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„i:SY“ : Dieses kompakte Reiserad sorgt für Verblüffung

  • -Aktualisiert am

Kompakt, aber oho: das i:SY Bild: Pardey

„i:SY“, die zweite Vorstellung: Nichts ist dem Fortschritt beim Fahrrad so hinderlich gewesen, wie das Beharrungsvermögen von Experten und Handel. Hoffentlich wird das bei dem Kompaktrad von Martin Kuhlmeier nicht der Fall sein.

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          Der Fahrradsachverstand in Person begegnete uns in einer Ebbelwei-Wirtschaft des Landkreises Offenbach. (Wo denn sonst, wenn nicht da, sagt sich der gelernte Frankfurter.) Kaum dass wir zügig mit dem gut befrachteten Zwanzig-Zoll-Kompaktrad „i:SY“ von Räderwerk angelangt waren und den ersten Sauergespritzten geordert hatten, trat ein großgewachsener Mann mitleidig lächelnd an den Tisch: Das sei ja wohl ein recht mühevolles Radeln, eine Gepäcktour mit einem Klapprad?

          O nein, erwiderten wir fröhlich, dieses Rad sei keineswegs ein Klapp- oder Faltrad und es fahre sich ausgesprochen leicht und flott. Aber die kleinen Räder und die Ballonreifen, beharrte der Fachmann, da sei der Rollwiderstand erheblich, und außerdem sehe er da eine Nabenschaltung, da quäle man sich ja noch zusätzlich herum mit dem bekannt niedrigen Wirkungsgrad. Nun hätten vielleicht wir mitleidig lächeln sollen, sagten aber stattdessen eifrig: Die dicken Reifen – jawohl 60 Millimeter Schwalbe „Big Apple“, viel Volumen, eher niedriger Druck: In denen steckt der Federweg des Rades, sehr komfortabel. Und bei der Schaltung handele es sich um die bekannte 14-Gang-Nabe von Rohloff, und etwas Besseres wüssten wir nicht fürs Tourenfahren, verschmutzungssicher, unerreichter Übersetzungsspielraum, gleichmäßige Gangsprünge, sehr empfehlenswert, bloß ziemlich teuer.

          Vorurteile, die das i:SY umgehend Lügen straft

          Ob er, um sich selbst zu überzeugen, vielleicht eine kleine Runde ums Haus drehen wolle? Aber, aber dieses Rad passe ihm doch nicht, wehrte der Grosse müde ab. Worauf wir noch eifriger wurden: Kein Problem, ein Aufhebeln am Speedlifter-Vorbau, 14 Zentimeter Spielraum zum Verstellen, ein Lösen der Klemme an der Sattelstütze, und das i:SY passt zwischen 1,60 und 1,85 Meter Körperlänge. Worauf der Fachmann erwiderte: „Nein, das muss ich mir nicht antun.“ Sprachs und schwang sich auf einen dem Ermüdungsbruch entgegenknackenden Klepper mit Rennlenker aus den frühen achtziger Jahren, auf dessen Rahmen mit Mühe noch Spuren eines Schriftzugs wie „Alu-Rad“ zu erkennen waren.

          Dies Erlebnis ist so ausführlich geschildert worden, weil es wie unter dem Brennglas bündelte, womit das Konzept von Martin Kuhlmeier sich im Alltag auseinandersetzen muss – oder auch der, der sich als Händler für dieses Kompaktrad stark macht: mit lauter Vorurteilen. Vorurteile, die das i:SY umgehend Lügen straft, und zwar überzeugend – wenn ihm denn die Chance der praktischen Widerlegung geboten wird. Dass ein Fahrrad, kompakt wie Klappräder von anno dazumal aussehend, das auf 20-Zoll-Laufrädern rollt, noch dazu auf Ballonreifen und mit einer Nabenschaltung im Antriebsstrang schwerfällig sein muss – das sitzt fest in den Köpfen.

          „Räderwerk“ ist ein ziemlich gängiger Name

          Und man kann nur erwidern: Ausprobieren, es ist nicht so. Gut, wir haben mit dem zum Reiserad aufgebauten i:SY eine Luxusversion für – wenn wir die Sonderposten der Zubehörliste richtig addiert haben – rund 3100 Euro bewegt: Angefangen von der Sonderlackierung (alle RAL-Farben sind möglich) über die MKS-Steckpedale, den Brooks-Ledersattel, die Ergon-Griffe mit der breiten Handauflage bis zur Lichtanlage mit SON-20R-Dynamo und -Scheinwerfer sowie die erwähnten Details Rohloff-Nabe und Speedlifter-Twist-Vorbau war an diesem Rad alles dran, was gut ist und etwas mehr kostet.

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