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Solarauto für 300.000 Euro : Scheint zu klappen

  • -Aktualisiert am

Liegt in der Sonne: Der Zero hat einen cw-Wert von 0,19. Bild: Thomas Geiger

Einfach mit der Kraft der Sonne fahren: ein schöner Traum. Mit dem Lightyear Zero kann er für viel Geld verwirklicht werden, eine 60-kWh-Batterie hat das über fünf Meter lange, flache Elektroauto dennoch.

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          Von wegen, der Strom kommt aus der Steckdose: Lex Hoefsloot zapft zum Autofahren die Sonne an und spart sich dabei den Umweg über die Photovoltaik-Anlage auf dem Hausdach und die Wallbox in der Garage. Der 31 Jahre junge Holländer ist Chef des Start-ups Lightyear, das jetzt das erste serienreife Solarauto vorgestellt hat, den Lightyear Zero. Der ist eine über fünf Meter lange Flunder, die verdächtig nach dem Mercedes-Prototyp EQXX aussieht, sich von dem schwäbischen Sparer aber in zwei wesentlichen Details unterscheidet.

          Der Zero war als Studie lange vor dem als Mercedes fertig, und während der EQXX ein teures Einzelstück bleibt, geht der Lightyear in den Verkauf. Nur dass der Preis von 297.500 Euro einen erst mal tief schlucken lässt.

          Der Clou der Coupés aus Eindhoven sind die rund fünf Quadratmeter großen Sonnenkollektoren, die auf der Bughaube sowie dem Dach installiert sind und die Heckscheibe ersetzen. Zwar liefern diese Zellen in der Theorie selbst in unseren Breiten mehr Strom, als der Durchschnittsdeutsche verfährt. Dennoch verfügt der Lightyear über eine Batterie, die mit 60 kWh für ein Fahrzeug dieser Klasse vergleichsweise klein ist. Weil der Zero effizienter sein soll als jeder andere Elektrowagen reichen die 60 kWh für mehr als 600 Kilometer. „Wenn man halbwegs realistische Fahrprofile zugrunde legt und den täglichen Sonnenstrom mit einrechnet, müssen unsere Kunden höchstens einmal pro Woche oder alle 1000 Kilometer an die Steckdose“, rechnet Technikchef Arjo van der Ham vor.

          Geduld gefragt

          Auf dem Weg zum Effizienzweltmeister hat Lightyear so ziemlich an allen Schrauben gedreht, die ein Elektroauto zu bieten hat. Das Auto ist deshalb dank kleiner Stirnfläche und einem cw-Wert von 0,19 noch einmal windschlüpfiger als der EQS, den Mercedes als aktuellen Weltmeister unter den Serienautos feiert. Der Zero setzt auf Radnabenmotoren, weil diese geringere Energieverluste haben, und er ist auch dank einer für diese Preisklasse fast schon spartanischen Ausstattung der natürlich vegan ausgeschlagenen Kabine mit knapp 1,6 Tonnen ungewöhnlich leicht. Manch konventioneller Elektrokleinwagen ist schwerer, von langstreckentauglichen Elektroautos in der Fünf-Meter-Klasse ganz zu schweigen. Nur 10,5 kWh Verbrauch auf 100 Kilometer verspricht der WLTP-Zyklus, ein sensationeller Wert.

          Der Zero setzt auf Radnabenmotoren. Bilderstrecke
          Solarauto : Für 300.000 Euro

          Die vier Motoren leisten zusammen moderate 180 PS. Obwohl das kumulierte Drehmoment bei 1720 Nm gipfelt, zieht sich der Standardsprint so von 0 auf 100 volle zehn Sekunden hin, und schon bei 160 km/h ist die Sause wieder vorbei.

          Das holländische Kontingent der maximal 946 Autos, die Lightyear von Valmet in Finnland bauen lässt, war unmittelbar nach dem Bestellstart verkauft. Die Zahl der Interessenten in Deutschland und dem Rest von Europa lasse dort Ähnliches erwarten, ist Firmenchef Hoefsloot überzeugt. Er bittet all jene, die leer ausgehen, um zwei, drei Jahre Geduld. Dann soll der Lightyear Two kommen und die Massen erobern. Als kompaktes Crossover im Stil des VW ID 4 konzipiert, plant Hoefsloot dafür einen Nettopreis von 30.000 Euro und sechsstellige Stückzahlen. Das sind beeindruckend ambitionierte Ziele für eine Studentenrunde, die sich vor knapp zehn Jahren während einer Solar-Rallye in Australien gefunden hat, vor sechs Jahren ihre eigene Firma gründete und mittlerweile 500 Mitarbeiter beschäftigt.

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