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Historisches Flugboot : Post vom Katapult

  • Aktualisiert am

Bild: Lufthansa

Als die Luftpost vor 80 Jahren fliegen lernt: Vom Schiff wird das Flugboot katapultiert. Katapultführer und Flugkapitän Alisch schreibt an seine Eltern und nimmt uns mit ins Abenteuer.

          Liebe Eltern!

          Seit langem habe ich endlich die notwendige Ruhe und Sammlung, um Euch für Eure lieben Briefe zu danken und Euch ein wenig von meinem Treiben zu erzählen. Hin und wieder erfahrt Ihr ja auch durch die Zeitung von dieser Rasselbande, die den Südatlantik unsicher macht und zu der auch Euer Dickel gehört.

          Seit meiner Abreise aus Deutschland habe ich schon wieder drei Flüge über den Ocean hinter mir, die recht zufriedenstellend verlaufen sind. Von meinem letzten haben auch Zeitungen berichtet, da es der erste volle Nachtflug war. Wir starteten 2 Stunden vor Dunkelheit und kamen in voller Dunkelheit in Natal an.

          Namenlos anstrengend für die Besatzung

          Ein schöner Flug für uns, aber namenlos anstrengend für die Besatzung, umsomehr als wir am Tage vorher schon einen langen Flug von Las Palmas nach Bathurst hinter uns hatten. Ich will versuchen, zu schildern, wie so eine Unternehmung aussieht.

          „Ein schöner Flug für uns, aber namenlos anstrengend für die Besatzung“

          Wir kommen aus Las Palmas, Cap Verde ist passiert, eine knappe Flugstunde noch, dann sind wir am Ziel. Ein, zwei Funkpeilungen mit unserem Bordpeiler bestätigen, dass wir genau auf Kurs liegen. Wir fliegen dicht an der Küste entlang, die südlich an Cap Verde im scharfen Bogen nach Osten zurück reicht und dann ganz allmählich wieder westlicher verläuft, bis wir sie in der Jendomündung erreichen.

          15-20 Minuten vor der Landung teilt uns die „Schwabenland“, die in Bathurst liegt, mit, dass das Boot zum Schleppen klarliegt, die Boje hinter dem Heck des Schiffes an langer Leine im Meer schwimmt, an der wir festmachen wollen. Eine kurze Meldung über Wind und Wasserverhältnisse erreicht uns, dann ein paar wohlgemeinte Ratschläge, die wir mit leichten Grinsen lesen: lass uns, wir verstehen schon unseren Job.

          „Wir fliegen dicht an der Küste entlang, die südlich an Cap Verde im scharfen Bogen nach Osten zurück reicht“

          Ich bin ja 18 Monate schließlich als Schiffsjunge und Leichtmatrose auf Segelschiffen und kleinen Fahrzeugen zur See gefahren, und wenn es auch nicht viel ist, es ist doch gerade das, was wir in der Seefliegerei als Seemannschaft gebrauchen. Obendrein kenne ich meine Maschine und weiß, wie ich mit ihr zu manövrieren habe. Wenn wir ankommen, werden wir ja sehen, was wir zu tun haben.

          Ein paar Minuten noch, dann taucht die flache Küste von Britisch-Gambia auf, erst ein paar Palmenriffe, die Masten der Funkstation, die der „Schwabenland“ und acht Minuten später rollen wir schon auf die Heckboje des Schiffes zu, die angebotene Schlepphilfe hochmütig ablehnend. Eine Viertelstunde darauf ist schon das Wartungspersonal eifrig beschäftigt, den „Boreas“ für den nächsten Flug klarzumachen. Die für Bathurst und das Schiff bestimmte Post wird herausgeholt und aussortiert. In wenigen Minuten ist der Arzt, die Zoll- und Hafenbehörde zufriedengestellt. Unser Stationsleiter in Bathurst und die Engländer verlassen das Schiff. Eine Stunde nach unserer Ankunft läuft die „Schwabenland“ aus dem Hafen mit Kurs auf Südamerika, um die Flugroute zu verkleinern, bis wir sie ohne Krampf bewältigen können. „Wann wollen sie starten?“ fragt die Schiffsleitung an. „Wann wollen sie starten?“ fragt der Meister des Wartungspersonals. Alles dreht sich um den Zeitpunkt. Wir haben dieses Mal etwas besonderes vor.

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