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Genfer Autosalon : Messe der Etablierten und Exoten

Bild: Hersteller

An diesem Donnerstag öffnet der Genfer Autosalon für das Publikum. Wer die Messe besucht, wird auf selbstbewusste Deutsche, französische Franzosen, beharrliche Asiaten und mutige Nostalgiker treffen.

          Wir haben ein ungerades Jahr, und das hat immer ein wenig Auswirkung auf den traditionellen Salon in Genf, der in diesem Jahr zum 85. Mal stattfindet - vom 5. bis 15. März. Denn im September lädt der Verband der Automobilhersteller zur IAA nach Frankfurt, der vielleicht wichtigsten Automesse der Welt. So werden vor allem die deutschen Hersteller das eine oder andere wichtige Auto, das man schon hätte zeigen können, nicht nach Genf schicken, sondern auf den Herbst warten.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das heißt natürlich nicht, dass es in Genf nichts zu sehen gibt. Audi sorgt mit dem R8 für den ersten Paukenschlag auf den zweiten Blick. Der neue Supersportwagen ist vom bisherigen Supersportwagen kaum zu unterscheiden, aber technisch haben die Ingolstädter kräftiger Hand angelegt. Der 5,2-Liter V-10-Sauger (der V8 ist Geschichte) entfesselt in seiner kräftigsten Variante 610 PS und dreht bis 8800/min, was zu einer gewissen Ekstase aller nicht völlig abgebrühten Piloten führen dürfte. Auch die Zivilversion mit 540 PS sollte den meisten Ansprüchen genügen. Handling und Fahrverhalten sollen schärfer und doch beherrschbarer geworden sein. Ob es gelingt, das genspendende Geschwisterchen Lamborghini in die Schranken zu fahren, wird sich auf dem Stand in Genf noch nicht klären lassen. Die offene Spyder-Version folgt 2016.

          Die bayerische Konkurrenz lässt es da familiärer angehen, ins Rampenlicht rückt der BMW 2er Active Tourer genannte Minivan als 2er Active Gran Tourer, womit die Verlängerung auf sieben Sitze gemeint ist. Die Silhouette ist dadurch nicht mitreißender geworden, aber der Nutzlastfaktor deutlich gestiegen. Die letzten beiden Plätze sind freilich nur Kindern auf Kurzkurzstrecke zuzumuten; die Beinfreiheit ist arg knapp, und das Auflegen der Oberschenkel klappt mangels Bodenabstand schon knapp jenseits des Säuglingsalters nicht mehr. Der kurze Tourer für rüstige Rentner, der lange Tourer für fröhliche Familien, schaun mer mal, ob die Rechnung aufgeht. Die Konkurrenz schläft nicht, schon lüftet Volkswagen den Schleier über dem nächsten Touran, der von September an erhältlich ist. Das Kleid ist straffer gezogen, manche mögen es als ernster empfinden. Das Format gewinnt an Breite, und 13 Zentimeter länger (jetzt 4,53 Meter) als der jetzige ist er auch. Die bekannte Verwandlungskunst beherrscht der neue Raumtransporter gleichermaßen. Als Randbemerkung: Der größere Sharan ist ebenfalls neu in Genf, denn es muss ja immer alles neu sein, wobei sich der Tatendrang hier auf Retuschen beschränkt, die kaum zu erkennen sind.

          Weil Audi, Mercedes-Benz und BMW sich ständig alles gegenseitig nachmachen, stellt sich sogleich die Frage nach Audis Minivan. „Brauchen wir nicht, passt nicht zu uns“, sagt Audi-Chef Rupert Stadler. Und ein Super 7er? Oder ein Super A8? Vielleicht schon eher. Audi hat eine Studie dabei, die den Blick voraus wirft auf einen edlen A9 Kombi, mit atemraubenden Linien und dem selbstbewussten Mut zum großen Wagen. Stuttgart indes holt die Sterne schon herunter und legt noch einen drauf. 6,50 Meter lang ist der Mercedes Maybach Pullman S 600, was trotz seiner üppigen Maße nicht auf den Heckdeckel passt. So steht dort schlicht Maybach S 600, für gekrönte Häupter und Staatsmänner/frauen schon ab 500 000 Euro zu haben, zuzüglich klangliches Burmester-Verwöhnaroma zu 25 000 Netto-Euro. Für allfällige Panzerung wären weitere 500 000 Euro vom Sparbuch abzuheben. Dafür gibt es V12 mit 530 PS, Trennscheibe zum Chauffeur inklusive Gegensprechanlage, Fernseher, Champagnerkühler, Gardinen und das Gefühl, ziemlich einzigartig zu sein. Wer hätte gedacht, dass solch ein Symbol deutscher Automobilkunst in Zeiten grassierender Kohlendioxideritis noch möglich ist. Bevor Klimaretter einen Sauerstoffschock erleiden: Die Absatzerwartung liegt im homöopathischen Bereich. Mögen Kanzlerin und Präsident ein Zeichen setzen und daran den Adler hissen.

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