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Harley-Davidson V-Twin : Wir hören den Ruf der Straße

Im Vordergrund eine neue 2007 Harley Davidson V-rod, im Hintergrund eine V-twin Bild:

100 Jahre V-Twin aus Milwaukee: Das großvolumige Zweirad wurde zum Markenzeichen schlechthin. Deshalb hier ein Artikel über Harley-Davidson. Aber es kommen kein einziges Mal die Begriffe Freiheit oder Easy Rider vor. Ehrenwort.

          4 Min.

          Alles Marketing? Spötter behaupten das. Oft ist auch die anerkennende Variante zu hören: perfektes Marketing. Die verkaufen ein Lebensgefühl und geben ein Motorrad dazu, lautet der sich allmählich abnutzende Standardspruch über Harley-Davidson.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Er trifft es fast. Aber nur fast. In unnachahmlicher Weise produziert die Motor Company seit Jahrzehnten Sprechblasen dieser Art: „Die Straße hinter Ihnen ist Vergangenheit. Die Straße vor Ihnen ist Zukunft. Es ist Ihre Straße. Erobern Sie sie!“ Aber in ebenso unnachahmlicher Weise produziert sie Motorräder, die nicht eine Beigabe sind, sondern wie keine anderen geschaffen, ein bestimmtes Lebensgefühl zu erzeugen, und sei es auch nur für ein paar Stunden in der Woche an einem Tag, an dem man sich von der Arbeit, vom Alltag frei machen kann. Es hat mit Lässigkeit zu tun, mit Stolz und Fahrtwind.

          Der großvolumige V-Twin wurde zum Markenzeichen schlechthin

          Das gekonnte Marketing wird in Milwaukee technisch solide unterfüttert, es stehen Mengen von Eisen, Gummi sowie eine sehr lange Geschichte dahinter. 2003 ist groß gefeiert worden, als der Bau der ersten Harley in einem Holzschuppen 100 Jahre her gewesen ist. Voriges Jahr haben sie mit viel Tamtam den 105. Geburtstag begangen. Jetzt ist ein eher unauffälliges, aber wichtiges Jubiläum zu würdigen: Im Februar 1909, vor 100 Jahren also, produzierte Harley-Davidson die ersten V-Zweizylindermotoren. Bis dahin knatterten Harleys ausschließlich mit Einzylindern durch die Motorrad-Frühzeit.

          Im Vordergrund eine neue 2007 Harley Davidson V-rod, im Hintergrund eine V-twin Bilderstrecke

          Der großvolumige V-Twin wurde zum Markenzeichen schlechthin. Grundlegendes wie 45 Grad Zylinderwinkel, Luftkühlung, zwei Ventile je Zylinder hat sich seit 1909 über die diversen Motorengenerationen hinweg – Flathead (1929), Knucklehead (1936), Panhead (1946), Shovelhead (1966), Evolution (1984), Twin Cam 88 (1999), Twin Cam 96 (2007) – nicht verändert. Weniger in die Tradition passt das 2002 für den Power-Cruiser V-Rod eingeführte, gemeinsam mit Porsche entwickelte „Revolution“-Triebwerk: Mit Wasserkühlung, 60-Grad-Winkel, Vierventiltechnik und der für Harley-Verhältnisse exorbitanten Leistung von rund 120 PS war es für manche Fans der Marke zu revolutionär und nur schwer zu schlucken. Aber das Unternehmen hat im Laufe der Zeit bei weitem nicht nur V-Twins hervorgebracht, sondern auch Dinge wie Boxermotoren, dreirädrige Lieferantenfahrzeuge, Scooter, Golfwagen, Mopeds, Fahrräder.

          Sieben PS waren wohl erstmal genug

          Der Ur-V-Twin von 1909 hatte 811 Kubikzentimeter Hubraum und eine Hammerleistung von sieben PS. Damit marschierte das 325 Dollar kostende Motorrad gut 70 km/h, und wenn man bedenkt, dass die Wege damals nicht autobahnartig geteert und eigentlich noch den Pferdefuhrwerken vorbehalten waren, dass ausschließlich mit dem Hinterrad gebremst wurde und auf rutschigem Untergrund ohnehin die Front weggeschmiert wäre, dann kann man sich vorstellen, wie sich die Piloten vorgekommen sein müssen.

          Sieben PS waren wohl erstmal genug. Der Lederriemenantrieb und der Motor galten noch nicht gerade als ausgereift. Eine untenliegende Nockenwelle betätigte das Auslassventil, das Einlassventil wurde „atmosphärisch“ gesteuert. Dieses „Schnüffelventil“ öffnete, wenn im Verbrennungsraum ein Unterdruck herrschte, und schloss, wenn der Luftdruck dort höher war als jener der Umgebung. 1911 wurde der Motor grundlegend überarbeitet. Nun betätigte die Nockenwelle über eine Stößelstange mechanisch das Einlassventil.

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