https://www.faz.net/-gy9-8bih2

Europäische Autohersteller : Aus dem Rhombus kommt die Kraft

  • -Aktualisiert am

Dieses Schuppentier ist ein frei laufendes Showcar des Laurens van den Acker. Reduziert für den Alltag wird daraus die Formensprache des Renault Captur oder des neuen Mégane. Bild: Hersteller

In einem Multikonzern zwischen Dacia und Nissan ringt Renault um seine Position. Eine zutiefst europäische Marke mit der neuen Liebe zum Design. Laurens van den Acker bringt den Rhombus auf Frischwärts-Kurs.

          5 Min.

          Erkennungszeichen der größten französischen Marke hat in einem etwas weiter gefassten Sinn jene Symbolik, die Produktdesigner gerne nutzen. Weil die Autofamilien zu größeren Herden anwachsen, muss das Gesicht der einzelnen Modelle für den Zusammenhalt sorgen. Bei Mercedes glänzt der Stern, bei BMW flimmert der weißblaue Propeller, und bei Ford hält sich der Namensschriftzug in dem pflaumenähnlichen Schild wie bei Opel der Blitz im Kreis.

          Renault war zwar auch bisher nicht ohne Gesicht, aber Laurens van den Acker hat erkannt und umgesetzt, was Kunden wollen und die Konkurrenten zähmen soll: „Renault hatte in der jüngeren Vergangenheit sehr viele, sehr gut aussehende Autos, aber sie formten keine Marke. Und für die Zukunft benötigt Renault den Familienzusammenhalt einer großen Marke“, sagt der Designchef von Renault und hat damit sehr kompakt seine formende Arbeit seit Amtsantritt 2009 definiert.

          Sichtbare Botschaft des neuen Selbstbewusstseins

          Für diesen Schulterschluss sorgt der große Rhombus im Bug: Die Raute ist das Zentralsymbol von Renault. In strenger, aber gleichzeitig spielerischer und vielleicht sogar etwas verrückter, geometrischer Form. Über dieses Drachenviereck drücken sich Ordnungskraft und Leichtigkeit aus. Beides Eigenschaften, die den neuen Renault-Modellen die Fähigkeiten verleihen, aus dem formalen Einerlei auszubrechen und – besonders zu beachten – gleichzeitig ihre eigene Identität zu bewahren. Individualität ist zwar auf jeder Ebene der Modellhierarchie gefragt, aber die Authentizität der Marke darf nicht darunter leiden. Das ist einer der Grundsätze des angewandten Autodesigns, mit der van den Ackers Arbeit zu charakterisieren ist.

          Etliche Studien und Showcars hat der Chefdesigner mit seinem Team in diesen sechs Jahren präsentiert, und aus den meist formal entrückten Schauobjekten wurden neue Renault-Modelle, die jetzt für Furore sorgen. Dabei wird immer deutlicher, dass natürlich nicht alles am Rhombus hängen kann. Er ist die sichtbare Botschaft eines neuen Selbstbewusstseins und gleichzeitig die Limitierung einer frischeren Lässigkeit, die vom Rhombus mit seiner geometrischen Strenge im Zaum gehalten wird. Damit warten alle gegenwärtig wie aus einem geheimen Reich der Vielfaltausschwärmenden neuen Renaults auf. Das gilt vor allem für Mégane und Espace sowie für Captur und Kadjar.

          Breite Schultern mit kräftigen Wölbungen

          Im Renault Mégane der jüngsten Generation erhebt sich eine unfranzösische Körperlichkeit: Muskeln und Männlichkeit verdrängen die angestrengte Architektur der Mégane-II-Typen sowie die einstige Rundlichkeit, noch im R19 und im früheren Clio der Ausdruck eines großzügigen Umgangs mit den Delikatessen des küstenreichen Landes. Beide Stilformen mussten einer zielgerichteten Straffheit mit breiten Schultern weichen. Seit rund zwanzig Jahren sind die Mégane-Generationen unterwegs, aber noch nie mit vergleichbarer Entschlossenheit.

          Vier Kanten erheben sich im neuen Mégane klar profiliert aus der Motorhauben-Ebene, als hätte sie der Fahrtwind aus Wüstensand modelliert. Sie strukturieren die sonst öde Fläche, kraftvoll geschwungene Leuchteinheiten flankieren den Rhombus-Kühlergrill, und dann geht es rund mit den Linien und Flächen, die aus dem Bug gleichsam organisch herauswachsen und sich in den Flanken, mühsam gebändigt, nach hinten zum Kotflügel mit dem Radhaus und im Heck versammeln.

          Renault Captur: Die Designvorstellungen des Laurens van den Acker im Alltagsgwand

          Dort bündelt sich der Mégane, zwar wird er über die Vorderräder angetrieben, aber im Nacken des Athleten und in seinen Schultern, da konzentriert sich das Auto, wie ein Gewichtheber beim Rekordversuch. Diese breiten Schultern mit ihren kräftigen Wölbungen, das sind identitätsstiftende Details des sinnlichen Designs. Dennoch lebt im Heck auch eine gewisse Strenge. Van den Acker schätzt die Gegensätze, dadurch verstärken sich kleine Einzelheiten wechselseitig. Puristisch sitzt ein relativ kleiner Rhombus zwischen den wie Lineale nach innen greifenden Heckleuchten, darunter der glänzende Schriftzug und die Aufnahme für das Kennzeichen: Mehr Schmuck gibt es nicht, was für ein Gegensatz zu der vergleichsweise überladen antretenden Frontpartie.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Gegner protestieren in London

          Brexit-Abstimmung verschoben : Johnsons Chancen

          Abermals ist es den Brexit-Gegnern gelungen, den Ausstiegsprozess aufzuhalten. Es klingt widersinnig, aber Johnson ist seinem Ziel, einem Austritt Ende des Monats, dennoch ein Stück näher gekommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.