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Honda Fireblade Event 2008 : Ich hab' dein Knie geseh'n

Beratungsstelle: Wie kommt man da am besten rum? Bild: Wille

Warum zieht es Motorradfahrer wie dich und mich auf die Rennstrecke von Almería? Sie wollen ausprobieren: ihr Können und die neue Honda Fireblade. Der japanische Konzern zählt zu den Einfallsreichen, wenn es um Kundengewinnung geht.

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          Es fühlt sich gut an und macht chrrr. Das Chrrr ist das, worum es geht. Nicht ausschließlich, aber doch ganz wesentlich. Ohne dieses Geräusch fehlt etwas, wer es niemals hört, den beschleicht vielleicht das Gefühl der Unvollkommenheit wie den Pfadfinder ohne Halstuch, den Seemann ohne Äquatortaufe, den Olympiafavoriten ohne Medaille. Der Sportfahrer trägt seine Auszeichnung am Knie, in Gestalt des Plastikknubbels, der in tiefer Schräglage bei ausgeklapptem Bein über den Asphalt schrabbelt. Dabei bekommt der Knieschleifer Kratzspuren, Nachweis eines gewissen Muts und Könnens.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Natürlich schauen sich die 140 Motorradfahrer aus ganz Deutschland, die sich im milden andalusischen Vorfrühling an der Rennstrecke von Almería versammeln, gegenseitig aufs Knie. Aber es gibt noch andere Indizien für Fahrkünste. Eine gut eingetragene Lederkombi mit Schürfspuren weist auf intensive Rennstreckenerfahrung hin, ein Einteiler mit Racing-Höcker und Namen wie „Franky“ oder „Hubbel“ hintendrauf auf Selbstbewusstsein. Wer mit Textilklamotten oder Klapphelm anrückt, verrät Gleichgültig- oder Ahnungslosigkeit. Rennstrecken-Neulingen ist anzusehen, dass sie das alles sehr beeindruckt und sie sich fragen, ob sie hier, beim „Fireblade Event 2008“, wohl mithalten können.

          Alle zwei Jahre eine neue Fireblade

          Manche Männer lassen sich alle zwei Jahre an der Prostata untersuchen, andere kaufen sich alle zwei Jahre eine neue Fireblade. Wie der schwäbische Rainer, der sich selten Urlaub gönnt, dafür aber im Internet ein Fireblade-Forum betreibt. Es treffen Leute, die fünf Sportmaschinen zu Hause stehen haben, auf solche, die mit ihrem schmalbrüstigen, versicherungsgünstigen Allrounder keine 1000 Kilometer im Jahr zusammenbekommen. Das Durchschnittsalter dürfte bei Mitte vierzig liegen, die große Gruppe ist bis auf wenige weibliche Einsprengsel sehr maskulin. Drahtige, junge Kerle Seite an Seite mit agilen Rentnern sowie einigen der schnellsten Bäuche Deutschlands.

          Doctor Flotte: In jedem steckt ein ein Valentino Rossi. Mal mehr, mal weniger
          Doctor Flotte: In jedem steckt ein ein Valentino Rossi. Mal mehr, mal weniger : Bild: Wille

          Georg, siegreicher R1-Cup-Fahrer mit seiner vom Stürzen löchrigen Kombi, ist da. Rainer aus Mainz, Hobbyracer mit nagelneuer Gesamtkörperausstattung in Känguruleder und vier Schrauben im Unterarm, war voriges Jahr einmal Erster - im Krankenhaus. Harald, der fröhliche Franke, tritt nach neun Jahren Motorradpause mit geborgtem Helm und antiker Kluft an, in der er auf der Suche nach einem Kaugummi 1,20 Mark entdeckt. Sieben Groschen und einen Fünfziger.

          Die Währung hat sich geändert, der Preis fürs Dabeisein bei diesen Tagen der lockeren Gashand ist höher, aber fair. Subventioniert von Honda, dem Hersteller, der im tiefen Süden Spaniens Kundenbindung der aufwendigen Art betreibt. 1299 Euro kosten zwei Tage Rennstreckenfahren, einschließlich Flug, Unterkunft, Vollverpflegung, Motorradbenutzung, Benzin, Reifen, Vollkasko. Die meisten haben knapp 300 Euro draufgelegt für zwei zusätzliche Tage des gemeinschaftlich-schneidigen Landstraßenfahrens. Damit ist alles abgegolten, bis auf die 1000 Euro Selbstbeteiligung, die bei einem Abflug fällig werden. So was passiert, wie das Vorjahr gezeigt hat. Honda-Sprecher Aaron Lang rechnet mit ungefähr fünf Stürzen am Tag. Nicht schlecht geschätzt, wie sich erweisen wird.

          Renntechnik mit Straßenzulassung

          131 kW (178 PS) bei nur 199 Kilo mit vollem Tank sind viel Holz, nicht nur für den Wiedereinstieg nach neun Jahren ohne Motorradberührung. Die neue Fireblade (Fahrtbericht in der F.A.Z. vom 19. Februar) ist Renntechnik mit Straßenzulassung: 0 bis 100 in gut 3 Sekunden, im zweiten Gang (von sechs) bis knapp 200 km/h und die theoretische Möglichkeit, in einer Minute fünf Kilometer zurückzulegen.

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