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Harley-Davidson : Help!

Die mit der Batwing-Verkleidung: Ultra Limited, 416 überraschend bewegliche Kilo. Bild: Hersteller

Verrückte Zeiten! Elektronik bemächtigt sich der berühmten Highway-Kolosse aus Amerika. Auch Harley-Davidson setzt zunehmend auf assistierende Systeme. Dabei war das Unternehmen noch nie fürs Flüstern bekannt.

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          Mitte Juli stellte Harley-Davidson die Welt auf den Kopf und präsentierte das flüsternde Elektromotorrad Livewire. Wieso Welt auf den Kopf? Weil Harley noch nie fürs Flüstern bekannt war und voranmarschierte als derjenige, von dem man ein Produkt wie Livewire am wenigsten erwartet hätte. Kein anderer der großen Hersteller ist so weit. Keiner hat Vergleichbares im Angebot. Das 50-Jahre-Jubiläum von „Easy Rider“ ließ das Unternehmen verstreichen, pfiff auf Captain America, stellte dafür Europäer und Japaner im Elektro-Fortschritt bloß. Verrückte Zeiten.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Eher normal mutet an, was die Motor Company über die Livewire hinaus an Neuigkeiten fürs Modelljahr 2020 vorbereitet hat: überarbeitete Tourer, Rückkehr des Cruisers Low Rider S (Fahrbericht in der Ausgabe vom 17. September), wie immer einige auf 40.000 Euro hochgebrezelte CVO-Sondermodelle, alles mit wummerndem V-Twin. Oben wird Benzin hineingeschüttet, unten knallt’s. Auf den ersten Blick ist das Milwaukee wie immer. Eisenrösser von der Sorte, die anscheinend rein gar nichts mit Livewire zu tun haben. Aber nur anscheinend.

          In einigen Modellen des Jahrgangs 2020 – die Auslieferung beginnt schon diesen Oktober – wird viel Livewire drinstecken. Denn mit der Elektromaschine führte das Unternehmen nicht nur die Lithium-Ionen-Batterie im XL-Format ein, den Dreiphasen-Permanentmagnet-Synchronmotor und das Ladekabel unterm Sitz, sondern überdies ein Arsenal elektronischer Assistenz- und Schnickschnacksysteme. Dinge, wie man sie bis dahin von Europäern und Japanern kannte, nicht aber vom Bar & Shield-Imperium.

          Die mit der Haifischnase: Road Glide Limited, 423 Kilo.

          Es geht um H-D Connect und RDRS. H-D Connect nennt Harley die Technik, welche die Verbindung zwischen Motorrad und Smartphone herstellt. Sie stützt sich auf LTE-Mobilfunk, GPS-Ortung, Cloud-Dienste sowie App und überträgt allerlei nützliche und nutzlose Informationen zum Handy. Das reicht von Fahrstatistiken über Werkstatttermin-Erinnerung bis zum Tankpegel. Ferner dient H-D Connect dem Diebstahlschutz, schickt eine Nachricht zum Smartphone, wenn jemand sich am Motorrad zu schaffen macht, verfolgt den Standort, wenn es gestohlen wird. H-D Connect ist nur ein Jahr lang gratis und kostet dann stolze 160 Euro jährlich.

          RDRS als Abkürzung für Reflex Defensive Rider Systems steht für ein Paket elektronischer Fahrhilfen, für die Harley-Davidson auf Bosch-Technik zurückgreift. Dabei können sowohl Antiblockiersystem als auch Traktionskontrolle in ihrem Regelverhalten die Schräglage bei Kurvenfahrt einkalkulieren. Wie H-D Connect zieht RDRS zunächst in die Touring-Baureihe ein. Zwar dürften annähernd 100 Prozent der Harley-Kunden mit ihren massigen Highwaykreuzern einen Fahrstil pflegen, bei dem solche Systeme nicht allzu oft rettend eingreifen müssen. Doch schon ein einziges Mal ist Grund genug: Kurve zu forsch angegangen, Wildschwein, Schreckbremsung – schon ist man froh über Netz und doppelten Boden.

          Assistenz im Cockpit.

          Als Neuzugang in Harleys Reiseabteilung grüßt die Road Glide Limited, ein Schiff von dekadenter Größe, zu erkennen an der rahmenfesten, also nicht mit dem Lenker mitschwenkenden Haifisch-Verkleidung („Shark Nose“) sowie dem Frachtraum hinter der Sessellandschaft. Die Limited ersetzt die Road Glide Ultra und wartet mit noch luxuriöserer Ausstattung zum luxuriösen Preis von 29.755 Euro auf. Bloß die gewohnte Schaltwippe übern Trittbrett haben die Amerikaner anscheinend vergessen, es steht lediglich ein schnöder Hebel zur Verfügung. Dafür gibt es Navigation, Kommunikation und Infotainment mit allen Schikanen sowie wahlweise eine Hochglanz-Chrom-Ausführung des Straßenkreuzer-Gesamtkunstwerks oder ein düsteres „Black Finish“, welches das Licht schluckt wie ein schwarzes Loch.

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