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Digitale Welt des Motorsports : Virtuelle Silberpfeile

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Berliner Fliehkraft: Bernd Rosemeyer (vorn, Auto Union Typ C) und Rudolf Caracciola (Mercedes-Benz W 125) liefern sich beim Avus-Rennen 1937 ein erbittertes Duell. Letzterer gewinnt den Vorlauf des Rennens, Sieger ist aber sein Teamkollege Hermann Lang. Bild: unique-limited / Delius Klasing

Animationsfachleute aus Tschechien haben prägende Momente des Rennsports als detailversessene Bildwelten neu in Szene gesetzt. Wir gewähren Ihnen einen Einblick.

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          Erschrocken stiebt der Taubenschwarm in den Himmel über Berlin, als die silbernen Rennwagen mit den roten Startnummern durch die Steilkurve der Avus donnern. Bernd Rosemeyer liegt mit seinem Auto Union Typ C nur knapp hinter Rudolf Caracciola im Mercedes-Benz W 125. Das Publikum verfolgt auf den Tribünen gebannt das Duell der Motorsport-Stars, die mit ihren Stromlinien-Boliden durch die dunstige Frühsommerluft zu fliegen scheinen. Es ist ganz großes Rennsport-Theater, wenn auch mit einer kleinen Ironie der Geschichte. Denn gewinnen wird an diesem 30. Mai 1937 ein ganz anderer Fahrer: der bei Mercedes-Benz vom Mechaniker zum Rennfahrer aufgestiegene Hermann Lang.

          Das Avus-Panorama zeigt eine Szene, die fast genau 80 Jahre zurückliegt. Entstanden ist das Bild aber erst jüngst. Es gehört zum einem Zyklus mit Arbeiten der tschechischen Werbespezialisten Jan Rambousek und Petr Milerski und ist in dem von Bart Lenaerts geschriebenen Buch „When Motor Racing was Bloody Dangerous. Ein Bildband nie gemachter Rennsportfotos“ zusammengefasst. Das rasante Kaleiskop, das sich von den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis in die Mitte der siebziger Jahre erstreckt, besteht aus insgesamt 21 Szenen.

          Die beiden Rennsportenthusiasten und ihr Team haben sich zentrale Momente des Motorsports vorgenommen, vor allem solche aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Es ist dabei keineswegs so, dass es gar keine Bilder gibt, welche diese Geschichten erzählen. Aber eben nicht von dem entscheidenden Moment und nicht mit der ganzen erzählerischen Wucht der Kombination verschiedener Techniken.

          Ein Mann sieht rot: Jean Guichet und sein Ferrari 250 GTO in Le Mans 1962 Bilderstrecke

          In jedem Blatt trifft detailverliebte Recherche in Fotoarchiven auf penible Rekonstruktion historischer Fahrzeuge als CAD-Daten. Dazu kommen moderne Fotografien von nachgespielten Szenen. Doch zum motorsportgeschichtlichen Wimmelbild voll unbändiger Kraft wird das Material erst im Computer: Mit den technischen Mitteln der digitalen Animation sowie einer an Videospiel und Comic geschulten Ästhetik hat die Mannschaft um Rambousek und Milerski ihre Bilder inszeniert: Von der Vogelperspektive der Rennfahrerin Elisabeth Junek in ihrem sonnengelben Bugatti 1928 über das mythische Nachtstück von der Geburt der Mercedes-Benz Silberpfeile 1934 bis zu von der Geschwindigkeit verwischten Momenten aus Formel 1 und Sportwagenrennen der siebziger Jahre.

          Auf eine künstliche Authentizität durch die Nachahmung zeitgenössischer Fototechnik verzichten die Szenen ganz selbstbewusst. Stattdessen spielen sie mit Licht und Schärfe, mit Perspektive und Effekten, was die Technik nur hergibt. Das gelingt in vielen Szenen überzeugend, bei anderen ist das Puzzlehafte des Entstehungsprozesses doch noch zu spüren. Insgesamt überwiegt aber die Faszination an dieser Detailverliebtheit, an der sichtbaren Freude des Spiels mit den Möglichkeiten der Simulation und dem Zauber historischer Momente. Ihre Tricks verraten die digitalen Magier in dem Buch bis ins Detail. Das nimmt mindestens ebenso viel Raum ein wie die Beschreibung des historischen Hintergrundes.

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