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Globaler Autosalon in Basel : Ganz was Feines

  • -Aktualisiert am

Andreas Zagato mit dem neuen IsoRivolta, der 2018 auf den Markt kommen soll. Bild: Grand Basel

Luxus läuft – auch bei den Automessen. Während die IAA im Stimmungstief ist, planen sie in Basel einen globalen Autosalon der Haute Voiture und lassen sich vom Krisengerede nicht anstecken.

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          Sie verstopfen unsere Städte, sie verpesten die Luft, und mit den unterstellten Kartellabsprachen der Hersteller ziehen sie uns auch noch das Geld aus der Tasche – wenn man das Auto nur als industrielles Massenprodukt und Transportmittel betrachtet, dann kommt man um Kritik kaum herum. Dann kann man auch die Schwarzmaler gut verstehen, die in Zeiten von Elektroantrieb, autonomem Fahren und Newcomern wie Tesla schon das Ende der Autowelt herbeireden, wie wir sie bislang kennen. Und vor allem kann man dann auch nachvollziehen, weshalb Automobilmessen wie die IAA in Jahren wie diesen schwer zu kämpfen haben, weshalb etliche Aussteller absagen und die Veranstalter Angst vor einem Besucherschwund haben.

          „Doch das Auto ist auch Kunstwerk und Kulturgut und steht als solches über den Dingen“, sagt Mark Backé und will sich nicht anstecken lassen vom grassierenden PS-Pessimismus. Im Gegenteil. Als Vorstandsmitglied der Schweizer MCH Group hat er deshalb jetzt sogar eine neue Ausstellungsplattform geschaffen, mit der sie die Lust am Auto weiter pflegen wollen. „Grand Basel“ heißt das Konzept, das mit einer Messe wie der IAA allerdings kaum mehr gemein hat als ein Sternerestaurant mit einem Landgasthof. Nicht umsonst lautet der Arbeitstitel „Project Pinnacle“ und steht damit für den Gipfel der Automobilkultur.

          Trends der Luxusmärkte und die Vorlieben der Uhnwis

          „Denn eine weitere Motorshow im althergebrachten Sinn braucht die Welt ganz sicher nicht“, ist Backés Kollege Stephan Peyer überzeugt. Während er den angeblichen Niedergang der großen Universal-Ausstellungen beobachtet, registriert er allerdings einen wachsende Zuspruch für elitäre Events wie das Festival of Speed in Goodwood, den Concours d’Elegance in der Villa d’Este am Comer See und allen voran die Car Week in Monterey, die sich rund um den Concours von Pebble Beach zu einer Art IAA im Smoking entwickelt hat, bei der man für einzelne Ausstellungen über 600 Dollar bezahlt und trotzdem nur einen Platz auf der Warteliste bekommt.

          Und Peyer ist nicht umsonst erstens Schweizer und zweitens Geschäftsmann genug, als dass er dieser Entwicklung nicht mit einer passenden Statistik untermauern könnte. „Betrachten wir die Trends der Luxusmärkte und die Vorlieben der Uhnwis, der Ultra High Net Worth Individuals mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Dollar, haben sich Classic Cars über die vergangenen zehn Jahre mit einem Wachstum von 457 Prozent an die Spitze der Entwicklung gesetzt“, sagt Peyer und schließt darin auch moderne Einzelstücke, Konzeptfahrzeuge, Kleinserien und Supersportwagen ein. Luxusgüter wie Uhren, Kunst oder Schmuck seien in dieser Zeit dagegen nur zwischen 66 und 147 Prozent gewachsen.

          Statt Messetrubel versprechen sie Museumsatmosphäre

          Weil diese Superreichen die Kunden sind, auf die sie eigentlich abzielen, geht es den Messemachern nicht um Masse, sondern nur um Klasse. Obwohl sie gerne Marktplatz sein wollen, als Aussteller vor allem Händler sehen und am besten alle Autos am Ende der Show verkauft sein sollen, kaschieren sie den Kommerz deshalb mit reichlich Kultur. Und statt Messetrubel versprechen sie Museumsatmosphäre – nicht umsonst zwingen sie die Aussteller in ein einheitliches Standkonzept, das vom Berliner Designbüro Blue Scope als eine Vielzahl ebenso modularer wie monotoner Kuben entworfen wurde, die sich um ein zentrales Forum gruppieren, in dem auch gefahren werden kann. Und nicht ohne Grund beschränken sie die Zahl der Modelle pro Marke auf maximal sieben, so dass bei 100 bis 200 Exponaten eine gewisse Vielfalt garantiert ist.

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