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Head-up-Display fürs Motorrad : Klotz am Kinn

  • -Aktualisiert am

Das erste Head-up-Display kann an den meisten Helmen montiert werden. Bild: Thilo Kozik

Tacho, Navi und Kamera in einem? Ein amerikanisches Start-up bringt das erste Head-up-Display für Motorradfahrer serienmäßig auf den Markt. Doch das kastenförmige Gerät hat einen Nachteil.

          Anfang 2016 stellte BMW auf der Elektronikschau CES in Las Vegas einen Helm-Protoypen mit integriertem Head-up-Display vor. Jetzt kommt das amerikanische Start-up Nuviz, gegründet von zwei Deutschen, mit dem ersten serienreifen Head-up-Display, das unabhängig vom Motorrad und Helm arbeitet. Über ein Schnellmontagesystem lässt sich das Nuviz an jedem beliebigen Integralhelm befestigen und wieder demontieren, wenn es nicht benötigt wird oder an einem anderen Helm genutzt werden soll. Derzeit gibt es das System allein für Integralhelme, an einer Lösung für offene Helme wird gearbeitet.

          Vorne ragt ein Prisma auf und bietet einen transparenten Flüssigkristall-auf-Silizium-Bildschirm im unteren rechten Blickfeld, wo es die Sicht auf die Straße nicht stört. Ins System integriert sind ein GPS-Sensor, eine Kamera und die Software fürs Navi, dazu gehören Kopfhörer für den Helmeinbau zum Lieferumfang. Alle relevanten Informationen wie das Tempo werden im natürlichen Sichtfeld des Fahrers plaziert, der zum Ablesen den Blick nicht von der Fahrbahn nehmen muss. Außerdem erspart dies die ansonsten notwendige Neufokussierung des Auges auf die unterschiedlichen Entfernungen.

          Via Bluetooth ist das Nuviz mit dem Smartphone gekoppelt, was ihm eine Fülle an Funktionen ermöglicht: Außer den üblichen Statusdaten wie Geschwindigkeit und zurückgelegte Strecke lassen sich eingehende Anrufe erkennen und annehmen, auf die Musiksammlung des Smartphones zugreifen oder sich die Straßenkarte anzeigen lassen. Wer zuvor eine Route eingegeben hat – derzeit ist das nur am Smartphone, später soll das auch am heimischen Computer möglich sein –, kann sich optisch über das Head-up-Display und akustisch über die Kopfhörer führen lassen. Noch bietet die App nicht die Funktionalität eines reinrassigen Navis, beispielsweise fehlt die Routenpräferenz „Kurvige Straße“, aber an der Funktionserweiterung sind die Spezialisten dran. Die abgebildete Karte lässt sich jetzt schon vergrößern oder verkleinern. Die Integration von Navi-Software und GPS-Sensor im Gerät schont den Handy-Akku, erhöht aber Volumen und Gewicht des Nuviz bei einer realistischen Betriebszeit von acht Stunden. Die 240 Gramm des massiven Gehäuses spürt man schon.

          Bilder und Videos gehen direkt aufs Smartphone

          Zur Steuerung verfügt das Nuviz über eine kleine Einheit mit vier Knöpfen und einem Schalter, die am Lenker befestigt wird. Die Bedienung ist einfach und funktioniert vorzüglich. Ist der Kameramodus aktiviert, werden per Tastendruck Acht- Megapixel-Fotos geschossen, wird die Taste länger gedrückt, startet eine HD-Filmaufnahme. Per Live-View sieht man im Prisma, was die Kamera gerade aufnimmt. Zur Optimierung des Bildausschnitts lassen sich die integrierte Kamera wie auch das Prisma selbst feinjustieren.

          Das Head-up-Display am Helm kann mit vier Tasen gesteuert werden, die am Lenker angebracht werden. Bilderstrecke

          Fotos kommen in reduzierter Größe automatisch aufs Smartphone, um sie bei nächster Gelegenheit mit anderen Personen teilen zu können. Die wie von anderen Actioncams bekannt extrem weitwinkligen Bilder in Originalgröße von rund 2 MB sowie die Videos werden auf einer MicroSD-Karte fürs spätere Auslesen gespeichert. Die Qualität der Bilder und Videos entspricht dem derzeitigen Standard und reicht für Hobby-Anwendungen allemal aus.

          Das Nuviz wird per Online-Shop (www.ridenuviz.com) angeboten und bald auch über die Handelskette Louis. 699 Euro sind erforderlich sowie die Bereitschaft, den ungewöhnlichen Anblick des am Kinnteil des Helms montierten Geräts zu akzeptieren.

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