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Fahrbericht Honda SH 300i : Grautvornix in Rom

Der SH 300i ist ein ausgesprochen unkomplizierter Roller Bild: Hersteller

Eine der schärfsten Klingen im Stadtverkehr ist der Honda SH 300i. Die Kombination aus schmaler Gestalt, moderatem Gewicht, großen Rädern und kräftigem Motor ergibt im rauhen Alltag hohe Schlagkraft.

          Eine der schärfsten Klingen im Stadtverkehr ist der Honda SH 300i. Man darf sich vom freundlichen Blick nicht täuschen lassen: Der fackelt nicht lange. Beim Ampelstopp duldet er keinen vor sich. Wird’s grün, staubt er davon.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Die Kombination aus schmaler Gestalt, moderatem Gewicht, großen Rädern und kräftigem Motor ergibt im rauhen Alltag hohe Schlagkraft. „Das beste Gerät für Rom“, urteilte einmal ein italienischer Journalist über die Durchsetzungs- und Durchschlängelfähigkeiten des bisherigen SH. Wenn das jemand beurteilen kann, dann natürlich die Bewohner jener Metropole, deren Gewühl die nach europäischen Maßstäben höchstmögliche Entwicklungsstufe erreicht hat. Römer beherrschen die Kunst, einen ständig zum Kollabieren neigenden Verkehr kreativ am Fließen zu halten. Das Geheimnis besteht in einer sensationellen Mischung aus Rücksichtnahme und Skrupellosigkeit.

          Der 300er, Spitzenmodell der SH-Baureihe, kommt im Juli überarbeitet auf den Markt - auch nördlich der Alpen, ungefähr zum Preis des Vorgängers, für den 5600 Euro zu zahlen waren. Die Japaner sind sich seiner Qualitäten so sicher, dass zum Ausprobieren derselben dorthin geladen wurde, wo es wirklich gilt. Richtig, nach Rom, das schon zu Asterix’ Zeiten als die „erstaunlichste Stadt des Universums“ (neben Lutetia) bekannt war.

          Außer einem wesentlich frischeren Styling - unter anderem wurde der Halogenscheinwerfer durch ein LED-Bauteil ersetzt - verdienen mehrere Punkte Erwähnung. Dank Neukonstruktion des Stahlrahmens und Verlängerung des Radstands wurde Raum geschaffen für ein größeres, einen Integralhelm fassendes Staufach unter der Sitzbank. Das ist bauartbedingt nicht ganz einfach zu bewerkstelligen im Fall eines Scooters mit großen 16-Zoll-Rädern. Üblicherweise haben Großradler ein Stauraumproblem, rollern aber stabil und bleiben auf holprigem Straßenbelag ruhig auf Kurs.

          Automatikscooter der unkomplizierten Art

          Aktiviert wird der neue Honda mit „Smart Key“ (ein kodierter Schlüsselanhänger) und Drehschalter am Fahrzeug. Ein Zündschlüssel muss also nicht mehr aus der Tasche geholt und ins Schloss gesteckt werden. Weiß der Römer nicht mehr genau, welcher der vielen geparkten Roller seiner ist, dann drückt er den Smart Key - und der SH blinkt. All das spart ihm wertvolle Sekunden.

          Geld spart er dadurch, dass der Neue im Vergleich zum Alten effizienter mit dem Treibstoff umgeht. Honda beziffert den Unterschied mit knapp neun Prozent. Es klingt glaubhaft. Nach den Eindrücken unserer Probefahrt (griechisch-römisch) kommt der SH mit deutlich weniger als vier Liter auf 100 Kilometer aus, bei gemäßigtem Fahrstil, haha, vermutlich mit rund drei. Reibungsärmere Motorkonstruktion und schwächere Lichtmaschine (die LED benötigen weniger Strom) tragen zum geringeren Verbrauch bei. Der 169 Kilo wiegende SH ist Hondas erstes Zweirad, das schon die Euro-4-Norm erfüllt, die in anderthalb Jahren gültig wird. Sein 279-Kubik-Einzylinder verlor ein PS an Spitzenleistung (jetzt 26 PS / 19kW und 25,5 Nm), gewann dafür laut Hersteller an Durchzugsvermögen in mittleren Drehzahlen.

          Schlecht sind die Bremsen keineswegs

          Die Ablösung des feinen Integral- durch ein simpleres Zweikanal-ABS-Bremssystem, bei dem die Scheibenbremsen vorn und hinten unabhängig voneinander arbeiten, ist bedauerlich und hat wohl vorwiegend Kostengründe. Schlecht sind die Bremsen aber keineswegs. Was nicht zum Premiumanspruch Hondas passt, sind einige wenige Kleinigkeiten wie Soziusrasten, die im hochgeklappten Zustand wackeln, sowie ein widerwillig öffnendes Handschuhfach mit wabbeligem Deckel. Ein Blinkerpieper wäre nützlich. Dafür rennt der Großradler auf der Autobahn sichere 130, wobei ortsansässige Scooterfahrer dafür nicht unbedingt eine Autobahn brauchen.

          Ein Fremder, der sich in Rom nicht als zaudernde Dorfnuss blamieren will oder als Hindernis, das seine Fahrweise irgendwelchen Verkehrsregeln unterordnet, profitiert am meisten von der unkomplizierten Art des Automatikscooters, der Wendigkeit, dem tiefen Durchstieg samt flachem Boden sowie der aufrechten Küchenstuhl-Haltung mit perfektem Überblick. Sightseeing macht er aber besser zu Fuß.

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