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Als das Elektroauto scheiterte

Von GUSTAV THEILE
Foto: Museumsstiftung Post und Telekommunikation

15.05.2019 · Elektroautos gab es schon vor mehr als 100 Jahren. Die Argumente von damals sind die Argumente von heute. Die Probleme auch.

D er Streit um die Mobilität der Zukunft spitzt sich zu. Einige wissenschaftliche Institutionen stellen sich eindeutig hinter das Elektroauto: die deutsche Ärztekammer, das Institut für Städtehygiene der Universität Hamburg, auch ein Arbeitskreis für Lärmbekämpfung. Sie alle heben die Vorteile des Elektroautos hervor. Eine „schwerwiegende Gefahr für die Gesundheit“ sei die Luftverschmutzung in den Städten, warnen sie: Die „starke Zunahme von Lungenkrebs“ sei „zum großen Teil“ auf die Emissionen der Verbrennungsmotoren zurückzuführen, da „krebserregende Stoffe darin enthalten“ seien. Zudem könnten Elektroautos die Lärmbelästigung in den Städten reduzieren. Deshalb sollten Elektroautos steuerlich begünstigt werden, fordern die Wissenschaftler.

Nachkriegszeit: Elektroauto der Post um 1955 in Darmstadt Foto: Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Das alles könnten Beiträge aus den vergangenen Monaten sein. Tatsächlich aber liegen sie mehr als 60 Jahre zurück. Mitte der fünfziger Jahre formulierten die Fachleute ihre Forderungen, doch die Politik ignorierte sie: Am 6. April 1955 verabschiedete der Bundestag das Verkehrsfinanzgesetz, das bis dahin bestehende steuerliche Vorteile für Elektroautos aufhob. „Steuererhöhungen bis zu 575 Prozent“ für manche Elektroautos waren die Folge, weil die Steuern für Elektroautos, die damals zu hunderten auf den Straßen fuhren, nun nach dem Gewicht berechnet werden sollten. Betroffen waren der DKW Schnellaster, die elektrischen Paketwagen der Post und andere. Das „trug wesentlich zum Niedergang des Elektrofahrzeugs ab den 1950er-Jahren bei“. So beschreibt es Joel Fischer in der Fachzeitschrift „Das Archiv“. Fischer ist zudem Kurator der Ausstellung „Elektro + Mobil“ im Kommunikationsmuseum in Frankfurt, die sich mit der Geschichte der Elektromobilität beschäftigt.

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