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Hardware-Update : Wird das noch was mit dem Diesel?

Ein VW Passat ließe sich vielleicht nachrüsten, ein Golf nicht. Bild: dpa

Lassen sich ältere Motoren mit einem Hardware-Update sauber machen? Technisch geht da was, meint VW. Die Konkurrenz sieht es anders.

          Die jüngsten Meldungen vom Stuttgarter Neckartor, dem Inbegriff aller Dieselpanikattacken, müssten Autobranche und Politik eigentlich aufatmen lassen. Im wahren Sinne des Wortes. Die Messstation dort, die so dicht wie keine andere an Auspuffen schnüffelt, meldet verbesserte Luftqualität. Die Anstrengungen zur Verringerung der Abgase zahlen sich offenbar aus. Und doch herrscht weiter größte Sorge, Gerichte könnten Einfahrverbote für Dieselautos verhängen oder Politiker ein Exempel statuieren wollen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die Sorge ist derart groß, dass Europas führender Hersteller VW heimlich eine Nachrüstlösung mit Hardware für seine älteren Diesel entwickelt hat. Genauer gesagt: Man habe sich einen Vorschlag angesehen und für interessant befunden, beschwichtigt Wolfsburg jetzt. Viele Techniker dort halten nämlich einen Umbau nach wie vor für teuren, komplizierten und weitgehend wirkungslosen Aktionismus. Nicht VW selbst habe die Teile entworfen, mit denen Euro-5-Dieseln das Verblasen von Stickoxid (NOx) ausgetrieben werden soll, sondern mittelständische Betriebe, die sich auf Nachrüstungen verstünden. Die Namen hält VW geheim.

          Es handelt sich um Twintec, Oberland Mangold und vor allem HJS, eine in der Branche angesehene Firma aus dem Sauerland, der etwa die VW-Ingenieure als einziger vertrauen. HJS hat sich, wie deren Inhaber bestätigt, ein paar betagte Volkswagen besorgt und in selbige Teile modernster Abgasreinigung eingebaut. Autos von Volkswagen deshalb, weil hier die größte Masse auf den Straßen ist, mithin am meisten Geld zu verdienen, wenn es klappt. Und VW hat sich die Lösung natürlich angeschaut, will der Konzern doch gewappnet sein, falls es zum Äußersten, also zu Fahrverboten, kommen sollte. Dass Volkswagens Chefetage gewisses Interesse an dieser Form der Darstellung hat, kann nicht verwundern angesichts der Erregung, die der unabgestimmte Vorstoß unter den Wettbewerbern ausgelöst hat. Hieß es doch bislang unisono: Software-Updates funktionieren, Hardware-Updates nicht.

          Von Opel heißt es „kein Kommentar“

          Das soll grundsätzlich noch immer gelten. „Wir bleiben bei unserem Standpunkt. Wir lehnen Eingriffe in die Mechanik ab, weil die Umsetzung zu lang dauert, die Folgen für die Funktionsfähigkeit nicht abschätzbar sind und der Effekt zu gering ist. Und letztendlich auch, weil eine solche Lösung unverhältnismäßig teuer käme. Die Software-Updates hingegen wirken“, sagt Daimler-Sprecher Jörg Howe. „Wir sehen keine Veranlassung, an unseren Fahrzeugen etwas nachträglich umzubauen. Das bringt nichts“, argumentiert auch Maximilian Schöberl, der Sprecher von BMW. Von Opel heißt es „kein Kommentar“, doch die interne Haltung deckt sich mit jener der Konkurrenz. Und Ford-Sprecher Ralph Caba pflichtet bei: „Der Vorschlag ist keine geeignete Lösung für die überwiegende Mehrheit der Flotte älterer Diesel-Personenwagen. Der Umbau hätte nicht den erwarteten positiven Effekt auf die Luftqualitätsmesswerte.“

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