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Gültig ab 1. Mai : Italien hebt das Tempolimit auf

Keine Tempolimit mehr? Kein Problem für die italienische Polizei mit diesem Dienstwagen Bild: Picture-Alliance

Am 1. Mai wird in Italien das Tempolimit auf Autobahnen aufgehoben. Es gilt dann wie in Deutschland lediglich eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Mit der Maßnahme sollen mehr Touristen gelockt werden.

          ### Update vom 1. April, am Abend: Lieber Leser, bei dem folgenden Text handelt es sich um einen Aprilscherz. Weitere Scherze und den Hintergrund, woher diese Tradition kommt, finden Sie hier.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wenn das keine Überraschung ist. Italiens Transport- und Infrastrukturminister Maurizio Lupi hat durchgesetzt, dass in Italien zumindest befristet das Tempolimit auf Autobahnen fällt. Rechtzeitig zur Urlaubssaison dürfen sich deutsche Urlauber freuen, sie sind schneller an der Adria oder der Riviera, und die Fahrten in den Süden des Stiefels verkürzen sich zeitlich deutlich, wenn man ordentlich auf die Tube drückt. Vorläufig gilt die freie Fahrt vom 1. Mai 2015 bis zum 1. April 2016. Nach Auswertung der Erfahrungen soll dann entschieden werden, ob die nicht verbindliche Richtgeschwindigkeit (130 km/h wie in Deutschland) zur festen Regel wird.

          Lupi will damit sein Land offenbar attraktiver für Touristen machen. Die chinesischen Autofahrer, die in Deutschland gezielt Urlaub machen, um das hohe Tempo auf den deutschen Autobahnen zu erleben (in geführten Gruppen mit Porsches oder dicken BMW) haben jetzt eine Alternative. Und keine Angst: Von einer Mauterhöhung für die 5800 Kilometer Autobahn in privater oder halbstaatlichen Konzession wie für die 973 Kilometer unter direkter staatlicher Verwaltung, wird zunächst abgesehen. Ein Anheben der streckenbezogenen Maut war angesichts der Freigabe diskutiert worden, bleibt aber zunächst aus.

          Deutlich positiv reagiert man bei den italienischen Sportwagenherstellern Ferrari, Maserati oder Lamborghini auf die Ankündigung. „Jetzt steht man bei Testfahrten nicht immer mit einem Bein im Gefängnis,“ sagt einer der Testfahrer. Und die eine oder andere Reise nach Deutschland könne auch entfallen. Selbstverständlich gibt es aber weiterhin Tempobeschränkungen auf Autobahnen, wenn es die Situation erfordert. Das ist in Deutschland nicht anders.

          Mit dem Schritt Italiens verliert Deutschland seine Alleinstellung in Europa. Nur hierzulande gilt auf Autobahnen kein Limit, sonst ist die erlaubte Höchstgeschwindigkeit in allen Ländern mehr oder weniger streng reglementiert (Bulgarien und Polen erlauben immerhin 140 km/h auf Autobahnen). Außer in Deutschland wurden die Tempobeschränkungen auf Autobahnen in den siebziger Jahren unter dem Eindruck der Ölkrise und den damals noch sehr hohen Todes- und Unfallzahlen überall in Europa nach und nach eingeführt. In Großbritannien gilt Tempo 70 mph (umgerechnet 112 km/h) sogar schon seit 1967. Landstraßen sind überall limitiert, meist auf 80 oder 90 km/h. Nur in Deutschland und Österreich gilt Tempo 100. Und das in Deutschland seit 1972. Eine Ausnahme gibt es: Die Isle of Man in der irischen See kennt keinerlei Tempolimit wie einige andere Staaten in der Welt auch (Afghanistan oder Somalia).

          Von der Entwicklung in Italien ist man in Deutschland vollkommen überrascht. Doch der ADAC, dessen Mitglieder stets zu gut zwei Drittel ein Tempolimit auf Autobahnen ablehnen, bleibt ganz cool. Pressesprecher Klaus Reindl: „Wir sind insofern etwas überrascht über die Pläne der Italiener, als wir bisher davon ausgegangen sind, dass die hohen Bußgelder wegen Geschwindigkeitsverstößen zu Sanierung des italienischen Staatshaushaltes und der Gemeindefinanzen einen gehörigen Teil beigetragen haben. Warum Italien jetzt auf einen Teil dieser Einnahmequelle verzichtet, ist uns bisher nicht bekannt.“

          Umweltverbände und grüne Politiker sind dagegen

          Beim VDA, dem Verband der Automobilindustrie, sieht man es ähnlich locker. Ein Sprecher des Verbandes sieht den Versuch als wichtigen Schritt hin zu mehr Souveränität und Sicherheit im Straßenverkehr. In einer Stellungnahme heißt es wörtlich: „Nahezu alle Verkehrsexperten vertreten die Auffassung, dass Unterforderung auf Autobahnen zu Unaufmerksamkeit beim Autofahrer führen kann und damit ein zusätzliches Risiko darstellt. Sollten die Ergebnisse des auf elf Monate begrenzten Versuchs einen Rückgang der Unfallzahlen bestätigen – wovon wir aufgrund der Erfahrungen in Deutschland ausgehen –, sollte in Brüssel überlegt werden, ob dieser innovative Ansatz nicht auch EU-weit verfolgt werden sollte.“

          Da könnte Italien einen Stein ins Rollen gebracht haben. Dass Umweltverbände und grüne Politiker die Aufhebung des 130er-Limits nicht gut heißen, sei noch erwähnt. Aber das war nicht anders zu erwarten. Joschka Fischer wird wohl der erste sein, der mit 180 km/h auf dem Weg in seine geliebte Toskana ist.

          Lieber Leser, falls Sie uns diese Geschichte abgenommen haben – schön. Kommen Sie gut in den April.

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