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Fahrbericht Honda Gold Wing : Rücke vor bis zur Schlossallee

Die GL 1800 Gold Wing von Honda Bild: Walter Wille

Die Honda Gold Wing, lebendes Denkmal des Motorradbaus, hat sich schwer verändert. 380 Kilo gilt es sorgsam zu manövrieren. Solange die Masse rollt, ist alles gut.

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          Im Führerscheinrecht klafft eine Lücke. Da gibt es den Autoführerschein, den Motorradführerschein, den Bootsführerschein und vieles mehr. Aber was es nicht gibt, das ist das Gold-Wing-Schifferpatent für die Große Fahrt. Hondas Sechszylinder-Dampfer fällt unter die Motorradlizenz, was erstaunlich und nur damit zu erklären ist, dass er zwei Räder hat.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Tatsächlich begann der Koloss seine Karriere im Jahr 1975 als noch einigermaßen schlankes, normales Motorrad. Schlank und normal, das ist lange her. Wer heute mit einer Gold Wing vom weiten Ozean her kommend über die Seeschifffahrtsstraße einen Parkplatz ansteuert, fühlt sich wie der Herr Kapitän beim Einlaufen in den Hafen. 383 Kilo gilt es sorgsam zu manövrieren. Solange die Masse rollt, ist alles gut. Ausgewogene Gewichtsverteilung, niedriger Schwerpunkt dank des tiefliegenden Sechszylinder-Boxermotors sorgen für angenehmes Handling. Doch beim Anhalten, beim Rangieren herrscht Anspannung auf der Brücke. Kommt eine Gold Wing ins Kippen, dann kippt sie auch.

          Honda weiß um das Problem, hat einen Berganfahrassistenten installiert, zudem in der Spitzenversion „Tour“ einen Kriechgang, der vorwärts wie rückwärts arbeitet. Mit dessen Unterstützung kann der Steuermann füßelnd vor- und zurücksetzen, ein- und ausparken. Eine hilfreiche Sache, die man dankbar nutzt. Aber Obacht, beziehungsweise „Wahrschau!“, wie der Seefahrer sagt: Ein Häufchen Kiesel unter der Sohle, ein leichtes Rutschen des Schuhs kann ausreichen als Ursache für den großen Umfall.

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          Dabei ist die rundum neue Gold Wing des Jahrgangs 2018 leichter, kompakter geworden. Ja, wirklich. Gemessen an gewöhnlichen Motorrädern mag sie nach wie vor ein Ungetüm sein, gemessen an ihrer Vorgängerin, dem Barockschloss auf Rädern, ist sie geradezu zierlich. Je nach Variante (drei stehen zur Wahl) verlor sie bis zu 48 Kilo. Doch blieben noch reichlich übrig, wie sich das gehört für einen Tourer der Superluxusklasse.

          Die GL 1800 Gold Wing ist das Motorrad für den, der an der Schlossallee ein Hotel gebaut hat, entspannt verfolgen kann, wie die Würfel fallen und mindestens 26.000 Euro Spielgeld auf der hohen Kante hat. Soviel kostet die Basis-Variante mit Seitenkoffern, aber ohne Topcase. 32.000 Euro verlangt Honda für die Version „Tour“ mit Topcase, 36.000 Euro für „Tour“ mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DCT) und eingebautem Airbag, beides weltexklusiv.

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          Im Fall eines Aufpralls kann der Airbag der Gold Wing Gold wert sein. Ob er, wie manchmal zu lesen ist, das Motorrad zum sichersten der Welt macht, sei dahingestellt. Auf alle Fälle ist es das vornehmste von allen. Majestätisch die Ausstrahlung, opulent die Ausstattung, vom Feinsten die Ausführung. Wir waren mit einem Allinclusive-Exemplar unterwegs, dessen Kilometerzähler wir innerhalb weniger Tage um den Wert 2500 vorspulten. Und zwar mühelos: Schon die bisherige Gold Wing war unübertroffen in der Disziplin des Überwindens langer Distanzen in höchster Gelassenheit. Ihre Nachfolgerin ist ein ebensolcher Raumgleiter, bloß moderner.

          Die Federung – das Vorderrad wird nun statt von einer Telegabel von einer Doppel-Querlenker-Konstruktion geführt – bereitet im Zusammenwirken mit der opulenten Sitzlandschaft sänftenartigen Komfort. Elektrisch in der Höhe verstellbar ist jetzt die Windschutzscheibe. Dahinter geht die Besatzung in Deckung, wenn der Brummer eine Schneise durchs Tiefdruckgebiet schlagen muss.

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