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Goodwood Festival : Das feine Abenteuer des schnellen Auto-Adels

  • -Aktualisiert am

Man kommt dicht an die Strecke, muss aber aufpassen Bild: Abele

Das Goodwood Festival of Speed in England ist ein großer Jahrmarkt. Der Earl of March als Enkel des Dukes führt damit eine Familientradition weiter. Zu sehen sind Rennfahrzeuge und ihre Piloten in einer bunten Mischung, die vor allem viel Spaß macht.

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          Geschwindigkeit ist eine verlockende Sache, so oder so. Die einen genießen sie in der einen, rückläufigen Richtung in Form von ruhigerer Gangart. Andere sehen im Verfolgen schneller, ja rasender Aktion ein würziges Lebenselixier, das sie gern aufnehmen, durchaus auch in intensiver Dosis. Für diese Menschen gibt es eine Veranstaltung, die Geschwindigkeit in gut absorbierbarer Form verabreicht und die eine belebende, mitunter sogar verjüngende Wirkung zeigt: Das Goodwood Festival of Speed in England.

          Es ist Seiner Durchlaucht, dem Earl of March, zu verdanken. Er suchte vor einigen Jahren nach einer Möglichkeit, den äußerst großzügigen Landsitz seiner Ahnen bei Laune zu halten, will heißen: belebt und in gutem Zustand. Wobei der zweite Punkt einen gewissen pekuniären Einsatz erfordert - wovon auch der kleinvolumigere Grund- und Immobilienbesitzer ein klimperndes Lied singen kann. Beim Herrn Grafen muss man sich das Volumen ungefähr so vorstellen: Ihm gehört, sehr vereinfacht gesagt, ein nicht unerheblicher Teil Südenglands. Was wiederum den pekuniären Einsatz zumindest grob beschreibt. Es handelt sich also um eine sehr fordernde Managementaufgabe, die der Graf erfüllt. Mancher würde vor ihr zurückschrecken. Der Earl of March holt sich einmal im Jahr Rennfahrer, ihre Autos und viel Publikum zu Hilfe. Und, selbstverständlich, Geschwindigkeit in diverser Form, die freigiebig verteilt wird.

          Zwischen Knattern und Kreischen

          Jedes Jahr Anfang Juli findet das Goodwood Festival of Speed statt. Es folgt einem einfachen Muster, das vielleicht noch nicht erwähnt wurde: Geschwindigkeit ist das tragende Element. Präziser sprechen wir hier über Geschwindigkeit motorisierter Fahrzeuge. Es muss jetzt beim Namen genannt werden: In Goodwood geht es darum, Rennautos und Autorennfahrer, Rallyeautos und Rallyefahrer, Rennmotorräder und Motorradrennfahrer in Aktion zu erleben. Sie alle stammen aus verschiedenen Epochen, bis hin zur Jetztzeit und aktuellen Fahrmaschinen und Fahrern. Nahezu alle Fahrzeugmarken sind vertreten, auf zwei, drei und vier Rädern. Mercedes-Benz und Audi zelebrierten in diesem Jahr in Goodwood zudem das Jubiläum „75 Jahre Silberpfeile“ und schafften 14 Fahrzeuge herbei - so viele waren seit den dreißiger Jahren nicht mehr auf einem Fleck. Porsche freute sich über „40 Jahre Porsche 917“, untermalt von zwölf der Langstreckenrenner.

          Historienschau: Die Autos aus der guten alten Zeit

          Das Festival of Speed kennt eine Hymne - sie ist vor allem laut, Schattierungen äußern sich zwischen Knattern und Kreischen. Es kennt auch Gerüche - sie sind geprägt von Treibstoffodeur vor und nach Zuführung an einen Verbrennungsmotor, von verbranntem Gummi, der von einem überschnellen Drehenlassen schwarzer Räder auf schwarzem Asphalt erzeugt wird. Kurzum, das Festival of Speed liefert Eindrücke, die nicht wenige Menschen als immenses Freizeitvergnügen schätzen.

          Fester Bestandteil des Kalenders für klassische Fahrzeuge

          Das Goodwood Festival of Speed ist ein fester Bestandteil des Kalenders für klassische Fahrzeuge. Es lebt vor allem von zwei Dingen: dass Fahrer und Fahrzeuge in aufregender Aktion sind - und dass der flanierende Besucher so dicht an die Objekte der Begierde herankommt wie sonst nie. Beispiel Fahrerlager: Man darf den maschinellen und menschlichen Idolen so eng auf die Pelle rücken, als sei man der Rennleiter persönlich oder zumindest ein Rennmechaniker. Respekt ist freilich allerorten zu spüren - es gibt Grenzen, die respektiert werden, und wenn sie vereinzelt gebrochen werden, dann mit allem Anstand. Noch nie, sagt der Earl, sei an den Fahrzeugen etwas passiert. Er schätzt den Wert der in diesem Jahr anwesenden Boliden auf feiste 257 Millionen Pfund, rund 310 Millionen Euro. Diese stehen ganz unschuldig auf ihren schwarzen Pneus herum.

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