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Head-up-Display : Die schwebenden Informationen

Immer präsent: Informationen, die scheinbar über der Motorhaube schweben Bild:

Alle wichtigen Informationen immer im Blick haben: Das ist die Idee eines Head-up-Displays (HUD), wie es bislang vor allem in Flugzeugen oder Rennwagen zum Einsatz kam. Bei der "Anzeige in Augenhöhe" werden Bilder in das Blickfeld des Piloten oder Fahrers projiziert.

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          Alle wichtigen Informationen immer im Blick haben: Das ist die Idee eines Head-up-Displays (HUD), wie es bislang vor allem in Flugzeugen oder Rennwagen zum Einsatz kam. Bei der "Anzeige in Augenhöhe" werden Bilder in das Blickfeld des Piloten oder Fahrers projiziert. Weil das Auge dabei auf Fernsicht eingestellt bleiben kann, entfallen die Augenbewegungen zum Armaturenbrett und die Akkomodation (die Fokussierung der Linse) auf die Anzeige. Nach wissenschaftlichen Forschungen ermüdet die permanente Anpassung zwischen "Nah" und "Fern" jeden Autofahrer. Die Belastung führt zu einer Beanspruchung des Sehapparats, die mit dem Begriff der "visuellen Müdigkeit" beschrieben wird. Mit einem Head-up-Display wird das Auge weniger beansprucht, und es gibt einen deutlichen Zeitgewinn: Etwa eine Sekunde dauert der Blick auf herkömmliche Instrumente. In dieser Zeit legt ein Auto mit 120 km/h rund 33 Meter zurück. Ist die Information in Augenhöhe angebracht, reduziert sich die Zeit auf die Hälfte. In dieser halben Sekunde fährt man immer noch fast 17 Meter.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Head-up-Displays im Auto sind nicht neu: Für die Corvette und einige Fahrzeuge von General Motors gibt es sie schon länger. Die ersten deutschen Serienfahrzeuge mit HUD sind die neuen 5er- und 6er-BMW. Hier kostet das von Siemens VDO entwickelte System einen Aufpreis von 1300 Euro. Wir haben es uns im 5er-BMW angesehen. Vor dem Start sieht man von der Technik nicht viel. Wer das Auto genau mustert, entdeckt auf der Fahrerseite unterhalb der Windschutzscheibe die Austrittsöffnung des Displays. Das Bild wird auf einem gewöhnlichen Flüssigkristall-Display erzeugt, von einer Lichtquelle ausgeleuchtet und dann mit drei Spiegeln auf die Windschutzscheibe projiziert. Zur Unterdrückung von Doppelbildern (Reflexionen) ist eine Folie in die Scheibe eingearbeitet. Da sich das Display und die Optik in einem streulichtarmen schwarzen Gehäuse befinden, sieht der Fahrer nur die Display-Inhalte, aber nicht die Spiegel. Das optische System ist so ausgelegt, daß die Projektion nur in Kopfhöhe des Fahrers erfolgt. Für Beifahrer und Passagiere im Fond ist das HUD nicht sichtbar.

          Nach dem Einschalten der Zündung zeigt das HUD zunächst nur die Geschwindigkeit in km/h. Das Display ist in einem warmen Orange-Ton gehalten, der gut zur Instrumentenbeleuchtung paßt. Die Informationen "schweben" für den Fahrer an der vorderen Spitze der Motorhaube, und zwar etwa 80 Zentimeter über der Straße. Das Bild steht also nicht auf der Windschutzscheibe. Man kann durch die etwa 18 × 10 Zentimeter große Fläche und die auf ihr angezeigten Buchstaben und Symbole hindurchsehen, es wird nichts verdeckt. Was das HUD zeigt, kann man selbst in vier Modulen auswählen: die Geschwindigkeit in km/h, die Anweisungen des Navigationssystems mit einer Symboldarstellung, die Anzeige für die Geschwindigkeitsregelung oder die Abstandsautomatik (die bei BMW "aktive Geschwindigkeitsregelung" heißt) und schließlich die Fehlermeldungen des Bordcomputers. Die Helligkeit wird automatisch an die Lichtverhältnisse der Umgebung angepaßt. Man kann allerdings die Grundeinstellung manuell nachregeln. Wer das HUD partout nicht mag, schaltet es vollständig aus. Dafür gibt es einen eigenen Schalter.

          Während unserer Fahrten war die Anzeige stets klar und deutlich ablesbar. Bei strahlender Sonne hatten wir keine Probleme, auch nicht bei verschmutzter Scheibe. Als viel Sonnenlicht auf eine nasse Fahrbahn fiel, zeigte das HUD allerdings kleine Schwächen. Ferner sollte man keine Sonnenbrille mit Polarisationsfilter tragen. Besonders vorteilhaft erwies sich das Display bei nächtlichen Fahrten in unbekannter Umgebung. Die Hinweise des Navigationssystems lassen sich dann ohne jeden Seitenblick auf die Armaturen zur Kenntnis nehmen. Fährt man ohnehin etwas unsicher, weil die Strecke unbekannt ist, wird man diesen Komfort schnell schätzen.

          Ein Gewinn ist das HUD ferner, wenn es um die Einhaltung eines Tempolimits geht. Ist das Display eingeschaltet, sieht man permanent die eigene Geschwindigkeit und kann flink reagieren. Im zweiwöchigen Fahrbetrieb haben wir das HUD nicht ein einziges Mal ausgeschaltet. Es stört nicht und ist ein deutlicher Gewinn an Komfort. Man muß die Technik einmal erlebt haben, um von ihr begeistert zu sein. Obwohl wir im Auto noch nie eine "visuelle Müdigkeit" gespürt haben, hat uns das HUD im 5er-BMW sehr gut gefallen. In Kombination mit dem Navi-System bietet das Head-up-Display zudem den Vorteil, daß man den Monitor in der Mittelkonsole für andere Bedienungs-Module nutzen kann. Wir wünschten uns schon nach einigen hundert Kilometern mehr Informationen auf dem HUD: etwa eine Darstellung des Drehzahlmessers oder eine Liste der empfangbaren Radiostationen. Noch ist das Head-up-Display ein teures Zubehör. Es entlastet aber den Fahrer und ist in diesem Sinne ein Beitrag zur Verkehrssicherheit.

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