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Harley-Davidson : „Captain America“: Die Mutter aller Chopper

  • -Aktualisiert am

Immer mit Helm: „Captain America”-Nachbau von 1993 aus dem Besitz des Guggenheim-Museums Bild: Guggenheim

„Easy Rider“, „Born to be wild“ - das ist für viele nach wie vor der Kern des Motorradfahrens. Jetzt wird der berühmte Film-Chopper - eine Replik aus dem Besitz des Guggenheim-Museums - versteigert.

          Ob dieses Motorrad jemals auch nur einen Meter aus eigener Kraft zurückgelegt hat, liegt im Dunkeln. Ziemlich sicher dagegen ist, dass kein anderes Motorrad auf der Welt so intensiv und von mehr Menschen betrachtet worden ist. Allein in den vier Ausstellungen „The Art of the Motorcycle“ des Guggenheim-Museums in New York, Chicago, Bilbao und Las Vegas haben rund um die Jahrtausendwende mehr als eineinhalb Millionen Menschen „Captain America“ bestaunt.

          Mit jenem Harley-Chopper, benannt nach einem Comic-Helden, ging Peter Fonda Ende der sechziger Jahre in „Easy Rider“ auf Tour. Der Kultfilm trug damals wesentlich zum Motorradboom in Deutschland, in Europa bei. Mitte Mai besteht – theoretisch – für jedermann die Gelegenheit, sich das berühmte Bike ins heimische Wohnzimmer zu holen: „Captain America“, die vielbestaunte Maschine aus dem Guggenheim-Museum, wird versteigert.

          Um mitzubieten, muss man nicht einmal Millionär sein. Aus dem Auktionshaus Bonhams heißt es, zwischen 20.000 und 30.000 Dollar könnten genügen für die „Mutter aller Chopper“. Kaum zu glauben. Aber handelt es sich bei dem Guggenheim-Exemplar überhaupt um jene Maschine, auf der sich Peter Fonda während der Dreharbeiten 1968 sein Gesäß plattgesessen hat? Nein. Es ist eine Replik.

          Peter Fonda im Jahr 2009 auf einer Mitte der neunziger Jahre von Matthias Korte (links) gebauten „Captain America”-Replik

          Was nicht explodiert, wird gestohlen

          Gerade mal 400.000 Dollar haben damals Dennis Hopper, der Regisseur, der auch den „Billy“ spielt, und Produzent Peter Fonda (im Film der „Wyatt“) für ihr Roadmovie zur Verfügung. Bei einem derart kleinen Budget ist es ausgeschlossen, neue Motorräder anzuschaffen und sie für die Filmfiguren Wyatt und Billy umbauen zu lassen. Fonda ersteigert auf einer Auktion in Los Angeles vier ausgediente Polizei-Harleys vom Typ FL, Baujahr 1962, mit 1200-Kubikzentimeter-Panhead-Motor. Die für ihn vorgesehene Maschine erhält eine um 30 Zentimeter verlängerte, aufreizend schräg stehende Gabel mit hohem Lenker. Weitere Merkmale: viel Chrom, Vorderrad ohne Bremse, nach hinten ansteigender Fishtail-Doppelauspuff, Tanklackierung im Muster der amerikanischen Nationalflagge. Hoppers „Billy Bike“ wird vergleichsweise zurückhaltend modifiziert.

          Von den insgesamt vier FilmBikes bleibt keins erhalten. Was nicht nach Vorgabe von Hoppers Drehbuch in einem Feuerball endet, wird gestohlen. Die (motorradlose) Schlussszene ist noch gar nicht gedreht, da sind den Filmemachern schon sämtliche Motorräder abhandengekommen, wie Peter Fonda später erzählen wird.

          300.000 Besucher in 90 Tagen

          1992 machen sich in Amerika Glen Bator und Jerry Sewell daran, je einen Nachbau der „Easy Rider“-Chopper anzufertigen. Sie forschen und suchen Teile, studieren Fotos, verschleißen ein Videoband des Films, befragen Dutzende von Leuten, die mit dem Umbau der Originalmotorräder zu tun hatten. Ihr Auftraggeber, Otis Chandler, will eine „Captain America“ und ein „Billy Bike“ für sein berühmtes Chandler Vintage Museum of Transportation and Wildlife im kalifornischen Oxnard haben. Er bekommt sie, und insbesondere „Captain America“ ist eine Attraktion.

          Einige Jahre später erbittet Thomas Krens, damals Leiter der Guggenheim-Stiftung und Motorrad-enthusiast, dieses Motorrad für die erste Motorradausstellung in einem Kunsttempel, dem Guggenheim-Museum von New York. „The Art of the Motorcycle“ spannt den Bogen von der „Hildebrandt & Wolfmüller“ von 1894 bis zur seinerzeit nagelneuen MV Agusta F4, und die Schau ist ein Renner: mehr als 300.000 Besucher in 90 Tagen. Einzelheiten dazu gibt es übrigens noch heute im Internet unter www.guggenheim.org auf Seite 12 der Liste der vergangenen Ausstellungen („Exhibitions/Past“).

          Originalmotorräder sind ausgeschlachtet

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