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Hyundai : Es lebe der Luxus und die Umwelt

  • -Aktualisiert am

Nach dem Vorbild der japanischen Hersteller will Hyundai die Luxusmarke Genesis etablieren Bild: Hersteller

Hyundai schärft sein Profil. Mit dem hybrid-elektrischen Ioniq und der Luxusmarke Genesis schicken die Koreaner zwei völlig unterschiedliche Konzepte ins Rennen.

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          Genau hinschauen, sich die Stärken der anderen zu eigen machen und von ihren Fehlern lernen - so haben es Hyundai und die 1998 adoptierte Tochter Kia in nicht einmal zehn Jahren gemeinsam zur Nummer fünf in der Weltrangliste der Autohersteller gebracht. Doch Wachstum allein ist den Koreanern nicht genug. Hyundai geht es auch um Prestige, deshalb gründet man jetzt nach dem Vorbild von Toyota (Lexus) oder Nissan (Infiniti) eine eigene Luxusmarke, Genesis genannt.

          Doch es geht Hyundai nicht nur um Luxus, auch um die Umwelt. „Wir wollen zu einem der umweltfreundlichsten Fahrzeughersteller der Welt werden,“ sagt Entwicklungschef Woong-Chul Yang und kündigt bis zum Ende des Jahrzehnts zwei Dutzend neuer Öko-Modelle mit einem bunten Strauß alternativer Antriebstechnologien vom Hybrid bis zur Brennstoffzelle an.

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          Vorreiter dieser Flotte und weithin sichtbares Zeichen des Paradigmenwechsels wird der Ioniq, der nach seinem Vorspiel in Korea zum Genfer Salon im März erstmals auf eine internationale Bühne fährt und der in Deutschland im Herbst in den Handel kommt. Als erstes designiertes Öko-Auto aus Korea nicht aus der Großserie abgeleitet, sondern um den sauberen Antrieb herum entwickelt, wird es den nach dem Vorbild des Toyota Prius als kompakten Dienstwagen für Captain Future gezeichneten Wagen binnen Jahresfrist gleich in drei Varianten geben: „Wir bringen den Ioniq als konventionellen Hybriden, mit Plug-in-Technik und als reine Elektroversion“, stellt Yang in Aussicht. Die Plattform für alle drei Versionen ist identisch und das Design des 4,47 Meter langen Fünfsitzers unterscheidet sich nur in Details wie dem Kühler oder der Farbe der Zierelemente.

          Aber unter dem Blech gibt es deutliche Unterschiede. Der Ioniq Hybrid kann nur wenige hundert Meter stromern, der 45 PS starke E-Antrieb ist vor allem als Unterstützung für den neuen 1,6-Liter-Benzinmotor mit 105 PS gedacht. Der Plug-in-Hybrid soll eine elektrische Reichweite von bis zu 510 Kilometer haben. Das Akku-Auto soll 250 Kilometer weit kommen.

          Kia wird natürlich auch von der Technik profitieren und sie zum Beispiel im neuen SUV Sportage verwenden. Ob der Ioniq tatsächlich dem Toyota Prius ernsthaft Konkurrenz machen kann, wird sich zeigen. Hyundai plant zunächst mit 30 000 Einheiten im Jahr, das baut Toyota in einem Monat.

          S-Klasse und 7er-BMW Paroli bieten

          Viel weniger Stückzahlen sind für das neue Hyundai-Flaggschiff Genesis G90 eingeplant. Doch ist die erste Jahresproduktion der 5,20 Meter langen Luxuslimousine nur drei Wochen nach dem Start fast ausverkauft. Der S-Klasse und dem 7er-BMW soll Paroli geboten werden, und es scheint zumindest in Korea zu gelingen. Doch startet der G90 dort bei „nur“ 73 Millionen Won und kostet voll ausgestattet bis zu 115 Millionen Won. Umgerechnet ist das eine Preisspanne von 55 000 bis 87 000 Euro und jeweils ein gutes Drittel weniger als Mercedes-Benz in Seoul für eine S-Klasse verlangt.

          Hyundai setzt darauf, dass in der Welt generell mehr Luxusautos verkauft werden, Infiniti hat im vergangenen Jahr 16 Prozent zugelegt und erstmals mehr als 200 000 Autos verkauft, Lexus bleibt weltweit die Nummer vier im Luxusmarkt und meldet in Europa mit knapp 64 000 Zulassungen das beste Jahr aller Zeiten, und die Amerikaner mischen auch wieder mit im Oberhaus: Cadillac (eine GM-Marke) will bis zum Ende des Jahrzehnts weltweit 500 000 Autos pro Jahr verkaufen und Lincoln (eine Ford-Marke) endlich zur zweiten globalen Luxusmarke made in den Vereinigten Staaten aufsteigen. Von diesem großen Kuchen wollen die Koreaner ein paar kleine Krümel abbekommen.

          Jede Menge fortschrittlicher Technik

          Weil der G90 nicht nur Flaggschiff ist und Eroberer werden soll, sondern auch ein Aushängeschild für den ganzen Konzern, gibt es zu Lack und Leder und jeder Menge Luxus bis hin zu den Loungeliegen im Fond auch jede Menge fortschrittlicher Technik. Der 3,3 Liter große V6-Motor mit Doppelturbo und Direkteinspritzung, 370 PS und 510 Newtonmeter maximales Drehmoment läuft leise und beschleunigt den 2,5-Tonner im Verbund mit einer seidigen Achtgang-Automatik so samtig, wie es sich in diesen Kreisen geziemt.

          Die Assistenzsysteme meistern den Autobahnverkehr wie in Siebener oder S-Klasse auch ohne Zutun des Fahrers und fordern nur zur Anwesenheitskontrolle gelegentlich noch eine sanfte Berührung am Lenkrad. Eine ebenso schlaue wie bislang konkurrenzlose Elektronik übernimmt automatisch die ergonomisch perfekte Einstellung für Spiegel, Lenkrad und den 22-Wege-Sessel des Fahrers. Und die Animationen auf dem 12,7 Zoll großen Bildschirm in der Mitte des sehr aufgeräumten Cockpits sind an Brillanz und Detailverliebtheit kaum zu überbieten. Dagegen sieht das Mäusekino bei Mercedes-Benz oder BMW aus wie weiland die Wochenschau.

          Genesis soll in Zukunft auch kleinere Brötchen backen und plant bis zum Ende des Jahrzehnts sechs Modelle: einen G80 im Format der Mercedes-Benz E-Klasse, einen G70 als Limousine und Coupé als Gegner für 3er- und 4er-BMW und zwei Geländewagen analog zu Audi Q3 und Q5.

          Doch in Europa soll Genesis vorerst noch nicht vermarktet werden. Konkret ist die Planung für den Export nach Amerika und China, nach Russland und in die Arabischen Emirate. In Europa und vor allem in Deutschland jedoch, wo das Prestige viel wichtiger ist als der Preis, machen sich die Koreaner erst mal keine großen Hoffnungen. Schließlich hat Hyundai schon beim aktuellen Genesis schmerzhaft seine Grenzen aufgezeigt bekommen: Die Limousine im Format des Fünfers, die in der neuen Nomenklatur als G80 läuft, wird seit Sommer 2014 angeboten - und trotz eines Kampfpreises von 65 500 Euro so mäßig verkauft, dass sie beim Kraftfahrt-Bundesamt nicht einmal separat ausgewiesen wird.

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