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Honda CBR125R : Diskussionsbedarf auf dem Schulhof

Moped-Muff war gestern: Die Honda CBR125R hat große Vorbilder Bild: Hersteller

Die Honda CBR125R bohrt sich in den Wind mit schnittigem Sportdress und dem sparsamen Einzylinder-Viertakter der Vorgängerin. Ansonsten ist alles neu: Verkleidung, Stummelauspuff, Scheinwerfer, Heck, Sitzbank und Kotflügel.

          Es war ein Siegeszug mit Ansage: Als Yamaha vor drei Jahren die YZF-R125 auf den Markt brachte, wurden Hierarchien über den Haufen geworfen. Das scharf gezackte Maschinchen stieß Sechzehnjährigen ins Herz und Honda vom Thron, als es sich an die Spitze der Zulassungsstatistik der 125er-Klasse setzte. Das Erfolgsrezept der Kleinen: Sie sieht aus wie eine Große, hat viel Ähnlichkeit mit den 600- und 1000-Kubik-Prestigesportlern Yamahas, der R6 und der R1.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Das zieht beim Nachwuchs. Nun zieht Honda nach mit der CBR125R des Jahrgangs 2011. Die ist nach dem Vorbild der Fireblade gezeichnet, der 1000-Kubik-Sportrakete der Marke mit dem Flügel. Verkleidung, Stummelauspuff, Scheinwerfer, Heck, Sitzbank, Kotflügel - alles neu an der Nachwuchs-CBR, die nun ebenfalls viel erwachsener wirkt, nicht zuletzt deshalb, weil sie auf breiteren Reifen rollt. Bisher stakste sie auf Storchenbeinen herum; mit Pneus der Formate 100/80-17 (vorn) und 130/70-17 (hinten) verbläst Honda den Moped-Muff.

          Die Achtelliterklasse belebt sich gerade deutlich. In Kürze bringt KTM seine Duke 125, die (wie die Yamaha) knapp 4000 Euro kosten soll, auf den Markt, Aprilia kommt mit einer neuen RS 125. Jugendliche sind heftig umworben. Aber es ist schwierig, an sie heranzukommen. Weil sie andere Interessen haben, weil sie früh fürs Auto geködert werden (begleitetes Fahren mit 17) und Führerscheinkosten in keinem Verhältnis zum Taschengeld stehen, weil Eltern ihre Jungs lieber im Taxidienst durch die Gegend kutschieren, als ihnen ein Leichtkraftrad anzuvertrauen, weil der Gesetzgeber im Zweirad immer nur eine Bedrohung für die "Verkehrssicherheit" zu sehen scheint.

          Der Tank wurde um drei auf 13 Liter vergrößert

          Gegenwind also schon im Stand. Die CBR125R bohrt sich hinein mit schnittigem Sportdress und dem sparsamen Einzylinder-Viertakter der Vorgängerin, dessen Verbrauch dank Modifikationen an der Einspritzung nochmals gesenkt worden sein soll. Der Tank wurde um drei auf 13 Liter vergrößert, mit einer Füllung soll die Honda mehr als 500 Kilometer weit kommen. Das Triebwerk leistet 9,8 kW (13 PS) bei 10 000 Umdrehungen je Minute und schöpft damit weiterhin - anders als die Yamaha - das 15-PS-Limit nicht aus. Das Drehmoment-Maximum beträgt 10,4 Nm bei 8000/min gegenüber 12,2 Nm der Yamaha. Nachteil für die Honda bei Fachsimpeleien auf dem Schulhof? Ihr Listenpreis liegt mit 3390 Euro glatte 600 Euro unter dem der Konkurrentin. Kein schlechtes Argument.

          Dazu knurrt der Motor angenehm sonor aus dem Ansaugtrakt. Flotte Fortbewegung ist nicht allein dann zu realisieren, wenn man die Nadel des Drehzahlmessers unentwegt an den roten Bereich treibt. Honda hat den Einzylinder auf mehr Durchzug in der Drehzahlmitte getrimmt, unter anderem, um das etwas gestiegene Gewicht (jetzt 137 Kilo vollgetankt) zu kompensieren. Die CBR125R ist ein alltags- und eisdielentauglicher Rennzwerg, auf dem man komfortabel in 793 Millimeter Höhe sitzt. Sie fühlt sich nicht mehr so kippelig-nervös an wie die Vorgängerin, sondern wie ein echtes Motorrad, beschleunigt (sofern nicht auf 80 km/h gedrosselt) munter auf Tacho 120. Das Cockpit mit Analogdrehzahlmesser plus digitaler Geschwindigkeitsanzeige verbreitet Sportflair, informiert über Benzinvorrat, Motortemperatur, Uhrzeit, Kilometer- und Tageskilometerstand.

          Äußerlich zum Verwechseln ähnlich ist die ebenfalls neue CBR250R, Hondas Angebot für Fahranfänger, Einsteiger und Genügsame, denen geringes Gewicht (166 Kilo), leichtestes Handling und niedrige Betriebskosten wichtiger sind als Renommee aus größerem Hubraum. Ihr neu konstruierter Einzylinder-Viertaktmotor leistet 19 kW (26 PS) bei 8500/min und , liefert maximal 23 Nm Drehmoment (bei 7000/min). Mit einem Listenpreis von 4490 Euro (einschließlich ABS) attackiert Honda den Konkurrenten Kawasaki aufs Heftigste, der mit seiner Ninja 250 (4995 Euro, kein ABS) dieses lange vernachlässigte Hubraumsegment neu belebt hatte. Annähernd 1000 Stück meint Honda schon in der ersten Saison hierzulande absetzen zu können.

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