https://www.faz.net/-gy9-9xzth

Decathlon-Gravelbike im Test : Für wenig Schotter

  • -Aktualisiert am

Decathlons Preiskracher namens Triban RC 520 Gravel. Bild: Klee

1000-Euro-Gravelbike aus Frankreich: Was taugt das Triban RC 520 des Sportartikel-Riesen Decathlon?

          2 Min.

          Ob der Preis eines Fahrrads angemessen ist, liegt meist im Auge des Betrachters. Ambitionierte Sportler, hochmotivierte Hobbyradler und technikverliebte Amateure nehmen ohne mit der Wimper zu zucken viele große Scheine in die Hand, um ein möglichst effizientes, leichtes oder mit technischen Raffinessen ausstaffiertes Fahrrad ihr Eigen nennen zu können. Weniger Anspruchsvolle kaufen ihr Rad im Baumarkt – das fährt auch und kostet nur unwesentlich mehr als die Tankfüllung eines SUV.

          Zwischen diesen Extremen gibt es zugegebenermaßen einige Schattierungen. Bringt man die Prämissen „ausreichend sportlich“ und „sinnvoll ausgestattet“ zusammen und geht die Überlegung aus einem auf Sparsamkeit orientierten Blickwinkel an, dürfte die 1000-Euro-Grenze als magisch bezeichnet werden. Genau einen Cent weniger kostet das Triban RC 520 Gravel des französischen Sport-Giganten Decathlon.

          Die Ausstattungsliste weist einige Argumente für das Preiskampf-Schotterrad auf. Der Rahmen besteht aus Aluminium, die „tapered“ Gabel mit Alu-Schaft aus Karbon. Den Antrieb erledigt eine 1×11-Sram-Apex-1-Schaltung samt passender Kurbel, verzögert wird mit hydraulischen TRP-Scheibenbremsen. Na ja, teilhydraulisch, denn von den Bremshebeln führen zunächst Bowdenzüge bis zu den Bremssätteln, die per integrierter Hydraulik auf die 160-Millimeter-Scheiben greifen. Den Kontakt zum Untergrund halten hauseigene Tubeless-Ready-Laufräder mit Schnellspannern und WTB-Resolute-Gumwall-Reifen in 650×42. Alle restlichen Komponenten tragen den B’Twin-Schriftzug, stammen also wie die Räder aus eigener Produktion. 10,5 Kilo zeigt die Waage. Ein durchaus respektables Gewicht in dieser Preisklasse.

          Das gesamte Rad ist stimmig entworfen

          Mit 1,73 Meter Fahrergröße landet der Autor genau zwischen den Rahmengrößen S und M und sitzt nach Rücksprache mit Decathlon schlussendlich auf einem M-Rad. Zunächst scheint die Sitzposition etwas zu gestreckt, erweist sich aber nach ersten Ausfahrten und damit einhergehender Feinabstimmung als gelungen. Das gesamte Rad ist stimmig entworfen und aufgebaut. Während langer Tage im Sattel ist für guten Komfort gesorgt. Rahmen und Gabel geben sich auf losem Untergrund und rauhem Asphalt nachgiebig genug, gleichzeitig ist beim Sprint oder in ruppigen, schnellen Abfahrten genug Steifigkeit vorhanden. Das Handling ist generell eher auf der stabilen Seite.

          Der Lenker ist nicht zu breit und bietet mit 16° Flare eine angenehme Variationsvielfalt in der Griffposition. Bremsdosierung und -kraft, Schaltung und Gangabstufung – alles funktioniert tadellos und harmoniert mit der Schotter-Straße-Mischkalkulation eines Gravelbikes. Auch hinsichtlich der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern. Die Schweißnähte sind akkurat, die zweifarbige Lackierung – obenherum Mattschwarz, unten glänzendes Dunkelgrün – kann sich sehen lassen. Ein kleines Logo am Sattelrohr soll dokumentieren, dass das Rad auf den geschichtsträchtigen Straßen Flanderns entwickelt und getestet wurde. Flaschenhalter dürfen natürlich auch nicht fehlen. Eine Besonderheit aber sind die Gewinde für Gepäckträger und Schutzbleche. Sogar die Karbon-Gabel verfügt über Gewindelöcher, um entweder einen kleinen Porteur oder Bikepacking-Zubehör bis acht Kilogramm zu verschrauben. So lässt sich das Schotterrad mit wenig zusätzlichem Zubehör in ein schnelles Pendlerrad oder einen vielseitigen Randonneur verwandeln.

          Kritikpunkte halten sich in Grenzen. Die Zugführung am Unterrohr – der Einflugschneise von Dreck und Geröll – ist nicht ideal und der Sattel, ganz subjektiv, zu weich. Manch einer wird die Reifenfreiheit kritisieren, denn im Mountainbike-Segment beheimatete Reifendimensionen passen weder in den Rahmen noch in die Gabel. Das ist aber zu verkraften und vermutlich ohnehin ein temporäres, der Mode geschuldetes Bedürfnis.

          Unterm Strich ist das Triban RC 520 Gravel ein ziemlicher Preis-Leitungs-Kracher. Dass das Rad derzeit zum gleichen Kurs mit Shimano-105-Schaltung auf der Decathlon-Website geführt wird, setzt hinter diese Aussage noch ein Ausrufezeichen.

          Weitere Themen

          Kleine Elektroautos voll im Trend Video-Seite öffnen

          „Tiny Cars“ : Kleine Elektroautos voll im Trend

          Klein, bunt und so einfach aufzuladen wie ein Smartphone: die neue Generation der „Tiny Cars". Das Fahrzeug, das in Konkurrenz zu Fahrrädern und Scootern tritt, soll das nachhaltige Verkehrsmittel in den Städten werden.

          Kein Klingelstreich

          Smart-Home-Türklingel im Test : Kein Klingelstreich

          Schau mal, wer da kommt: Die Smart-Home-Türklingel von Arlo kommt mit Videoübertragung aufs Handy. Die ersten Schritte der Einrichtung funktionierten problemlos. Und dann ging es erst einmal nicht mehr weiter.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.