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Fahrrad-Kampagnen : Stadthacken

  • -Aktualisiert am

Fahrrad-Kampagnen gibt es viele: Wird jedoch auch ihr eigentlicher Zweck erfüllt? Bild: Stefanie Silber

Fahrrad-Kampagnen zum Wohle der Umwelt gibt es viele – doch erfüllen diese auch tatsächlich ihren Zweck? Oder handelt es sich einfach nur um bloße Schummelei?

          Kampagnen für gute, ernste Anliegen gibt es zuhauf, und sie prunken gern mit großen Zahlen. Stadtradeln zum Beispiel des Vereins Klima-Bündnis („Europäische Kommunen in Partnerschaft mit indigenen Völkern – Für lokale Antworten auf den globalen Klimawandel“) ist so eine von der EU und national preisgekrönte Geschäftigkeit: Sie hebt hierzulande Zigtausende Menschen in ein paar hundert Kommunen in den Fahrradsattel, lässt sie – natürlich im Internet – notieren, wie weit sie gekommen sind, und rechnet aus, wie viele Hunderttausende von Tonnen CO2 dadurch „eingespart“ worden seien. Das ist natürlich an sich schon Unsinn, weil die weiten Wege, die brave Teilnehmer da für die Ehre und eventuell kommunal ausgelobte Preise abradeln, nicht alle mit dem Auto gemacht worden wären, wenn es die Kampagne nicht gäbe.

          Sei’s drum, es kann nicht ganz und gar verkehrt sein, noch mehr Menschen aufs Fahrrad zu locken. Verkehrt, wenn nicht zumindest stark bezweifelbar, erscheinen die Zahlen. Auffallen kann das aber nur, wenn ein Radlerteam, das sich freundlicherweise auch noch Hacking nennt, eines Morgens in einem mittelhessischen Städtchen über 300.000 geradelte Kilometer für sich reklamiert. Fängt keine Plausibilitätskontrolle solchen Unsinn ab? Nein, umgehend zum Verschwinden bringt dieses, und nur dieses, aber nicht alles Fake-Radeln am Ort ein Anruf in der deutschen Zentrale von Klima-Bündnis. Dort windet sich ein Sich-nicht-zuständig-Fühlender wie ein Aal: Man könne doch nicht jeden Kilometer nachprüfen und überhaupt, das sei Sache der lokalen Koordinatoren.

          Vom Feldherrnhügel der Kampagne aus betrachtet, ist es offenbar nicht so wichtig, dass die einzelnen Eingaben stimmen – was sich mit wenig Programmierung sicherstellen ließe. Umkehrschluss: Es gibt nicht nur Schummel-Diesel, es gibt auch Schummel-Radler, und das nicht in die Atmosphäre entlassene Treibhausgas ist wohl zu einem Gutteil auch noch bloß virtuell nicht ins Klima gepustet worden.

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