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Goodwood Festival : Das feine Abenteuer des schnellen Auto-Adels

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Vollkommen unbezifferbar ist das Kapital der Renn- und Rallyefahrer. 115 waren es dieses Jahr. Auszüge der Meldeliste im Stakkato-Tempo müssen genügen: Rauno Alltonen. Walter Röhrl. Derek Bell. Timo Glock. Lewis Hamilton. Jenson Button. Jochen Mass. Jacques Laffite. Jacky Ickx. Damon Hill. Hannu Mikkola. Stirling Moss. Riccardo Patrese. Jackie Stewart. Kurzum: Das Festival of Speed ist ein Tummelplatz der internationalen Fahrerelite. Aber, und das ist das Schöne fürs Publikum, sie tummelt sich in schöner Volksnähe. Gern genommen werden auch Leute wie Peter Fonda, der just am Gedenktag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung seinen „Easy Rider“-Chopper über die Strecke steuerte. Auch der amerikanische Talkmaster Jay Leno, ein bekennender Autosammler, wurde gesichtet. Oder der „Pink Floyd“-Schlagzeuger Nick Mason, der zum wiederholten Mal einen Auto Union Typ D aus den dreißiger Jahren bewegte.

Mercedes-Benz konterte mit Jenson Button, der den frisch fürs Jubiläumsjahr restaurierten Rennwagen W 25 rasant über die Strecke brachte. Zentrale Achse in Goodwood ist der „Hillclimb“. Stoßweise, nach Fahrzeugepochen geordnet, gehen die Teilnehmer auf eine rund 1,9 Kilometer lange Strecke auf dem Landsitz des Earls - nicht in echtem Renntempo, aber doch zumindest nahe an der Ideallinie. Ein Geschwindigkeitswettbewerb findet nicht mehr statt, nachdem es vor einigen Jahren zu einem schweren Unfall gekommen war - die Fahrer heizen heute für den eigenen Spaß und für den des Publikums. Dem gefällt's, es fühlt sich jenseits der Strohballen-Absperrung wie bei einem Grand Prix, Motorenkreischen und hektische, verfolgende Halsbewegung inklusive. Denn die Folge der Fahrzeuge ist dicht, im Abstand von vielleicht dreißig Sekunden sind sie sich auf den Fersen. Der nimmermüde Stadionsprecher gibt dazu Erläuterungen und Anekdoten zum Besten.

1936 ließ der Duke of Richmond erstmals einen „Hillclimb“ durchführen

Und dann gibt es noch ein Beiprogramm in der Luft: Der Earl of March bestellte in diesem Jahr die englische Kunstflugstaffel der Red Arrows ein, sie vollführte über den Köpfen ihre Kapriolen. Und ein einzelner Düsenjäger vom Typ Eurofighter ließ nicht nur seine Beweglichkeit blicken, sondern auch in die beiden glühenden Schlunde seiner Düsentriebwerke - Geschwindigkeit in einer anderen Optik und einer anderen Geräuschkulisse.

Die Geschichte des Motorsports reicht in Goodwood zurück in die dreißiger Jahre. 1936 ließ der Duke of Richmond erstmals einen „Hillclimb“ durchführen, damals eine sehr beliebte Wettbewerbsart. 1948 eröffnete er dann eine Rennstrecke, die heute noch existiert und auf der früher auch Grand-Prix-Rennen ausgetragen wurden. Heute findet dort im Herbst das „Goodwood Revival“ statt. Doch das Festival of Speed auf dem Landsitz ist das größere Spektakel. Der Earl of March als Enkel des Dukes führt also auch eine Familientradition weiter.

Wem sich nun die Vermutung aufdrängt, beim Festival of Speed handele es sich um eine Art Jahrmarkt, dann liegt er vielleicht nicht so falsch. Kurzweil und Unterhaltung, in diesem Jahr bei bestem Wetter - das ist keine ganz schlechte Wochenendbeschäftigung. Dem Vernehmen nach soll es zwar Leute geben, die das in Goodwood gepflegte Treiben als leer ansehen. Nur - liegt nicht gerade sinnfreiem Tun ein starker Frieden inne? Das darf dann ruhig auch, warum nicht, mit Geschwindigkeit garniert sein.

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