interesse am Elektroauto nimmt auf niedrigem Niveau sprunghaft zu. 2177 reine E-Autos wurden zugelassen, das sind 143,2 Prozent mehr als im August des vergangenen Jahres. Oder 0,85 Prozent vom Gesamtmarkt. Immerhin kommen fast 7000 Hybrid-Autos dazu, davon 2617 als an der Steckdose aufladbarer Plug-in. Die Stromer-Quote liegt also wohlwollend bei 3,5 Prozent.

Es ist noch ein weiter Weg, bis es 35 Prozent sind, einzelne Vorboten sind da, zum Teil sind sie auf der Messe zu sehen. Doch Geduld ist vonnöten. Die groß angekündigten Neuheiten im Bereich der E-Mobilität lassen lange auf sich warten. So war der Mission E von Porsche einer der Stars der IAA vor zwei Jahren und auch auf dem Titel dieser Beilage im September 2015, er ist freilich seither in der Warteschleife. Allerdings hatte Porsche vor 24 Monaten gesagt, dass die Marktreife nicht vor 2018 erreicht sei. Gleiches gilt für die damaligen E-Studien von Audi und Mercedes-Benz. Am Ball sind sie alle, Porsche hat eigens einen neuen Sprecher eingestellt, der sich nur um den Mission E kümmern soll.

Neue, sofort marktreife Elektroautos sind eine Seltenheit auf der IAA. Honda bringt die Studie Urban EV Concept mit, aus der der erste elektrische Honda für Europa werden soll. Mercedes-Benz wird sein erstes vollelektrisches EQ-Konzeptfahrzeug im Kompaktsegment vorstellen. So nebenbei hat man auch eine Brennstoffzellen-Studie dabei, jene alternative Technik, bei der Elektroautos Wasserstoff tanken. Smart überrascht mit einer rollenden Kugel, die auch noch autonom fährt. Auch VW hat wieder eine E-Auto-Studie dabei.

Neu ist vielmehr der Jaguar E-Pace

BMW wird nicht müde, für das Elektroauto zu kämpfen. Der i3 wurde überarbeitet, zudem gibt es jetzt eine um zehn kW stärke Version. Der i8, ein Plug-in-Hybrid-Sportwagen, wird als Roadster seine Premiere feiern, ebenso wie ein neues E-Auto als Studie und der X7-Concept. Besser in die Zeit passt ein rein elektrischer Mini, der gleichfalls als Studie zu sehen ist und 2019 auf den Markt kommen soll. Es ist vorgesehen, ihn in Oxford auf der Insel zu bauen, trotz Brexits. Die anderen Jungs von der Insel werden schon 2018 ihren vollelektrischen Jaguar I-Pace von der Leine lassen. Der steht auch in Frankfurt, ist aber keine Neuigkeit mehr. Neu ist vielmehr der Jaguar E-Pace, die kleinere Ausgabe des F-Pace. Er gehört zu dem mehr als ein Dutzend neuen SUV, die auf der Messe zu sehen sein werden (siehe Seiten 2 und 5), kein Hersteller kann es sich leisten, dieses Feld nicht zu bedienen.

Die SUV, so kritisch sie mancher auch sehen mag, verkaufen sich einfach wie geschnitten Brot. Bald werden auch Lamborghini und Ferrari als Allerletzte den Markt mit den Hochbeinern beglücken. Und in Deutschland sind sie auf dem beste Wege, die Golf-Klasse als größtes Marktsegment zu übertrumpfen. Bentley hat schon den Bentayga, in Frankfurt steht die nächste Generation des Continental Coupé, ebenfalls ein mächtiges Auto, aber kein SUV. Zu den wichtigen Nicht-SUV auf der IAA, die ganz neu sind, gehören zudem der Audi A8, selbstverständlich der VW Polo, der Maserati Ghibli und der Jaguar XF Sportbrake, also der Kombi des XF. Toyota zeigt den neuen Land Cruiser, auf den neuen Land Rover Defender muss zum Leidwesen der Fans weiter gewartet werden.

Ganz wichtig wird sein, wie sich der Besucherzustrom entwickelt. Mehr als 900 000 Besucher kamen 2015 und in den Jahren zuvor. Sollte das Interesse spürbar sinken, vielleicht sogar im zweistelligen Bereich, dürfte es künftig noch schwieriger werden, die Finanzkontrolleure der jeweiligen Hersteller von einem Messeauftritt zu überzeugen. So gesehen wird die IAA 2017 die spannendste seit langem.

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