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Gepanzerte Limousinen : Es fließt viel Geld, doch der Schutz bleibt relativ

  • -Aktualisiert am

Geländewagen sind aufgrund der planen Flächen relativ leicht zu armieren. Hier ein Modell von Cloer. Bild:

In Zeiten zunehmender Gewaltbereitschaft ist Sicherheit ein hohes Gut. Wichtige Personen des öffentlichen Lebens wollen rund um die Uhr geschützt sein, auch im Auto.

          In Zeiten zunehmender Gewaltbereitschaft ist Sicherheit ein hohes Gut. Wichtige Personen des öffentlichen Lebens wollen rund um die Uhr geschützt sein, auch im Auto. Das Blech eines herkömmlichen Fahrzeugs ist noch nicht einmal kugelfest, und um dies und noch viel mehr zu erreichen, hat sich in den vergangenen Jahren ein durchaus relevanter Markt für gepanzerte Sonderschutzfahrzeuge entwickelt. "Insgesamt werden jährlich zirka 2000 Fahrzeuge mit der hohen Beschußklasse B6 und B7 verkauft. In der niedrigeren Beschußklasse B4 sind es sogar rund 18 000 Einheiten", weiß Mercedes-Benz-Sprecher Gerd Eßer.

          Wie stark ein Auto gegen Angriffe geschützt ist, wird in den Beschußklassen festgehalten, die gängigsten sind B4, B6 und B7. Bei B4 schützen Panzerstähle (und natürlich Panzerglas) in Holmen, Türen, Dach und Boden die Insassen vor Kugeln aus Faustfeuerwaffen bis hin zur berüchtigten 44er Magnum. Diese Armierung richtet sich gegen Bedrohungen wie Kidnapping, Carjacking und andere Straßenkriminalitäten, wie sie häufig unter anderem in Südamerika vorkommen.

          Gegen Gewehr- oder Maschinenpistolenfeuer, beispielsweise aus Kalaschnikows - hier sind die Geschosse erheblich schneller und durchschlagskräftiger -, schützt die aufwendigere B6/B7-Schutzklasse. Die Fahrzeuge sind entsprechend aufwendiger und dicker gepanzert.

          Besondere äußere Erkennungsmerkmale haben laut Panzerungsspezialisten diese "Schutzfahrzeuge" aber nicht - das ist auch beabsichtigt. Unternehmen, die Fahrzeuge umrüsten, gibt es einige in Deutschland wie beispielsweise Asbeck (www.asbeck-group.com), Cloer International (www.cloer-international.com) oder Trasco (www.trasco-cars.com). Dazu bieten verschiedene deutsche Auto-Hersteller Sonderschutzfahrzeuge ab Werk an: Audi, BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen mit dem Passat Protect in der Schutzklasse B4. Zur Sonderschutz-Palette von Audi gehören der A6 2.7 T quattro (B4) und der A8 (B6/B7). Die Neupreise des A6 liegen bei etwa 90 000 Euro, der gepanzerte A8 wird ab zirka 250 000 Euro geliefert - je nach Ausstattung. Vom gepanzerten A6 werden pro Jahr mehr als 100 Exemplare ausgeliefert, vom A8 weniger als 100 Fahrzeuge.

          Mercedes-Benz würde seinem Ruf nicht gerecht, wenn es nicht auch bei diesem Thema auf eine lange Tradition zurückblicken würde. Den ersten gepanzerten Mercedes baute das Unternehmen 1928, eines der ersten Schutzfahrzeuge war der für den japanischen Kaiser Hirohito gebaute 770 K. Seit 1964 wurden zahlreiche Sonderschutzmodelle angeboten - vom legendären Mercedes-Benz 600 über den 280 SE 3.5 bis zum Geländewagen der G-Klasse. Heute werden Sterne mit harter Schale in drei Modellreihen angeboten. Die Mercedes-Benz Guard-Modelle (E-Klasse, S-Klasse und G-Reihe) werden in einer separaten Produktionslinie, aber nach gleichen Abläufen gebaut wie die Serienmodelle. Die Angebotspalette in der Schutzklasse B4 umfaßt bei Mercedes die E- und S-Klasse. Die Palette des E 320 (B4) beginnt bei 104 000 Euro, die der E 500 Guard Limousine bei 115 000 Euro, und die S-Klasse mit der Schutzklasse B4 gibt es ab 150 000 Euro. Der maximale Schutz B6/B7 in der S-Klasse fängt bei stolzen 270 000 Euro an; das Leergewicht steigt gegenüber dem Serienfahrzeug um 60 bis 80 Prozent. Folglich muß ein kräftiger Motor unter der Haube sein. Die Preise für die G-Modelle in der B6-Schutzklasse beginnen bei 185 000 Euro, und für die B7-konforme G-Reihe müssen mindestens 235 000 Euro investiert werden.

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