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IAA 2003 : Das Ende der Träume und neue Ideen

Einfach malen: Zeichenerkennung im Auto bei Siemens VDO Bild:

Die "Faszination Auto" auf der 60. Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt steht auch in diesem Jahr für spannende Kommunikationstechnik. Wer die diesjährige IAA mit den beiden Vorgängerveranstaltungen 2001 und 1999 vergleicht, bemerkt jedoch eine Zäsur.

          Die "Faszination Auto" auf der 60. Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt steht auch in diesem Jahr für spannende Kommunikationstechnik. Wer die diesjährige IAA mit den beiden Vorgängerveranstaltungen 2001 und 1999 vergleicht, bemerkt jedoch eine Zäsur.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der naive Fortschrittsglaube, daß das Auto mehr und mehr ein Vehikel der Kommunikation wird, ist dahin. Alle bedeutenden Fahrzeughersteller haben noch 2001 den Einzug des Internet in die mobile Welt gefeiert. Davon ist keine Rede mehr: Mit dem Zusammenbruch der "New Economy" hat sich der Gedanke überlebt, daß der 35 Jahre alte Börsenguru in seinem neuen 7er-BMW die Aktienkurse via Internet in Echtzeit liest. Diese IAA rückt die Maßstäbe wieder zurecht. Kommunikation wird zu einem möglichst unaufdringlichen Begleiter. Die Technik muß sich dem Autofahrer anpassen, sich nicht in den Vordergrund spielen, sie soll einfach nur funktionieren.

          Bei Mercedes-Benz und BMW hält man sich mit kommunikativen Ankündigungen bedeckt. Die spektakulärste Neuheit ist der Einzug von Wireless Lan ins Auto. Diese drahtlose Funktechnik erlebt gerade ihren Siegeszug bei der Vernetzung von Computern und in der Unterhaltungselektronik. Sie erlaubt hohe Datenraten über beachtliche Entfernungen bis 300 Meter. BMW setzt W-Lan mit seinem Connected-Drive-System als Frühwarnanlage für gefährliche Situationen ein. Autos mit W-Lan vernetzen sich spontan untereinander, sobald sie ein Pendant entdeckt haben. Gerät ein Fahrzeug in eine schwierige Situation, meldet es seinen Standort und die Gefahrenlage sofort an alle anderen. So kann man sich frühzeitig auf ein Unwetter oder Aquaplaning einstellen.

          Auch Fiat setzt auf Wireless Lan. Ein Sondermodell der Großraumlimousine Ulysse ist mit der drahtlosen Funktechnik bestückt. Man kann es in Halle 6 mitsamt eingebautem Notebook bewundern. Nur sollte man nicht auf die Bemerkungen des Standpersonals hören. Ein Mitarbeiter erzählte uns, mit dem Wireless Lan könne man das Fahrzeug und seine Ausstattung individuell konfigurieren. Ein anderer meinte, Wireless Lan sei so etwas wie ein Navigationssystem, und zeigte auf die Connect-Anlage im Armaturenbrett. Erst der dritte wußte, daß das W-Lan zum Einbuchen ins Internet dient. An ausgewählten "Hotspots" in der Großstadt findet man dann im Ulysse einen sehr schnellen Netzzugang.

          Bei den Navigationssystemen zeigt sich ebenfalls eine klare Tendenz zum schlichten und funktionalen Gerät. Blaupunkt präsentiert seinen Travelpilot E1, der zugleich Radio und CD-Spieler ist. Selbst während der Routenführung kann man Musik von der Silberscheibe hören. Der E1 ist zudem besonders günstig: Weniger als 700 Euro kostet der Kombi für den genormten DIN-Schacht. Bei Siemens VDO steht ebenfalls ein schlichtes Gerät im Vordergrund. Das VDO Dayton MS 3200 zeigt den Weg zum Ziel auf einem zigarettenschachtelgroßen Monochrom-Display, eine Fernbedienung übernimmt die Eingabe von Straße und Ort. Das Gerät für die Nachrüstung soll 1100 Euro kosten und nutzt auch C-IQ, das flexible Bezahlsystem für elektronische Landkarten.

          Eine Zukunftsstudie, die schon bald Gegenwart werden kann, zeigt Siemens VDO Automotive: In Halle 5 läßt sich eine Art iDrive-Bediensystem ausprobieren, wie man es vom 7er- und 5er-BMW kennt. Ein Drehsteller läßt sich in alle Richtungen bewegen und navigiert damit durch die Menüs. Der Clou ist jedoch die Oberfläche des Drehstellers. Sie ist ein berührungsempfindliches Touchpad, das in ähnlicher Form beim Pocket-PC oder Palm-Organizer zum Einsatz kommt. Auf dieser Oberfläche kann man einzelne Zeichen oder Silben nacheinander mit dem Finger schreiben. Sie werden dann von einer Handschrift-Erkennungssoftware erfaßt. Das alles funktionierte bei unseren Versuchen sehr ordentlich. Vor allem bei der Eingabe von Navigationszielen erspart man sich auf diese Weise viel Zeit. Schon bald soll dieses System bei einem europäischen Hersteller zum Einsatz kommen.

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