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Harley-Davidson Sportster SuperLow : The American Way of Schleif

Sportster SuperLow (rechts), gefolgt von einer Softail Deluxe, deren Sitz noch etwas lower ist Bild: Hersteller

Harley-Davidson stellt die handliche Sportster SuperLow vor. Das Motorrad ist ausgestattet mit dem kleinen Harley-V2, dem niedrigsten Sattel westlich von Santa Fe und hat 260 Kilo Leergewicht. Die ersten Fahreindrücke.

          3 Min.

          Frauen sind längst eine wichtige Zielgruppe für den Motorradhersteller Harley-Davidson. Aber Frauen wollen keine Frauen-Harley. Das wissen die Marketing-Mannen in Milwaukee genau, so wie ihnen bekannt ist, dass Einsteiger keine Anfänger-Harley wollen. Und dass Leute, die nicht in der Lage oder bereit sind, für einen Berg aus Chrom und Eisen 15 000 oder 25 000 Euro herzugeben, sondern höchstens ungefähr 9000, die aber dennoch am Mythos teilhaben möchten, keine Plastik-Harley wollen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Sie wollen natürlich eine wahre, echte. Klopft man aufs Schutzblech, an den Tank oder sonst wohin, hat es nach Metall zu klingen. Nach Betätigen des Starterknopfs muss ein gewisses Pulsieren einsetzen. Zugleich allerdings darf eine Maschine für obige Zielgruppen nicht durch die umwerfende Masse eines dieser berühmten Acht-Zentner-Dickschiffe erschrecken. Kleineren, leichteren Fahrerinnen und Fahrern, Neulingen, jungem Publikum, das an die Marke herangeführt werden soll, legt die Motor Company ihre Sportster-Baureihe ans Herz. Die Neuerscheinungen der letzten Zeit waren Volltreffer: Die nostalgische Sportster Forty-Eight, zu dieser Saison auf den Markt gekommen, war hierzulande schon im Frühjahr ausverkauft. Die nachtschwarze Iron 883 war sowohl 2009 als auch 2010 frühzeitig vergriffen.

          Nun kommt die SuperLow, ausgestattet mit dem kleinen Harley-V2 (883 Kubikzentimeter Hubraum) und dem niedrigsten Sattel westlich von Santa Fe. So ungefähr jedenfalls. Ursprünglich war von nur 648 Millimeter die Rede gewesen, nun beträgt die Sitzhöhe doch 695 Millimeter. Gleichwohl: Auch zierlichen Menschen dürfte das Aufrichten vom Seitenständer, das Manövrieren beim Parken keine Schwierigkeiten bereiten. Jeder erreicht im Stand mit den Füßen sicher den Boden. Die Supertief gibt es - je nach Lackierung - für 8295 bis 8775 Euro, die Serienausstattung ist mit dem für diesen Hersteller typischen pflegeleichten Zahnriemenantrieb, mit automatischer Blinkerabschaltung, Alarmanlage und dem Image des Originals in Sachen Look, Sound und Feel nicht übel. Wünschenswert wäre überdies, gerade im Hinblick auf die umworbenen Gruppen, ein ABS als Option. Immer mehr Baureihen der Amerikaner werden mit Antiblockiertechnik ausgestattet, nur ausgerechnet diese nicht.

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          Auswirkungen auf die Schräglagenfreiheit der SuperLow

          Mit 260 Kilo Leergewicht ist die SuperLow kein leichtes Krad, ein überraschend agiles ist es trotzdem. Die im Vergleich zu anderen Sportster-Typen steiler gestellte Gabel, die Rad-Dimensionen (vorn 18, hinten 17 Zoll statt 19 und 16 Zoll) sowie der nur 150 Millimeter breite Hinterreifen tragen dazu bei. Das Fahrwerk ist komfortabler, als man befürchten könnte, denn die Federwege (108 mm vorn, 54 mm hinten) sind zwar knapp bemessen, doch länger als im Fall der Vorgängerin 883 Low. Die noch fünf Millimeter geringere Sitzhöhe der Neuen wird also nicht durch abermals gekürzte Federwege hart erkauft. Statt dessen haben die Entwickler ein bisher unterm Sattel montiertes Bauteil der Bordelektronik verlagert, so dass sich die Solositz-Mulde noch tiefer montieren lässt.

          Entsprechend weit unten sind die Fußrasten plaziert, was Auswirkungen auf die Schräglagenfreiheit der SuperLow mit sich bringt. Die ist äußerst bescheiden, reicht noch zum gemütlichen Cruisen, auch für Schwünge in halbwegs flottem Tempo, wer jedoch engere Kurven zügig nimmt, ist mit permanent auf dem Asphalt schleifenden Fußrasten unterwegs. Das Kratzen ist das Zeichen aufgebrauchter Schräglagen- und Sicherheitsreserven; wer weiter drückt, setzt mit unnachgiebigen Bauteilen auf: Schalldämpfer rechts, Seitenständer links.

          Die SuperLow ist nichts für Sportfahrer. Auch nichts für Schwergewichte, 90-Kilo-Kerle bringen das Fahrwerk schnell an seine Grenzen: Schräglage plus Bodenwelle ergibt Funkenschlag von unten. Doch können selbst Routiniers, die sich zu zügeln wissen, mit der schlanken, sehr handlichen Maschine viel Spaß haben. Die Fahrerlebnisse sind von der puren, unkomplizierten Art. Der luftgekühlte 45-Grad-Twin bollert schön herb, wenn er bis zu 70 Newtonmeter Drehmoment (bei 3750/min) und 39 kW/53 PS (auf Wunsch Begrenzung auf 34 PS) erzeugt. Sanftes Lastwechselverhalten, leichtgängige Kupplung, präzises Fünfganggetriebe, ordentliche Bremsanlage, kleiner Wendekreis, üppiger Aktionsradius dank 17-Liter-Tanks - alles erfreulich. Die neuen Radialreifen vom Typ Michelin Scorcher (auf hübschen Gussrädern mit schwarzen Speichen und polierten silberfarbenen Felgenrändern) steuern dem American Way of Schleif das Gefühl von Griffigkeit und Vertrauenswürdigkeit bei.

          Neun Prozent beträgt der Damenanteil bei Harley-Davidson insgesamt, rund 25 Prozent bei den Sportstern. Die SuperLow ist maskulin genug, dass sich das weiter steigern lässt.

          Harley ist Hubraum - mehr denn je


          Downsizing? Pah! Statt Hubraumverkleinerung, wie im Kleinwagensektor gerade in Mode, setzt Harley-Davidson auf Hubraumvergrößerung. Einen Tourer der Marke bekommt man schließlich nicht zum Preis eines Kleinwagens. Für die rechts abgebildete, ins Programm zurückgekehrte Electra Glide Classic sind mindestens 23 785 Euro zu entrichten. Die Reiseelefanten aus Milwaukee - außerdem Street Glide und Electra Glide Ultra Limited - werden künftig von einem V-Twin mit 1690 Kubikzentimeter (bisher 1584) angetrieben. Im Fall der Road King hat man die Wahl zwischen dem bisherigen und dem modifizierten Triebwerk (größere Bohrung bei gleichem Hub). Die Leistungssteigerung (62 kW/84 PS statt 60 kW/82 PS) hält sich in Grenzen, bedeutsamer ist der Drehmomentzuwachs um 7 auf 134 Newtonmeter. Fürs Prestige ist es ohnehin gut. Während Harleys Tourer schon eine Weile über ABS verfügen, kommt nun auch die Softail-Familie in den Genuss, darunter die ins Programm zurückgekehrte Softail Deluxe (auf dem großen Bild links). Ausnahme ist die Cross Bones, deren Springergabel nach antikem Vorbild ABS nicht verkraftet.

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