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Harley-Davidson Electra Glide : Grießnockerlaffäre to be wild

Electra Glide Ultra Limited mit perfekt getarnter Wasserkühlung Bild: Markus Jahn

Harley hat seine dicken Tourer erheblich aufgemöbelt. Vor allem bei den beiden Versionen der Electra Glide hat sich Ungeheures getan. Bericht von ersten Probefahrten und einem Tabubruch.

          3 Min.

          „Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt“, sang Barry Ryan in der Hitparade. „Denn der wird niemals alt, die Hölle wird nicht kalt.“ Das war Anfang der Siebziger, in der Zeit der Mordskoteletten, es reimte sich schön, und es ist wohl die bittere Wahrheit. Wobei: Manchmal hat man den Eindruck, außer vorm Teufel mache die Zeit vor noch etwas anderem halt: Harley-Davidson.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Anscheinend bleiben die Maschinen aus Milwaukee von der Zeit verschont. Manche sehen so aus, als würden sie seit Ewigkeiten unverändert gebaut. Das täuscht natürlich, neue Motorengenerationen lösen alte ab, Fahrwerke verändern sich, Elektronik greift Raum. Der Fortschritt kommt durchaus zum Zuge. Bloß geschieht das normalerweise so dezent, dass es kaum auffällt. Denn kein anderer Motorradhersteller der Welt muss mit Veränderungen und Neuerungen so behutsam umgehen wie Harley-Davidson.

          Die Electra Glide Ultra Limited ist noch luxuriöser ausgestattet und ab 27.995 Euro zu haben
          Die Electra Glide Ultra Limited ist noch luxuriöser ausgestattet und ab 27.995 Euro zu haben : Bild: Hersteller

          Für den Meister der Kontinuität, der Traditionspflege und -vermarktung liegt die Zukunft in der Vergangenheit. Notwendigkeiten der Gegenwart werden mitunter versteckt. Komponenten des Antiblockiersystems beispielsweise tarnt die Motor Company sorgfältig, Federelemente mancher Modelle leisten ihren Dienst im Verborgenen unterm Motor, um den Eindruck eines ungefederten Starrhecks nach Art der vierziger Jahre nicht zu stören.

          Und wo sonst in der Fahrzeugindustrie gibt es noch so etwas: 44 Jahre lang blieb die 1969 eingeführte „Batwing“-Verkleidung der Touring-Typen unverändert. 44 Jahre!

          Batwing-Verkleidung mit LED-Licht
          Batwing-Verkleidung mit LED-Licht : Bild: Hersteller

          So lieben das die Freunde der Marke. Sie wollen nicht die schnellsten, modernsten Motorräder auf dem Planeten, sondern Klassik, Klang, Kult, Charakter. Eisernes Festhalten an identitätsstiftenden Konstruktionsprinzipien wird honoriert. Entfernt sich Harley-Davidson dagegen deutlich vom Gewohnten, kann das - Beispiele vorhanden - leicht schiefgehen.

          Nun wird es spannend. Die Baureihe der schweren, teuren Tourer (die mit Abstand wichtigste und umsatzstärkste aller Harley-Familien) ist fürs Modelljahr 2014 drastisch renoviert worden. Vor allem bei den beiden Versionen der Electra Glide hat sich Ungeheures getan. Vom „wichtigsten Modellwechsel der Unternehmensgeschichte“ war jetzt bei der Neuvorstellung der Harley-Elefanten (sieben Zentner aufwärts) die Rede, vom „Beginn einer neuen Ära“. Es geht um weit mehr als nur die erste Veränderung der Batwing-Verkleidung seit 44 Jahren.

          Top-Tourer Electra Glide Ultra Classic gibt es ab 26.695 Euro
          Top-Tourer Electra Glide Ultra Classic gibt es ab 26.695 Euro : Bild: Hersteller

          Luftkühlung des 45-Grad-V-Twins war eines dieser eisernen Konstruktionsmerkmale. Künftig werden die Top-Tourer Electra Glide Ultra Classic (ab 26 695 Euro) und Electra Glide Ultra Limited (noch luxuriöser ausgestattet, ab 27 995 Euro) mit „Twin Cooling“ an den Start gehen: Die Luftkühlung wird durch eine Wasserkühlung besonders heißer Motorpartien rund um die Auslassventile des 1690-Kubikzentimeter-Zweizylinders ergänzt. Das Prinzip hat Ähnlichkeit mit der „Präzisionskühlung“ des neuen Boxermotors der BMW R 1200 GS. Harley-Davidson geht es bei der Umstellung vor allem darum, die Hitzebelästigung der Besatzung im Stop-and-go-Verkehr deutlich zu verringern, was tatsächlich gelungen ist. Im Stau (oder während der beliebten Paradefahrten) wurde es bisher selbst dem härtesten Hund zu feurig ums Gemächt.

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