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Harley : Schwarz + Schwarz = 240

Willkommen im Nachtclub: Da macht der Türsteher Augen Bild:

Jetzt werden wir aber böse: Harley-Davidson Night Rod Special. Schwarz wie die Nacht ist dieser Tieflader auf zwei Rädern endlich eine Aufgabe die es in sich hat. Diese Harley Nachtausgabe entzieht sich einer nüchternen Betrachtung.

          Ein Hinterhof, eine halbdunkle Höhle. Aus Kisten ragen Holzwolle und Eisenteile heraus, Werkzeug liegt herum im trüben Licht, es müsste mal gefegt werden. An der Wand das Oktober-Blatt des Pirelli-Kalenders von 1994 (Kate Moss am Strand), gewellt und leicht eingerissen, aber zu schade zum Wegwerfen. Auf der Fensterbank mit den blinden Scheiben stehen leere Flaschen Flens. Manchmal kommen Tätowierte mit tiefen Stimmen herein, die in knappen Sätzen mit dem Chef sprechen, der zugleich sein einziger Mitarbeiter ist. Sein langes, schütteres Haar könnte einen Ölwechsel vertragen, sein Gesicht ist bleich, aber seine Hände haben die Fähigkeiten des begnadeten Schraubers, der weiß, wie man Kraftfahrzeug-Zulassungsbehörden hinters Licht führt.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          So stellt man sich die Herkunft dieses Motorrads vor. Es hat den Hauch des illegalen Umbaus, eine Ausstrahlung, die alles Bürgerliche pauschal als schwächlich verachtet, sein erklärtes Ziel ist es, böse auszusehen. Genaugenommen sieht es nicht böse aus, sondern so, wie talentierte Designer sich das Böse ausmalen. Ein bisschen zu perfekt für richtig fies Tätowierte. Aber es reicht allemal, dass wir alle, die wir doch eigentlich ganz normal und nett sind, uns darauf ziemlich verwegen fühlen. Bemerkenswert, dass es so was ganz serienmäßig zu kaufen gibt.

          Der schwarze Tieflader

          Für 18.345 Euro, bei Harley-Davidson. Das ist teuer, stimmt, aber man muss zum Beispiel bedenken, wie viel Gummi allein für die monumentale, 240 Millimeter breite Hinterradwalze gebraucht wird. Es sollte noch ein bisschen Geld übrig sein für angemessene (schwarze) Bekleidung. Wer nicht so stilsicher auftritt wie die Maschine, macht sich angreifbar für Sprüche. Man sitzt voll im Rampenlicht und fühlt sich wie auf einer Bühne, die hohe Ansprüche an den Schauspieler stellt. Schwarz ist die alles dominierende Farbe der VRSCDX Night Rod Special. Mattschwarz mit Glanzschwarz hier, Glanzschwarz mit Mattschwarz dort. Das Zifferblatt des Tachos ist in einem einzigartigen grauen Hellschwarz gehalten. Das wenige, was nicht schwarz ist, ist silberfarben. Oder orange: der dezente Markenschriftzug sowie die Zierstreifen auf den schwarzen, geschlitzten Scheibenrädern (vorn 19, hinten 18 Zoll), von denen das hintere jenes Gummi trägt, welches das breiteste ist, das die Motor Company jemals verbaut hat.

          Der Rest der Night Rod Special ist schlank, lang und niedrig. Ganze 640 Millimeter über dem Normalnull der Fahrbahnoberfläche schwebt das Gesäß in einer Kuhle. 1,72 Meter Radstand (rund 20 Zentimeter mehr als bei einer Harley Sportster), 2,46 Meter Gesamtlänge, 36 Grad Gabelwinkel, 307 Kilo Leergewicht - so etwas fährt sich besonders gut geradeaus. Vor Beginn einer Kurve tritt man in Verhandlung mit der Harley, sie nörgelt, ob das denn schon wieder sein müsse, dann würgt man sie herum über ihre hintere Walze, die das stolze Format 240 hat, falls wir das noch nicht erwähnt hatten. Die Night Rod seufzt, hämmert den Bogen entlang wie Kirk, der einem Meteoritenschwarm ausweicht, und schlägt sobald wie möglich wieder den geraden Weg ein. Schon leichte Wellen im Asphalt bringen alles ins Wanken. Bremsen, schalten, Linie halten - endlich mal eine Aufgabe. Die Harley-Nachtausgabe fährt sich wie ein Tieflader, jedenfalls im Vergleich zu einem normalen japanischen Sportmotorrad - und ist gerade deshalb eines der faszinierendsten Motorräder, das man aus dem Laden weg kaufen kann.

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